Fredi Bobic hat großen Anteil an Eintracht Frankfurts positiver Entwicklung der vergangenen Jahre. Doch nun steht dem Sportvorstand Ärger ins Haus. Der Konflikt mit den Fans wegen der Personalie Andreas Möller droht zu eskalieren.

Fan-Wut gegen „Sonnenkönig“ Bobic

Streit um Eintracht-Personalie Möller eskaliert

03. Oktober 2019, 12:52 Uhr

Foto: firo

Fredi Bobic hat großen Anteil an Eintracht Frankfurts positiver Entwicklung der vergangenen Jahre. Doch nun steht dem Sportvorstand Ärger ins Haus. Der Konflikt mit den Fans wegen der Personalie Andreas Möller droht zu eskalieren.

Eintracht Frankfurt hat in den vergangenen Jahren für viele positive Schlagzeilen gesorgt. Der sensationelle Pokal-Triumph gegen Bayern München 2018, das mitreißende Europa-League-Abenteuer im Folgejahr, dazu eine kluge Transferpolitik und eine begeisternde Anhängerschaft. Doch nun stört ein offener Konflikt zwischen Sportvorstand Fredi Bobic und Teilen der Fanszene die Idylle. Der Streit um die Personalie Andreas Möller droht zu eskalieren.

Denn Bobics Vorhaben, den 1990er-Weltmeister zum neuen Chef des Nachwuchsleistungszentrums der Hessen zu machen, ist auf unerwartet heftigen Widerstand bei den Eintracht-Ultras gestoßen. Der Ton ist rau, die Fronten verhärtet. „Ihre Meinung interessiert mich nicht“, hatte Bobic kürzlich bei einem Fußball-Kongress der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Richtung der Kritiker beschieden und dabei unmissverständlich klar gemacht: „Wer gegen Möller ist, ist auch gegen mich.“

Die Reaktion der Fans fiel ebenso scharf aus. „Erfolg hin oder her: Mit welchem Recht maßt sich Fredi Bobic an, die Kritik an der Personalie Möller mit seinem persönlichen Schicksal zu verbinden?“, hieß es in einer Stellungnahme der Fan-Organisation „Nordwestkurven-Rat“: „Das klingt gleichzeitig nach Gutsherrenart eines Sonnenkönigs, aber auch wie ein beleidigtes, bockiges Kind.“ In jedem Fall zeige sich „eine seltsame Vorstellung von Demokratie in einem Fußballverein“.


Die Ultras der Eintracht hatten bereits beim ersten Gruppenspiel der Europa League gegen den FC Arsenal mit Flugblättern, Transparenten und diffamierenden Sprechchören lautstark ein „Nein zu Möller“ eingefordert. Ihr Vorwurf: Der gebürtige Frankfurter sei seit dem Start seiner Profikarriere bei der Eintracht 1985 mehrfach durch „Lügen und gebrochene Absprachen“ aufgefallen. Seine Verpflichtung als Koordinator für die Jugendabteilung sei allein deshalb „ein absolutes No-go“.

Auch Möllers vermeintlich letzte öffentliche Äußerung bezüglich des Klubs, damals vor dem Pokalfinale 2017 und als Manager beim verhassten Lokalrivalen Kickers Offenbach, wird dem früheren Nationalspieler von den SGE-Fans nachgetragen. „Zur Eintracht habe ich keine Verbindung, mit Frankfurt habe ich nichts zu tun“, hatte der Europameister von 1996 damals im Interview mit den Ruhrnachrichten erklärt - und überdies Finalgegner Borussia Dortmund als seine „fußballerische Heimat“ bezeichnet.

Bobic ist in diesem aufgeheizten Spannungsfeld wahrlich nicht zu beneiden. Den Anschein, sich von den Fans erpressen zu lassen, will der 47-Jährige wohl ebenso wenig erwecken wie den, einen Bruch mit dem eigenen Anhang leichtfertig in Kauf zu nehmen. Eine Lösung des Konflikts ist bislang deshalb nicht in Sicht. Und so muss die Eintracht wohl auch mit den inzwischen ungewohnten Negativschlagzeilen vorerst leben. sid

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08.10.2019 - 08:49 - asaph

Über wichtige Themen sollte es in der Politik Volksabstimmungen (bzw. hier im Verein: Abstimmung der Mitglieder) geben.
Ob die Personalie "Möller" hier wichtig ist, bezweifle ich!
Anders sehe Ich es z.B. bei einem Trainingslager in einem islamischen Land wie beim FC Bayern in KSA, wo Menschenrechte mit Füßen getreten werden und Frauen wie Leibeigene behandelt werden. Hier sollt "das Volk" entscheiden, ob dies weiterhin so paraktiziert wird - nur aus Geld- und Prestigegründen!

03.10.2019 - 18:37 - K.P.Schmidt

#Stan56#KuK
Kann Auch Beiden nur recht geven!!!

03.10.2019 - 16:10 - Stan56

Genau so sieht es nämlich aus - Demokratie fordern, aber diese für sich selbst als Gruppe außer Kraft setzen wollen! Für mich sind Ultras (egal welcher Couleur - ja, auch die vom S04) ein spät-pubertierender "Kindergarten" (wobei ich um Gotteswillen keinen Kindergarten beleidigen/herabsetzen möchte), der sich innerhalb des jeweiligen Vereins für den "Nabel der Welt" hält! Die müssen endlich mal lernen, dass für sie die Möglichkeit "etwas zu sagen zu haben" auf der JHV besteht und sie sich ansonsten den Entscheidungen der jeweiligen (demokratisch gewählten) Gremien zu fügen haben...!

03.10.2019 - 13:35 - Kuk

Es ist "eine seltsame Vorstellung von Demokratie in einem Fußballverein“ wenn Teile der Fanszene (hier Ultras) Entscheidungen der gewählten Amtsträger beeinflussen, ändern oder verhindern möchten.