13.09.2018

BL

Schalke-Kapitän Fährmann verspricht Punkte

Foto: Joachim Kleine-Büning

Nach zwei Spieltagen steht S04 erfolglos im Tabellenkeller. Das erinnert an 2016. Fährmann war damals dabei und erklärt den Unterschied zu heute.

Herr Fährmann, in der Bundesliga-Pause fehlten bei Schalke zwölf Profis, weil sie zu Länderspiel-Einsätzen unterwegs waren. Lässt sich da eigentlich gezielt arbeiten?
Ralf Fährmann: Ich sehe es positiv und finde es gut, auch mal in einer kleinen Gruppe zu arbeiten. Dass wir so viele Nationalspieler haben, ist für uns ein Luxus und kein Nachteil. Trainer Domenico Tedesco macht es auch oft so, wenn alle Spieler zur Verfügung stehen, dass er die Mannschaft splittet und mal nur mit den Stürmern oder den Mittelfeldspielern arbeitet. Auch in der kleinen Gruppe konnten wir gut trainieren, einiges aufarbeiten und uns schon ein Stück weit auf das Spiel am Samstag bei Borussia Mönchengladbach vorbereiten.

Als es im letzten Jahr überragend für Schalke 04 lief, haben Sie den Blick auf die Tabelle vermieden. Schauen Sie nach den zwei Niederlagen gegen Wolfsburg und Hertha BSC auf die Platzierung?
Nein, ich verfahre jetzt ähnlich. Wir wissen, was uns stark gemacht hat, über welche Qualitäten wir verfügen und uns ist auch bewusst, was in den ersten Spielen falsch gemacht wurde. Wir suchen nicht die Schuld bei anderen, beschönigen nichts, sondern sind ganz klar und sachlich in der Analyse. Wenn wir konsequent unseren sportlichen Plan verfolgen, dann kommen die Punkte. Das ist nur eine Frage der Zeit.


Eine Negativ-Phase mit zwei Pleiten, die Sie mit Schalke jetzt direkt zum Bundesliga-Start erleben, gab es in der kompletten letzten Saison nur ein einziges Mal mit dem 0:3 gegen Bayern und dem 0:2 in Hoffenheim. Da machen sich viele schon Sorgen.
Wir selbst sind jedoch keine Schwarzmaler oder befassen uns mit solchen Statistiken nach dem Motto: Ach, da haben wir auch mal zwei Gegentore bekommen oder da ist es so gelaufen. Das hatte ich in unserem letzten Interview ja betont, dass wir uns etwas erarbeitet haben, aber auch mal Zeiten kommen werden, in denen es für uns nicht so gut läuft. Das ist ein einer Entwicklung ganz normal. Trotzdem hatten wir uns den Auftakt in die neue Saison natürlich anders vorgestellt.

Können Sie nachvollziehen, dass bereits Parallelen zu Schalkes Krisenstart vor zwei Jahren unter Markus Weinzierl gezogen werden? Seinerzeit gab es fünf Niederlagen in Folge, Schalke war Tabellenletzter.
Wenn man schon die Situation vergleichen will, was ich eigentlich nicht so gerne mache, muss man einen Unterschied herausstreichen: Vor zwei Jahren war Trainer Markus Weinzierl neu, Manager Christian Heidel neu, da hatten wir uns als Team selbst noch nicht so richtig gefunden. Das Fundament, das wir in der vergangenen Saison gelegt haben, gibt uns die Sicherheit, jetzt cool zu bleiben in unserer aktuellen Situation. Domenico Tedesco hat im vergangenen Jahr alles auf links gedreht und unserer Mannschaft eine gewisse DNA, ein Gesicht gegeben. Wir haben verschiedene Anker im Spiel, an die wir uns immer wieder halten können und die uns stark machen.

Können Sie das als Kapitän mit den Ankern mal genauer erklären?
Wenn etwas nicht nach Plan läuft, zum Beispiel die erste Viertelstunde in einer Partie, haben wir Anker, die uns stabilisieren: das Spiel-System, die Spiel-Herangehensweise. Wir haben ja nicht alles Gute aus der letzten Saison verlernt. Man muss dann einfach geduldig bleiben, damit man wieder in die richtige Spur findet. Wichtig ist, dass wir die Dinge immer sachlich, ehrlich und fair beurteilen.

Sind Sie denn als Spielführer jetzt besonders gefordert? Hauen Sie auch mal auf den Tisch, wenn es nicht gut läuft?
Natürlich führe ich mit Mannschafts-Kollegen auch mal Einzelgespräche, aber das mache ich auch, wenn es gut läuft. Wir sind in der Entwicklung so weit gekommen, weil wir uns alles hart erarbeitet haben.

Sehen Sie die Gefahr, dass im Unterbewusstsein nach der Vizemeisterschaft eine gewisse Zufriedenheit in den Spielerköpfen sitzt?
Nein, die sehe ich nicht. Warum sollen wir zufrieden sein? Wir haben eine gute Saison gespielt. Und nicht mehr. Wir haben viele junge und ehrgeizige Spieler im Kader. Sie haben den Großteil ihrer ganzen Karriere noch vor sich. Da gibt es überhaupt keinen Grund, schon satt zu sein. Jetzt kommt die Bundesliga, dann die Champions League, dann eine englische Woche in der Meisterschaft. Jetzt ist hier Zeit zur Maloche. (lacht)

Schalke 04 hat mit Leon Goretzka, Max Meyer und Thilo Kehrer drei wichtige Eckpfeiler verloren. Fällt es schwerer als gedacht, sie zu ersetzen?
Leon Goretzka hat perfekt in unser System und in unsere Mannschaft gepasst. Er war auch einer der Führungsspieler. Er fehlt uns einfach allein schon, weil er so gut war. Und deswegen ist er jetzt auch bei Bayern München – und spielt dort auch gut weiter. Max Meyer und Thilo Kehrer haben auch ihren Teil zum Erfolg beigetragen. Man kann solche Abgänge nicht sofort Eins-zu-Eins mit neuen Leuten ersetzen.

Warum nicht?
Weil es auch um viel Zwischenmenschliches geht, was die einzelnen Spieler bei uns ein- und mitgebracht haben. Ich finde unsere Neuzugänge richtig gut Suat Serdar hat sich in den ersten Spielen sehr gut präsentiert. Er ist ein prima Junge, etwas zurückhaltender, also anders als Leon Goretzka. Ich glaube, dass die Neuen sich bislang schon gut integriert haben, aber der Prozess des Ankommens und Wohlfühlens dauert insgesamt etwas länger.

Mit Sebastian Rudy hat Schalke kurz vor Schließung des Transferfensters einen Hochkaräter von Bayern München verpflichtet. Welchen Eindruck haben Sie bisher von ihm?
Was man sofort sieht, ist einfach seine enorme Ruhe am Ball, seine Erfahrung. Sebastian ist ein sehr angenehmer Typ, der die Mannschaft durch seine menschliche Komponente bereichert. Ich glaube, dass er uns mit seiner Pass-Stärke und Pass-Stabilität weiter nach vorne bringen kann.

Besteht die Gefahr, dass der Rucksack für Rudy zu groß wird, weil alle von ihm das Besondere erwarten?

Bei uns ist es nicht so, dass wir Rudy den Ball geben und sagen: Nun mach Du mal! (lacht). Sebastian ist ein Teil der Mannschaftein wichtiger Baustein in unserem Gesamt-Gebäude.

Macht Trainer Tedesco im Vergleich zu seiner ersten Saison etwas anders?
Ich finde, dass man immer etwas verändern muss. Domenico Tedesco ist ein Trainer, der einfach ein hervorragendes Gespür hat für jede einzelne Situation und Phase. Er ist derselbe ehrgeizige Trainer, der mit Feuereifer jeden Tag vor uns steht. Es kann bei ihm durchaus vorkommen, dass aus einer geplanten 50-minütigen Trainingseinheit mal eine Stunde und 40 Minuten werden (lacht). Wir ziehen da natürlich alle komplett mit, weil wir uns weiterentwickeln, verbessern und noch besser abstimmen können. Die Dauer und Intensität der Arbeit spricht für uns und hilft uns. Viele von uns sind schon gut, aber es gibt immer Luft nach oben.

In der letzten Saison gab es zwei Unentschieden gegen Borussia Mönchengladbach. Ein schlechtes Vorzeichen für Samstag?
Wir gehen in diese Partie, um die passende Antwort auf die Mönchengladbacher Ausrichtung zu haben und dort zu gewinnen. Die Borussia ist eine richtig gute Mannschaft, es wird ohne Zweifel schwer da.

Am Dienstag gibt es die Belohnung für die Mühen der letzten Saison, wenn es in der Champions League zu Hause gegen Porto geht. Wie schätzen Sie die Schalker Gruppe ein?

Unsere Gruppe unterschätzen viele. Ich habe zu jedem unserer Gruppengegner eine gewisse Verbindung. Gegen Galatasaray habe ich schon mal gespielt. Bei Lok Moskau treffen wir auf unsere ehemaligen Spieler Benedikt Höwedes und Jefferson Farfan. In Porto habe ich 2008 als Reservespieler mal ein richtig geiles Achtelfinale erlebt, da haben wir im Rückspiel 4:1 nach Elfmeterschießen gewonnen. Ich freue mich deshalb auf jedes Spiel in der Königsklasse. Aber die Bundesliga ist unser tägliches Brot.

Interview: Thomas Tartemann

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