20.02.2018

Schalke

Stambouli zeigt, dass er kein Fehleinkauf ist

Foto: firo

Benjamin Stambouli zeigt in seinem zweiten Jahr, dass er kein Fehleinkauf ist. Er hat sich eingelebt und mag nur eines nicht: Das deutsche Essen.

Benjamin Stambouli musste am Dienstag auch über Nabil Bentaleb reden. Das tat der Franzose mit wohl überlegten Worten: Die beiden Profis kennen sich seit vielen Jahren, vor ihrer Zeit auf Schalke standen sie schon bei Tottenham Hotspur gemeinsam in einer Elf. „Nabil ist ein super Freund von mir und ein super Spieler“, sagte Stambouli also über den vermeintlichen Problem-Profi Bentaleb und versicherte: „Es gibt kein Problem zwischen der Mannschaft und Nabil.“ Die Rolle des zuletzt nicht berücksichtigten Algeriers Bentaleb ist seit Tagen ein Thema auf Schalke.

Stambouli ist nicht so ein Typ Starspieler, dessen Verhalten für ständige Aufregung sorgt, aber er ist ein verlässlicher Profi – das zeigt er jetzt in seinem zweiten Jahr auf Schalke. Ob in seiner neuen Rolle als Innenverteidiger, in der er die meisten Spiele gemacht hat, oder zuletzt beim 2:1-Sieg gegen Hoffenheim als Ersatz des gesperrten Max Meyer wieder auf der angestammten Sechs: Auf den Franzosen ist Verlass. Das ist bemerkenswert, weil der frühere Profi von Paris St. Germain im Vorjahr als Synonym für die missratene Saison galt: Er hatte einen Haufen Geld gekostet, mehr als acht Millionen Euro, und dafür wenig Leistung geboten. Dass es für ihn im zweiten Jahr deutlich besser läuft und seine Auftritte anders sind, sieht er auch selbst so: „Ja, ich glaube schon.“

Stambouli war auch im Vorjahr schon selbstkritisch und mit seinen Leistungen unzufrieden, jetzt nennt er die Gründe für seinen Aufschwung: „Ich kenne die Bundesliga jetzt besser und weiß, wie die anderen Mannschaften spielen. Ich habe auch mehr Mut und ich fühle mich gut mit der Mannschaft und dem Coach“, sagt der 27-Jährige. Eigentlich wohl nur Kleinigkeiten, die zusammen aber etwas Großes ergeben: „Manchmal hast du keine Erklärung, aber du fühlst dich gut – und ich bin jetzt froh.“

Was es für ihn aber wahrscheinlich wirklich jetzt einfacher macht, ist die Tatsache, dass Schalke nun als Mannschaft funktioniert – das war im Vorjahr nicht der Fall. „Im letzten Jahr war es schwer, weil wir einen schlechten Anfang gehabt haben“, blickt er zurück: „Da war es auch für mich persönlich nicht einfach. Manchmal habe ich gute Spiele gemacht und manchmal schlechte.“ Nun stimmt das Innenverhältnis mit Trainer Domenico Tedesco und den Kollegen, und auch das Auftreten auf dem Platz.

Stambouli, der bei seinem früheren Klub HSC Montpellier in jungen Jahren schon mit der Kapitänsbinde aufgelaufen ist, hat sich merklich eingelebt in Deutschland. Sein Deutsch ist nicht nur gut – es ist vorzüglich nach nur 18 Monaten in einem fremden Land. Auch dies sei wichtig für seine Integration auf Schalke, „aber auch für mein Leben“. Mit der deutschen Pünktlichkeit hat er sich arrangiert („das ist in Frankreich nicht so“), und eigentlich stört ihn nur eines: Das deutsche Essen. „Hier auf Schalke ist es sehr, sehr gut“, sagt Stambouli: „Aber wenn du in ein Restaurant gehst, ist das in Frankreich ein bisschen besser...“ Ein wenig muss der Fußballer, den auf Schalke alle nur „Benji“ nennen, da selbst lachen – ein guter Typ.

Und einer, dem die Mannschaft wichtiger ist als alles andere. Am Sonntag spielt Schalke in Leverkusen – ein Spitzenspiel, das sich die Mannschaft verdient hat, wie Stambouli findet: „Taktisch sind wir gut, wir sind fit und wir versuchen, immer alles zu geben. Also: Schalke ist da.“ Nur ob er selbst auch auf dem Platz stehen wird, muss sich erst noch zeigen, denn Sechser Max Meyer hat seine Sperre verbüßt und bei den Innenverteidigern gibt es mit Naldo, Kehrer und Nastasic ganz gute Konkurrenz. Stambouli aber nimmt seine Rolle an, dass man da sein müsse, wenn die Mannschaft einen brauchen würde: „Wenn ich Innenverteidiger spiele, bin ich froh. Wenn ich auf der Sechs spiele, bin ich froh. Und wenn ich Stürmer spiele, bin ich auch froh – da gibt es kein Problem." Auf den Franzosen wird schon Verlass sein...

Autor: Manfred Hendriock

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