18.05.2018

Legende Erwin Koen

Co-Trainer bei RWE? "Wäre ein Traum"

Foto: Firo

Am Pfingstmontag (17 Uhr, Stadion Niederrhein) trifft Rot-Weiß Oberhausen im Niederrheinpokal-Finale auf Rot-Weiss Essen. Erwin Koen fiebert mit seinem Ex-Klub RWE mit.

Wenn Erwin Koen (39) auf das Derby zwischen RWO und RWE angesprochen wird, ist er mit seinen Gedanken rasch im Jahr 2005. Am 29. Spieltag der 2. Bundesliga empfing sein Verein Rot-Weiss Essen den Stadtrivalen vor 19.000 Zuschauern im Georg-Melches-Stadion. Volle Hütte. Flutlicht. Abstiegskampf. In der 26. Minute hatte der Publikumsliebling der Essener einen großen Auftritt. Der Niederländer nahm einen Fehlpass von RWO-Torwart Oliver Adler knapp 40 Meter vor dem Oberhausener Tor auf. Koen zog mit seinem gefürchteten linken Fuß sofort ab und überwand Adler mit einem traumhaften Heber ins rechte Tordreieck. Der RWE-Stürmer ließ die Hafenstraße kochen. "Das war eines meiner schönsten Tore", erinnert sich Koen.

Der 39-Jährige trug zwischen 2000 und 2005 das Trikot der Bergeborbecker. Koen eroberte die Herzen der Fans nicht nur dank seiner 36 Tore, die er in 145 Spielen für den Traditionsverein erzielte. Der Linksaußen war ein unermüdlicher Kämpfer. Noch heute wird er dafür in Essen freundlich auf der Straße gegrüßt. Sofern seine Trainertätigkeit beim niederländischen Landesligisten V.V. Eldenia einen Besuch im Ruhrgebiet zulässt.

Vor dem Pokal-Schlager in Oberhausen hat Erwin Koen mit RevierSport über seine Derby-Erinnerungen, die sportliche Entwicklung bei RWE und über eine mögliche Rückkehr an die Hafenstraße gesprochen.

Erwin Koen, werden die RWE-Fans Sie am Montag im Stadion Niederrhein begrüßen dürfen?
Erwin Koen: Das klappt leider nicht. Ich befinde mich mit meiner Mannschaft mitten im Aufstiegskampf. Aber ich werde das Spiel selbstverständlich auf dem Schirm haben. So wie alle Spiele von RWE.

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Dann können Sie uns sicher schildern, wie Sie die abgelaufene Regionalliga-Saison von RWE bewerten.
Zunächst einmal sollte man mit einbeziehen, dass am Montag noch ein ganz wichtiges Spiel ansteht. Es geht um den Einzug in den DFB-Pokal. Da ist sehr viel Geld im Spiel. Geld, das auch in neues Personal investiert werden kann. Zudem wäre ein lukratives Los eine tolle Sache für die Fans und den Verein. Wenn das klappt, ist das mehr als ein Trostpreis.

Für eine enttäuschende Saison...
Natürlich war das nicht der Anspruch von Rot-Weiss Essen. Die Fans haben wie in den letzten Jahren viel gelitten. Aber ich denke, dass es mit Karsten Neitzel wieder aufwärts geht. Die Mannschaft hat sich stabilisiert, die Ergebnisse und das Auftreten stimmen wieder. Diesen Schwung muss RWE, hoffentlich in Verbindung mit dem Pokal-Sieg, in die neue Saison nehmen. Denn der direkte Aufstieg ist eine super Chance für Rot-Weiss Essen.

Je voller das Stadion war, desto motivierter war ich. Den Fans ist wichtig, dass man immer alles gibt. Dass man sich den Arsch aufreißt. Genau das habe ich immer getan.
Erwin Koen

Trauen Sie dieser Mannschaft ernsthaft zu, im nächsten Jahr aufzusteigen?
Natürlich! Die Mannschaft ist stark genug und sie ist viel besser, als es ihr Tabellenstand vermuten lässt. Im letzten Jahr gab es einfach zu viel Chaos, vor allem durch die Trainerwechsel. Die letzten Spiele haben gezeigt, dass RWE viel mehr kann. Mir gefällt auch die Maßnahme, dass Waldemar Wrobel und Frank Kurth in den Aufsichtsrat berufen wurden. Das sind rot-weisse Jungs. Im sportlichen Bereich muss ein klarer Plan her und die ständige Unruhe darf nicht mehr auftreten. Die gab es zuletzt leider jedes Jahr. Wenn das gelingt, ist mit diesem Fan-Potenzial alles drin.

Aber gerade die Fans waren in der letzten Saison auch ein Hemmschuh. Es gab sogar einen Stimmungsboykott.
Die Stimmung war sehr negativ. Das habe ich mitbekommen. Die Leute haben gemerkt, dass es nicht rund läuft. Es stimmte in vielen Bereichen nicht. Der Verein sollte künftig aber auch auf die Spielertypen schauen. Wer einen Vertrag bei Rot-Weiss Essen unterschreibt, muss wissen, dass es auch negative Reaktionen geben kann. Natürlich ist es gerade für junge Spieler nicht leicht, wenn man ausgepfiffen wird. Aber das muss man wissen und damit umgehen können. Eigentlich sollten die Fans nie ein Problem sein. Ich habe die Power der Fans immer mitgenommen. Je voller das Stadion war, desto motivierter war ich. Den Fans ist wichtig, dass man immer alles gibt. Dass man sich den Arsch aufreißt. Genau das habe ich immer getan. So wurden einem auch Niederlagen verziehen. Deshalb mögen mich alle in Essen noch. Ich denke, Marcel Platzek ist ein ähnlicher Spielertyp. Auch er gibt immer alles. Die Fans honorieren das.

Die Fans würden es sicher begrüßen, wenn einer wie Sie zur Hafenstraße zurückkehrt. Ist das in irgendeiner Form realisierbar?
Das weiß ich nicht. Ich sehe meine Zukunft im Trainergeschäft. Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß und ich bin auf diesem Gebiet sehr ambitioniert. Eine Aufgabe bei RWE, zum Beispiel als Co-Trainer, wäre natürlich ein Traum. Ich habe dieses Trikot immer mit großem Stolz getragen, auch zuletzt bei der Traditionsmannschaft. Aber konkrete Gespräche bezüglich einer Tätigkeit hat es noch nicht gegeben. Grundsätzlich würde ich aber lieber in Deutschland als in Holland als Trainer arbeiten.

Warum?
Die Mentalität in Deutschland gefällt mir einfach besser. Die Trainer genießen ein höheres Ansehen. In Holland gibt es oft Widerworte. Viele Dinge werden kommentiert. Die Spieler in Deutschland haben eine professionelle Einstellung. Das hat mir schon zu meiner aktiven Zeit gefallen.

Kommen wir zurück zum Derby RWO gegen RWE. Was macht den Reiz dieses Duells aus?
Wenn ich mit Essen auf RWO getroffen bin, waren das immer tolle Spiele. Das Stadion war voll, es ging immer zur Sache. Am Montag ist es auch noch ein Endspiel um den Einzug in den DFB-Pokal. Etwas schöneres kann es eigentlich nicht geben.

Wir wissen, dass Sie RWE die Daumen drücken. Aber ganz objektiv: Wer wird dieses Spiel gewinnen?
Meiner Meinung nach stehen die Chancen 50/50. Es wird ein ganz enges Spiel. Mike Terranova leistet in Oberhausen sehr gute Arbeit. Aber auch Karsten Neitzel macht einen guten Job. Aufgrund der letzten Wochen sehe ich RWE ganz leicht im Vorteil, obwohl RWO Heimvorteil hat. Essen hat Selbstvertrauen getankt. Das sollte sich auszahlen.

Autor: Martin Herms

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