Der Spiegel hat die Rubrik

Chaos um Koller im Web

Falschmeldung oder Vereinsfauxpas?

20. September 2009, 22:57 Uhr

Der Spiegel hat die Rubrik "Eine Meldung und ihre Geschichte", RevierSport online die Kategorie "Was war da los?" - in beide passt die aktuelle VfL-Posse.

Denn am Sonntagnachmittag beziehungsweise -abend ging es in Sachen VfL Bochum ausgesprochen turbulent, um nicht zu sagen "chaotisch" zu, auch hier. So vermeldete RevierSport online schon gegen 18.30 Uhr, dass sich der VfL Bochum von Trainer Marcel Koller getrennt habe. Doch da die Meldung vom Klub noch nicht bestätigt wurde und einige Indizien darauf hindeuteten, dass es sich womöglich um ein Angriff auf die Homepage des VfL Bochum handelte (wie es schon der FC Schalke 04 und BVB erleben mussten) hatten wir uns entschieden, den Artikel erst einmal offline zu nehmen.

Wie es genau dazu kam, was die Internet-Plattform Twitter damit zu tun hat und wann es dann endlich offiziell wurden, versuchen wir hier nachzuzeichnen.

18:28 Uhr: Hacker-Angriff oder vorbereitete Vereins-Webseite?

Am späten Nachmittag entdecken die Kollegen von DerWesten über das Netzwerk "twitter.com" einen Link auf die Webseite des VfL Bochum, indem der Verein die Trennung von Trainer Koller verlauten lässt. Die Meldung wurde augenscheinlich um 15.18 Uhr veröffentlicht. DerWesten twittert diese Meldung, macht aber "kein Fass auf" und verweist lediglich auf zu diesem Zeitpunkt ungewöhnliche Pressemitteilung der VfL-Homepage, da er sich vom Wahrheitsgehalt nicht weiter überzeugen kann.

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18.31 Uhr: RevierSport online "macht das Fass auf"

RevierSport online wird auf diesen Eintrag aufmerksam, verlässt sich aber nach Prüfung und Abwägung auf den offiziellen Charakter der Pressemitteilung und zitiert gegen 18.30 Uhr von der Vereinshomepage, da alle Indizien darauf hinweisen, dass es sich um eine offizielle Mitteilung handelt und im Gegensatz zum Hacker-Angriff auf die Vereins-Webseite des FC Schalke 04 keine kriminelle Energie im Spiel gewesen zu sein scheint.

18.40 Uhr: Die Insider wundern sich

Ein paralleler Anruf beim VfL-Redakteur Günther Pohl kann auch nicht wirklich Licht ins Dunkel bringen. Eine Presseerklärung sei erst am späteren Abend zu erwarten, Koller sei noch im Amt, erklärt der Bochumer Szene-Kenner. Deshalb wird die scheinbare "Falschmeldung" - ob es sich um einen Fauxpas des Vereins oder einen Hacker-Angriff handelt, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen - von der RevierSport-Seite umgehend wieder entfernt. Weitere Telefonate können auch nicht aufklären. Web TV-Leiter Christian Pozo, ebenfalls "Insider", kennt den Sachstand auch schon und stellt fest, dass "beim VfL keiner weiß, wie die Meldung ins Netz gelangen konnte."

18:50 Uhr: Rückruf-Versuche in der Geschäftsstelle scheitern

In diesen Minuten will uns der VfL wohl auf die vorschnelle Vermeldung der Entlassung hinweisen - unsere Versuche, in der Geschäftsstelle zurückzurufen, bleiben aber wegen der fehlenden Übermittlung der Durchwahl erfolglos. Der Anrufbeantworter ist der einzige, den wir an die Strippe bekommen. Günther Pohl vermutet, dass auf www.vfl-bochum.de schon für den "Fall der Fälle" eine Pressemitteilung vorbereitet worden sei. Es gäbe aber in Kürze harte Fakten von der Castroper Straße.

19.45 Uhr: Es ist doch offiziell

Das ist gegen 19.45 Uhr dann auch der Fall. Günther Pohl berichtet, dass die Trennung nun offiziell sei, eine Presseerklärung müsse bald auf der Bochumer Internetseite auftauchen. Etwa gleichzeitig berichtet auch der SID von der Entlassung Kollers, ebenso der Videotext des WDR.

Während auch die ARD-Tagesschau reagiert und kurz vor Ende die Nachricht bringt, berichtigt das Web-Team des VfL die Verlinkung auf der Vereins-Homepage, die zuerst unter der Überschrift "VfL trennt sich von Marcel Koller" den Bericht zu "Ata" Lamecks 60. Geburtstag verknüpfte.

Währenddessen haben bereits einige Medien - wie BILD - über die Posse der falschen bzw. voreiligen Pressemeldung des VfL berichtet. Gegenüber der BILD wird VfL-Pressesprecher Christian Schönhals mit den Worten zitiert: "Diese Pressemitteilung war nur für den Fall der Fälle vorbereitet. Kam durch ein Missverständnis auf unsere Seite. Peinlich."

Gegen halb neun hat RevierSport online weitere Zitate von Thomas Ernst, der den lange wartenden Medienschaffenden die Gründe für die Entlassung Kollers erklärt. Jetzt sei die Mannschaft in der Pflicht, ist die Meinung des Sport-Vorstandes, der so die lange Hängepartie und die "Posse Web 2.0 um eine Trainerentlassung" endlich beendet.

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