Wenn eine überdurchschnittlich gut besetzte Fußballelf zur Winterpause weit hinter den Erwartungen zurückbleibt, wenn sie als Aufstiegsfavorit Nr.1 nach dem 17. Spieltag bereits deutliche elf Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter aufweist, wenn sie darüber hinaus gravierende körperliche Defizite offenbart, die Vereinsführung eine mangelnde Trainingsbeteiligung beobachten muss und letztlich Spannungen und Unruhen im Team erkennt, gibt es im Fußball nur eine Lösung – und zwar die klassische: Ein neuer Trainer muss her.

Im Interview: Ingo Kleefeldt (Trainer TuS Eving-Lindenhorst)

"Ich muss aus den guten Einzelspielern wieder eine Einheit machen"

19. Januar 2007, 16:15 Uhr

Wenn eine überdurchschnittlich gut besetzte Fußballelf zur Winterpause weit hinter den Erwartungen zurückbleibt, wenn sie als Aufstiegsfavorit Nr.1 nach dem 17. Spieltag bereits deutliche elf Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter aufweist, wenn sie darüber hinaus gravierende körperliche Defizite offenbart, die Vereinsführung eine mangelnde Trainingsbeteiligung beobachten muss und letztlich Spannungen und Unruhen im Team erkennt, gibt es im Fußball nur eine Lösung – und zwar die klassische: Ein neuer Trainer muss her.

Auch den Verantwortlichen vom TuS Eving-Lindenhorst, allen voran dessen Sportlichen Leiter, Dieter Baranowski, blieb, ausgelöst durch den desolaten Zustand der Mannschaft, bezüglich der Trainer-Frage offensichtlich keine andere Wahl: „Wir haben nach der Halbserie derartig viele Defizite im Team erkannt, dass wir als Vorstand einfach reagieren mussten und haben uns daher am 28.12.06 von Thomas Biller getrennt“, gibt er an.

Dass ein so renommierter Verein wie der TuS Eving-Lindenhorst allerdings auf einen als Trainer noch recht unerfahrenen Mann wie Ingo Kleefeldt zurückgreift, verwundert sicher den einen oder anderen Fachmann. Dieter Baranowski schafft es aber, vorhandene Zweifel an der Vorstandsentscheidung zu zerstreuen, indem er überzeugende Argumente bringt, die für eine Vereinsinterne Lösung mit Kleefeldt als neuem Coach sprechen: „Ingo Kleefeldt hat Thomas Biller während dessen Knieverletzung bereits hervorragend in der Trainerposition vertreten. Seine hochwertigen Trainingsmethoden, die er durch langjährige Oberliga-Erfahrung als Spieler erwarb, konnten damals bereits alle überzeugen. Nachdem kein Top-Trainer kurzfristig zur Verfügung stand, entschieden wir uns dann für die Lösung mit Ingo Kleefeldt. Das bedeutet aber nicht, dass das eine Notlösung für uns ist, sondern es ist eine sehr gute.“

Revierkick wollte wissen, wie Ingo Kleefeldt über seine neue Rolle beim TuS Eving denkt und sprach mit ihm daher über Art und Weise seiner Verpflichtung, den Zustand der Mannschaft, anstehende Veränderungen und seine sportlichen Ziele.

revierkick.de: Hallo Herr Kleefeldt. Sie sind jetzt offiziell seit dem 29.12.06 Trainer beim TuS Eving-Lindenhorst. Wie kam ihre Verpflichtung zustande?

Kleefeldt: „Wir hatten in dieser Spielzeit viele mannschaftsinterne Probleme. Einige Spieler waren unzufrieden mit den Trainingsmethoden und Entscheidungen von Thomas Biller. Und da wir diese Saison nur über einen relativ kleinen Kader verfügen, musste der Verein einfach mal nachgeben.“

revierkick.de: Bis wann hat man Sie verpflichtet?

Kleefeldt: Der Kontrakt läuft vorerst bis zum Saisonende. Sollte es mit uns nicht passen, haben der Verein und ich so die Möglichkeit uns nach Ablauf der Spielzeit wieder zu trennen. Wir werden uns aber schon in 4-6 Wochen zusammensetzen, um Gespräche zu führen, wie es nach dieser Saison mit uns weiter geht. Ich brauche dann eine Entscheidung, denn ich habe bereits Kontakte zu einigen Spielern geknüpft, die ich gerne im nächsten Jahr in Eving sehen würde. Ernsthafte Gespräche kann ich aber nur führen, wenn ich sicher bin, dass meine Tätigkeit beim TuS über den Sommer hinausgeht.

revierkick.de: Waren Sie überrascht, dass der Verein mit Ihnen eine interne Lösung des Trainer-Problems angestrebt hat?

Kleefeldt: Zugegebenermaßen, ein bisschen schon. Für mich war klar, dass ich nach dieser Saison ins Trainergeschäft einsteigen wollte. Es gab auch schon einige Angebote von anderen Vereinen, worüber ich den Vorstand auch Mitte Dezember informiert hatte. Dass es jetzt der TuS Eving ist, den ich trainieren darf, freut mich aber besonders. Während Thomas Billers Verletzung konnte ich hier ja bereits zeigen, was ich von anderen guten Trainern gelernt habe. Und das hat scheinbar vielen Leuten gut gefallen.

[imgbox-right]http://www.revierkick.de/include/images/gallery/img_thumb_254.jpg Saß schon bei den Dortmunder Hallenstadtmeisterschaften auf der Evinger Bank: Ingo Kleefeldt. Foto: RevierSport[/imgbox]
revierkick.de: Die Vereinsführung hat vor ihrer Verpflichtung auch Gespräche mit anderen Trainern geführt. Fühlen Sie sich jetzt nicht als Notnagel?

Kleefeldt:Überhaupt nicht. Ich sehe das als eine große Chance, hoffe aber auch, dass die Mannschaft und der Verein hinter mir stehen. Ich bin bisher jeder sportlichen Herausforderung gewachsen gewesen und darauf setze ich auch jetzt.

revierkick.de: Ihr Vorgänger ist scheinbar auf Druck der Mannschaft entlassen worden. Haben Sie keine Bedenken, dass Sie ein ähnliches Schicksal ereilen könnte?

Kleefeldt: So ist das nicht richtig. Auf diesem Niveau gibt es keine Mannschaft, die eine Trainer-Entlassung erzwingen kann. Eventuell war etwas Druck vorhanden, aber der Vorstand hat vor allem gesehen, dass einige Spieler nicht mehr ausreichend motiviert waren und musste daher durchgreifen. Das hätte Thomas Biller vielleicht bei dem einen oder anderen Spieler vorher auch tun sollen.

revierkick.de: Wenn man die Mannschaft zuletzt hat spielen sehen, gewann man den Eindruck, dass es mit der Kameradschaft innerhalb der Elf nicht weit her ist. Würden Sie dem zustimmen?

Kleefeldt: Das ist richtig. Bei uns gab es bisher viel Futterneid und das muss sich wieder ändern. Wir haben viele gute Spieler, die sich gegenseitig nicht angespielt haben. Aus eben diesen guten Individualisten gilt es für mich nun eine intakte Mannschaft zu bilden; dann sind wir auch wieder in der Lage jeden Gegner zu schlagen. Man kann aber jetzt schon diverse Veränderungen feststellen. Diese Woche waren jeweils 16 Mann beim Training und die haben teilweise schon zuviel Gas gegeben. Man konnte aber sehen, dass jeder mit Spaß bei der Sache war. Sollte den allerdings irgendjemand wieder verlieren, dann muss er halt wegbleiben. Wir lassen uns in Zukunft nichts gefallen und werden auf keinen Spieler Rücksicht nehmen. Zu Alleingängen meinerseits wird es aber auch nicht kommen. Jede personelle Entscheidung wird nur gemeinsam mit dem Vorstand getroffen.

revierkick.de: Mit elf Punkten Rückstand auf den SV Herbede ist der TuS weit vom Saisonziel Aufstieg entfernt. Welche sportlichen Ziele haben Sie sich für die Rückrunde gesetzt?

Kleefeldt: Ich denke immer positiv und schaue daher nie nach unten, sondern nur in Richtung Tabellenspitze. Unser Ziel ist es, nach der Saison einen Platz unter den ersten Fünf zu belegen. Auf den derzeitigen Tabellendritten, Hombrucher SV, beträgt unser Rückstand gerade mal fünf Punkte und den kann man immer aufholen. Primär denke ich aber von Spiel zu Spiel, vor allem wegen unseres schweren Auftaktprogramms.

revierkick.de: Wird es unter Ihnen gravierende personelle oder taktische Veränderungen geben?

Kleefeldt: Unser Kader ist relativ klein und da bleiben die Alternativen eingeschränkt. Außerdem würde es keinen Sinn machen, Spieler, die auf ihrer Position bereits gute Leistungen gebracht haben, plötzlich ganz woanders aufzustellen. Ich sehe die Mannschaft aber aus Trainer-Sicht jetzt auch mit etwas anderen Augen als vorher und es kann durchaus sein, dass der eine oder andere bald auf einer Position spielen wird, von der er jetzt noch keine Ahnung hat. Außerdem stoßen noch drei gute Leute aus der 'Zweiten' zum Kader und wer weiß, ob sich von denen nicht jemand aufdrängt.

Autor:

Mehr zum Thema

Rubriken

Kommentieren