VfL Bochum

Latzas Umweg in Liga zwei

13. Juli 2013, 11:37 Uhr

Er hatte sich schon beim MSV Duisburg eingerichtet, doch dann musste Danny Latza wieder seine Sachen packen. Die stehen dafür jetzt beim VfL Bochum.

Erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt. Im Zebra-Trikot wollte Danny Latza die kommende Spielzeit bestreiten. Die ersten Trainingseinheiten hat er an der Westender Straße absolviert, doch plötzlich war die Lizenz weg und der Traum geplatzt. Umso glücklicher war der gebürtige Gelsenkirchener, als sich quasi über Nacht eine neue sportliche Chance bot. Peter Neururer war am Telefon und erkundigte sich nach dem momentanen körperlichen Fitnesszustand des ehemaligen Schalkers und lud ihn gleich einmal zum Probetraining ein. Einen Tag später wurde daraus schon ein Gastspiel, nach dem der Coach nicht lange brauchte – gerade einmal 45 Minuten gegen Odense BK – um zu entscheiden: „Den will ich“. Und auch Latza musste nicht lange überlegen, denn: „Bochum ist für mich mehr als nur eine Alternative.“

Schließlich hat er an Bochum eine sehr gute Erinnerung. Für den damals 19-Jährigen war das rewirpowerSTADION der Einstieg in den Profifußball. Am 14. Februar 2009 wurde er in der 83. Minute für Levan Kobiashvili eingewechselt, was seinen ersten Bundesliga-Einsatz bedeutete. Weniger gute Erinnerungen hat der 23-Jährige an das Spiel. Damals verlor er mit Schalke 04 in Bochum nach 1:0-Führung mit 1:2: „Dabro hat für Bochum das Siegtor erzielt, daran konnte ich in den paar Minuten auch nichts mehr ändern.“

Wie die Zeit vergeht. Inzwischen hat der Defensiv-Allrounder gar keinen Bezug mehr zu dem Klub, für den er von 1998 bis 2011 spielte. „Eigentlich gibt es überhaupt keine Kontakte mehr. Mit Magath kam der große Wechsel, alle Drähte sind mittlerweile gekappt.“

33 Kilometer pendeln für die Liebe

Um seine sportliche Fitness brauchte sich Neururer jedenfalls nicht zu sorgen. Erst hatte er mit dem MSV Fahrt aufgenommen, dann trafen sich einige Spieler in einer kleinen Gruppe ohne Trainer jeweils vormittags, um sich für ein mögliches Angebot bereitzuhalten. Für Latza ist es der zweite Anlauf im gehobenen Profifußball, denn die Zeit auf Schalke endete mit einem Mittelfußbruch (2009) und einer Knochenabsplitterung im Sprunggelenk (2010).

Darmstadts damaliger Coach Kosta Runjaic holte ihn zu den Lilien und versprach ihm einen Stammplatz. Auch, wenn der Trainer nicht lange da war, Latza brachte es in zwei Spielzeiten auf 73 Einsätze und 10 Treffer. „Er hat mich nie aus den Augen verloren und so war es für mich eigentlich logisch, dass ich zum MSV wechsle“, erklärt Latza seinen Entschluss.

Deshalb hatte er sich auch mit Freundin Jacqueline auf seinen neuen Wohnort Bottrop geeinigt. Dort gefällt es ihm so gut, dass er auch in Zukunft die Strecke Bochum - Bottrop und zurück – also jeweils 33 Kilometer – als Pendler in Kauf nimmt. Latza verrät: „Ich habe kaum Urlaub gemacht, da war viel Arbeit. Aber jetzt bin ich sehr froh, dass alles fertig ist.“
Über die Ziele des VfL mag er zur Stunde noch nicht reden. Aber eine kernige Aussage geht ihm dann doch über seine Lippen. „Wenn wir im oberen Tabellendrittel landen, wäre das schon prima.“ Dafür ist er bereit, seine Stärken einzubringen. „Ich bin konditionell gut dabei, bin laufstark, habe eine gute Übersicht und bin taktisch sehr gut ausgebildet.“

Konkurrenzkampf im Mittelfeld

Bringt Latza alle diese Fähigkeiten ein, dann gibt es im zu Beginn der Vorbereitung arg verwaisten Mittelfeld plötzlich einen echten Konkurrenzkampf mit dem defensiv starken Florian Jungwirth und dem offensiveren Christian Tiffert. Neururer jedenfalls ist heilfroh, nach dem Verlust von Christoph Kramer (Borussia Mönchengladbach), Leon Goretzka (Schalke 04) und Marc Rzatkowski (FC St. Pauli) wieder eine Alternative mehr im Kader zu haben. Der Coach: „Ein unglaublich ballsicherer Spieler, der sehr dynamisch agiert. Er kann sowohl im defensiven als auch im offensiven Mittelfeld spielen, außerdem ist er beidfüßig.“

Latza, der die Rückennummer 18 von Goretzka geerbt hat, ist rundum zufrieden. „Der Auftakt gibt mir ein gutes Gefühl. Ich will nun unbedingt auf einer größeren Bühne beweisen, was ich kann.“

Das hat er in jungen Jahren, ausgebildet in der Schalker Jugendakademie, regelmäßig unter Beweis gestellt. In der Vita liest sich von der U16- bis zur U20-Nationalmannschaft die Zahl von 42 Einsätzen sehr gut. Sein größter Erfolg war sicherlich der Gewinn der U19-Europameisterschaft im Jahr 2008, als Deutschland im Finale Italien mit 3:1 bezwingen konnte. Und hier schließt sich dann auch der Kreis. Denn an Latzas Seite spielten auch damals Jungwirth und Richard Sukuta-Pasu, die er nun wieder neben sich hat.

Wiedersehen mit Smail Morabit

Christian Hochstätter: „Als Spieler aus dem Ruhrgebiet ist uns sein Name sofort eingefallen. Wer so oft für Deutschland gespielt hat, der ist sehr gut ausgebildet. Außerdem passt er mit seinen 23 Jahren aufgrund seines Entwicklungspotenzials perfekt zu unserer Philosophie. Als Ruhrpottler hat er sich auch gleich bei uns heimisch gefühlt.“ Und Latza hat trotz seines schnellen Wechsels aus Meiderich zur Castroper Straße seinen Beinahe-Klub MSV Duisburg noch im Herzen. „Ich habe mich riesig gefreut, dass der MSV jetzt wenigstens die Lizenz für die 3. Liga erhalten hat. Ich finde, dass das Ruhrgebiet gar nicht genug höherklassige Verein haben kann.“

Und dann verrät er noch eine lustige Anekdote, die einige Monate zurück liegt. Beim Spiel Rot-Weiß Erfurt gegen Darmstadt 98 hatte er es auf dem Spielfeld mit Smail Morabit zu tun. Nach der Partie kamen die beiden ins Plaudern, Morabit erzählte, dass er bereits für die kommende Spielzeit einen Vertrag in Bochum unterschrieben hat. Latza: „Ich wünschte ihm damals viel Glück und sagte: ‚Irgendwann werden wir uns wieder sehen.‘ Dass das dann so schnell geht, damit hätten wir beide nicht gerechnet.“

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