20.03.2018

RWE

Der Pokal als ein Quantum Trost

Foto: Thorsten Tillmann

Mit einem Halbfinalsieg über den Oberligisten Jahn Hiesfeld will Rot-Weiss Essen die jüngsten Nackenschläge vergessen machen.

Wieder einmal muss der Pokalwettbewerb bei Regionalligist Rot-Weiss Essen als Trostpflaster für eine jetzt schon verkorkste Spielzeit herhalten, erst recht nach den jüngsten Erlebnissen an der Hafenstraße gegen Wattenscheid (2:3) und Uerdingen (2:2). Darum gilt mehr denn je vor dem Niederrheinpokal-Halbfinale am Mittwoch (19.30 Uhr) gegen Oberligist Jahn Hiesfeld an der Hafenstraße: „Ausscheiden verboten.“

Natürlich schüttelt man bei den Essenern zwei Nackenschläge innerhalb von fünf Tagen nicht so einfach aus den Trikots: „Der Trainer hat die entscheidenden Szenen mit der Mannschaft noch einmal aufgearbeitet, besonders das Fehlverhalten beim 1:2 der Uerdinger. Danach hat ja jeder nur noch die Daumen gedrückt, dass das Spiel bald vorbei ist“, erinnert sich Sportdirektor Jürgen Lucas ungern an den Meisterschafts-Alptraum.

Aber der Pokal bietet auch die Chance, den Negativknoten nun endlich zu durchschlagen. Jürgen Lucas hat sich die letzten drei Partien der Hiesfelder im Oberliga-Alltag vor Ort angeschaut. Und ohne zu viel zu verraten, die Knie haben ihm bei der Heimfahrt nicht geschlottert. „Wenn wir an unsere Leistungsgrenze gehen, ist doch klar, dass wir der Favorit sind“, so sein Fazit. Und zu Überheblichkeiten sollte die Mannschaft nach den letzten Erlebnissen nun wahrlich nicht mehr neigen. Die Bedeutung der Partie an der Hafenstraße will auch RWE-Vorsitzender Marcus Uhlig gar nicht klein reden: „Der Pokalsieg, verbunden mit der DFB-Pokalteilnahme, ist für RWE als Viertligist immer superwichtig, keine Frage“, so seine Meinung, und er meint damit nicht nur den finanziellen Aspekt.

Mit einem bundesweiten Auftritt pro Jahr sich immer wieder ins fußballerische Langzeit-Gedächtnis der Fans zurück zu bringen, erscheint fast noch wertvoller. Uhlig, der an der Hafenstraße bekanntlich alles andere als ein leichtes Amt übernommen hat, findet es schade, dass gerade in den letzten Ligaspielen „gute Leistungen nicht in gute Ergebnisse umgesetzt wurden“.

Natürlich bekommt er mit, dass die Stimmung im Umfeld schlecht ist, aber in ihm macht sich auch eine „Jetzt-erst-recht“-Stimmung breit. Vergangene Woche gab es im Stadion eine „Sprechstunde für Fans“, auch Sportdirektor Jürgen Lucas stellte sich den Fragen. Für etwas Irritation sorgte bei den Fans die Aussage, mögliche drei Neuzugänge, die kurz vor der Unterschrift stünden, würden mit den drei Trainerkandidaten abgestimmt.

Wir stehen mit allen drei Trainerkandidaten im ständigen Austausch, aber wir planen jetzt nicht drei Kader parallel
Jürgen Lucas

So weit geht es dann doch nicht, betont Lucas: „Wir stehen mit allen drei Trainerkandidaten im ständigen Austausch, aber wir planen jetzt nicht drei Kader parallel, das wäre ja Wahnsinn.“

Über mögliche Nicht-Vertragsverlängerungen werde natürlich auch gesprochen, aber da bleibt für die Kandidaten noch die eine oder andere Hintertür offen, schließlich wird darüber der neue Trainer das letzte Wort haben. Außerdem braucht man für den Rest der Saison noch jeden Akteur mit Leistungswillen, „auch wenn ich dem einen oder anderen im Gespräch schon andeuten muss, dass es für ihn schwierig wird“, bekennt Lucas.

Schwierig wird auch die Torwartfrage für das Halbfinale: Marcel Lenz, der RWE mit seinen Paraden im Viertelfinale erst das Weiterkommen ermöglicht hat, ist wieder fit und brennt auf seinen Einsatz. Trainer Argirios Giannikis wollte für eine ultimative Entscheidung den letzten Trainingseindruck abwarten. Es ist nicht das größte Problem, was sich bei Rot-Weiss in diesen Tagen aufdrängt.

Autor: Ralf Wilhelm

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