Kresliga Bochum

Integrations-Elf feiert den Aufstieg

Foto: Klaus Pollkläsener

Als soziales Projekt hat sich die erste Mannschaft von Viktoria Bochum mit „Fußball kennt nur eine Sprache“ schon einen Namen gemacht.

Flüchtlinge und Deutsche leben hier auf und neben dem Platz gemeinsam vor, wie Integration funktionieren kann. Die gute Stimmung hat sich auf den sportlichen Bereich übertragen: Der Elf von Trainer Gabor Horvath ist der Aufstieg in die Kreisliga B gelungen. Die Probleme allerdings bleiben auch eine Liga höher die gleichen.

Die Mannschaft besteht größtenteils aus Asylbewerbern. Menschen aus neun Nationen und verschiedenen Religionen kommen hier friedlich zum Sport zusammen. Neben dem Platz helfen die drei Deutschen im Team ebenso wie Horvath, Co-Trainer Tobias Schuster und Präsident Wolfgang Havranek, wo sie können. Sie füllen mit die Anträge aus, begleiten die Mitspieler zum Amt oder versuchen, Praktika zu vermitteln. Wenn ein Asylantrag abgelehnt wird, sind ihnen jedoch die Hände gebunden.

Mit Tränen in den Augen
„Wir haben es versucht, aber wir können nichts machen, wenn einer abgeschoben wird“, sagt Horvath mit einem Klos im Hals. „Das ist jedesmal eine Tragödie, wenn du in die bedröppelten Augen der Jungs schaust.“ Gerade einmal acht Spieler sind von der ursprünglichen Mannschaft noch übrig, aber das Projekt hat sich in Bochum herumgesprochen. Beim Integrationsteam kommen sie aus allen Ecken der Stadt, um Teil des Projektes zu sein. Wenn sich jemand Neues vorstellt, muss er vor allem zwei Voraussetzungen erfüllen, sagt Horvath: „Er muss kicken können und es muss menschlich passen.“

Aktuell sind über 30 Spieler im Kader, viele stammen aus Afrika. „Trotz der Veränderungen im Team ist die Stimmung nach wie vor super. Es funktioniert gut bei uns, wir halten zusammen“, sagt Kapitän Stanley Schuster, der von Anfang an dabei ist. Ein paar Neuzugänge waren sportlich richtige Verstärkungen und die Mischung stimmt – so gut, dass der Aufstieg in die Kreisliga B als Meister gelang. Zittern aber musste die Viktoria bis zum letzten Spieltag.

Nach einem schweren ersten Drittel ging die Integrations-Elf souverän durch die Saison, stand vier Spieltage vor Schluss ganz oben. Gerade da ließ die Viktoria etwas nach, gegen den Spitzenreiter waren alle besonders motiviert „und wir waren manchmal zu locker“, sagt Horvath: „Bei uns wird auf dem Platz auch mal gelacht. Manchmal auch so viel, dass es mich als Trainer nervt.“ Im letzten Spiel gegen Harpen III ging es um die Meisterschaft und wieder war es knapp.

Im Hinspiel siegte die Viktoria noch 11:2, diesmal kämpfte sie sich zu einem 4:2. Und schaffte den Coup – übrigens mit der besten Defensive der Liga (27 Gegentore). In der Kreisliga B soll es so erfolgreich weitergehen. „Mit dem Abstieg werden wir nichts zu tun haben. Wir wollen schauen, was nach oben geht“, sagt Horvath: „Die Hauptsache aber bleibt, dass alle hier Spaß haben.“

Fußball ist willkommene Ablenkung

Denn für die Flüchtlinge ist der Fußball bei Viktoria eine willkommene Ablenkung. Viele wollen sich zwar auch außerhalb des Platzes betätigen, sind aber wegen der fehlenden Arbeitserlaubnis ohne Job. Nur zwei aus der aktuellen Mannschaft haben eine Arbeitserlaubnis. Da ist es für Präsident Havranek eine Selbstverständlichkeit, dass er von den Flüchtlingen keine Mitgliedsbeiträge verlangt. Auch wenn das ein Loch in die Kasse reißt. Umso mehr ist der Verein um Sponsoren bemüht.

„Wir haben lange von zwei größeren Einzelspenden gelebt, jetzt gehen wir auf dem Zahnfleisch und müssen uns etwas Neues einfallen lassen“, sagt Horvath. „Damit die Weltsprache Fußball weitergesprochen werden kann“, ergänzt Havranek. Demnächst läuft eine Dokumentation über das Integrations-Projekt im Kino Endstation. Der Film endet mit dem Aufstieg. Nun kann die Viktoria ihre Geschichte selber weiter schreiben.

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