27.12.2017

Film über MSV-Legende

Ennatz Dietz: Von der Straße zur Duisburger Legende

Foto: Christian Hoch

Bernard Dietz ist eine lebende Fußball-Legende. Sein Weg vom Straßenfußballer zur Duisburger Ikone wurde verfilmt. 70 Jahre „Ennatz“ - eine emotionale Reise.

Deutsches Fußballmuseum in Dortmund. Elf Uhr. Ein Mann mit einer großen Kamera läuft hektisch umher, direkt gefolgt von zwei weiteren Männern. Sie stellen einen großen Scheinwerfer auf. Stress pur. Am Rand steht Bernard Dietz. Die Ikone des MSV Duisburg lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Die rote Brille sitzt lässig auf der Nase, die Mundwinkel zeigen nach oben: „Ich habe so viel erreicht in meinem Leben. Das nimmt mir keiner mehr. Ich brauche die Öffentlichkeit nicht mehr.“ Doch genau diese bekommt er zu seinem 70. Geburtstag. Denn sein Lebenswerk wird in 60 bis 80 Minuten verfilmt. Ein kleiner Ausschnitt aus dem Werdegang einer großen Persönlichkeit.

Er selbst hielt zunächst nicht viel von dieser Idee. Als ihn die Anfrage von Produzent Thorsten Ippendorf erreichte habe er nur folgendes erwidert: „Spinnst du?“ Und genau diese Reaktion ist ein Spiegelbild dessen, wie Bernard Dietz auf andere Leute wirkt. Das wird deutlich, wenn man sich umhört. Denn Bernard Dietz ist an diesem Tag nicht alleine im Dortmunder Fußballmuseum - genauso wenig alleine ist er auch im Film. Auch Karl-Heinz Rummenigge, Horst Hrubesch, Olaf Thon und Werner Hansch nehmen Rollen bei „Ennatz - eine Zebralegende“ ein.

Werner Hansch sitzt auf einem Stuhl, schaut in die Runde. Er hat eine besondere Rolle im Film und kommentiert alleine im Stadion des MSV Duisburg einzelne Spiele mit Bernard Dietz wie zur damaligen Zeit. Eine besondere Erinnerung hat er dabei auch noch parat. Franz Beckenbauer habe im Zuge des Abschiedsspiels von Dietz am 5. Mai 1988 gesagt: „Einen wie diesen Ennatz wird es nicht mehr geben.“ Auch Hrubesch und Thon fanden ausschließlich lobende Worte für die Duisburger Fußball-Legende.

70 Jahre an fünf Tagen

Der ehemalige HSV-Stürmer Hrubesch sagte: „Ich bin stolz, dass ich ihn kenne, ich bewundere ihn. Bernard spricht für sich - den Weg, den er gegangen ist.“ Bei diesen Worten lächelt Dietz betreten und schaut auf den Boden. Er klopft seinem alten Weggefährten auf die Schultern. Für Schalkes Olaf Thon sei Dietz immer eine „Vaterfigur“ gewesen: „Er hat mich erst in der Bundesliga und dann zum Nationalspieler aufgebaut.“ Abseits der Dreharbeiten für die Dokumentation verfallen die Vier immer wieder in kleine Anekdoten und Erinnerungen an vergangene Spiele. So diskutierten sie natürlich auch leidenschaftlich über das legendäre 6:6 im DFB-Pokalhalbfinale zwischen Bayern München und Schalke 04, als Olaf Thon mit 18 Jahren in den Fußball-Olymp aufgestiegen ist. Bernard Dietz war dabei ebenfalls auf dem Platz und erzielte das 5:5.

Dieses Spiel wird ebenfalls in der Dokumentation beleuchtet. Doch es wird auch viele private Einblicke in das Leben von Bernard Dietz geben, wo dem Zuschauer die Persönlichkeit nähergebracht werden soll. Doch für eingefleischte Duisburg- und Fußballfans wird das wohl kaum nötig sein. An insgesamt nur fünf Drehtagen wurde die Dokumentation fertiggestellt. Pünktlich zum 70. Geburtstag am 22. März 2018 soll der Film dann für Jedermann zu sehen sein. Die Premiere soll nach aktuellen Planungen am Abend des 21. März im Deutschen Fußballmuseum sein. Dann werden viele Augen und Ohren auf die Bildschirme gerichtet sein. Dietz und sein Team hoffen, dass auch viele jüngere Zuschauer Interesse an der Dokumentation haben werden. Denn zwischendurch soll es auch immer wieder Einschübe im Film mit einem Lerneffekt gegen. Was genau das zu bedeuten hat, das wollte noch niemand verraten. An diesen fünf Tagen des Drehens konnte Bernard Dietz sein ganzes Leben noch einmal durchgehen. Es gibt kaum etwas, das die Duisburger Ikone bereut. Oder doch?

Eine faule Ausrede

Beim ersten Rundfunkeinsatz von Werner Hansch am Sportmikrofon 1976 begleitete er auch Bernard Dietz mit seiner Stimme: „Da war er schon Vize-Europameister.“ Doch im besagten Jahr verließ diesem charismatischen Mann der Mut. Beim Elfmeterschießen im Finale der Europameisterschaft gegen die Tschechoslowakei war er als Schütze vorgesehen, behauptete aber damals, unter Wadenkrämpfen zu leiden. Deutschland verlor das Finale und Dietz die Worte für Ausreden: „Da leide ich heute noch drunter, dass ich gekniffen habe.“

Autor: Christian Alexander Hoch

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