Abdelaziz Ahanfouf auf hartem Realitäts-Boden: Traum geplatzt! "Mit MSV drinbleiben!"

tt
15. Oktober 2005, 12:51 Uhr

Die Spendierhosen lagen bereit. "Im Falle der WM-Qualifikation hätte ich die halbe MSV-Mannschaft gerne zum Feiern in mein Heimatland eingeladen, die Kosten hätte ich gerne auf mich genommen", erklärt Duisburgs Stürmer Abedelaziz Ahanfouf.

Die Spendierhosen lagen bereit. "Im Falle der WM-Qualifikation hätte ich die halbe MSV-Mannschaft gerne zum Feiern in mein Heimatland eingeladen, die Kosten hätte ich gerne auf mich genommen", erklärt Duisburgs Stürmer Abedelaziz Ahanfouf.
Doch der 27-Jährige darf seine Pläne nicht in die Tat umsetzen, die Nationalelf Tunesiens hatte in Gruppe 5 beim großen Finale etwas dagegen. Obwohl Marokko zwei Mal führte und innerlich schon jubelte, schaffte der Gastgeber den Ausgleich - und damit den Sprung zum Spektakel nach Deutschland im nächsten Sommer.
"Es war unglaublich, wir hatten das Spiel im zweiten Durchgang im Griff, die Zuschauer wurden schon unzufrieden. Bei Tunesien klappte gar nichts, plötzlich hauen wir uns so ein Ding selbst rein", kann es Aziz immer noch nicht fassen.
Der Duisburger Publikumsliebling konnte beim Fight um die WM-Quali nicht selbst eingreifen, eine Prellung am Sprunggelenk blockierte den Einsatz des heißblütigen Knipsers: "Da war nichts zu machen, ich konnte unmöglich auflaufen. Genau das war ja auch besonders schlimm. Du sitzt draußen und kannst den Jungs nicht helfen. Wenn ich gespielt hätte, dann hätte man nach den 90 Minuten sagen können: Ich habe wenigstens alles gegeben." Klar, dass die Emotionen nach dem undankbaren zweiten Platz (fünf Siege, fünf Unentschieden, ein Punkt Rückstand) hochkochten. Ahanfouf: "Ich hatte Tränen in den Augen." Der Stürmer: "Für mich ist ein großer Traum zerplatzt, ich bin in Deutschland aufgewachsen, wollte in diesem Land mit Marokko spielen. Es gibt vielleicht noch eine WM 2010, an der ich teilnehmen könnte. Aber das ist nicht vergleichbar mit der Situation, die hier in ein paar Monaten herrscht." Der Ex-Dresdner ärgert sich: "Da rackerst du dich ein Jahr in der Qualifikation ab, kommst ungeschlagen durch und bist trotzdem nicht dabei. Das ist ganz bitter."
Bis zum Dienstag Abend war Aziz Ahanfouf kaum aufzumuntern, die Trauer überwog. Doch wenn der Techniker an Sonntag, an Eintracht Frankfurt, denkt, dann blitzen seine Augen: "Ich spüre meine Verletzung zwar noch etwas, aber es wird gehen, ich will gegen Frankfurt unbedingt dabei sein. Bis zum Wochenende legt sich meine Niedergeschlagenheit. Wenn wir einen Sieg holen, wären das sieben Punkte aus den letzten drei Begegnungen, damit könnten wir wirklich zufrieden sein, zumal die Eintracht ein direkter Rivale beim Kampf um den Klassenerhalt ist."
Für Ahanfouf geht es in den nächsten Monaten ausschließlich um das tägliche Brot, das Bundesliga heißt. "Ich will und muss mit dem MSV unbedingt drinbleiben", kündigt er trotzig an, "wir wollen so viele Punkte wie möglich einfahren."
Wer dabei die Tore schießt, juckt den Ex-Hachinger wenig. "Wenn Tobias Willi und Kurthi treffen, bin ich auch zufrieden, weil das Ziel, mit Duisburg in der Bundesliga zu bleiben, dadurch näher rückt. Wir wollen hier zusammen Erfolg haben." Dabei hat Ahanfouf durchaus seinen Beitrag geleistet, dass die Zebras momentan über dem bösen Strich stehen: In Hannover knallte er das wichtige 1:1 in den Winkel, in Berlin (2:3) bereitete er einen Treffer prima vor, gegen Stuttgart schoss er das 1:1, in Kaiserslautern (3:5) bewies er ebenfalls seine Qualitäten. "Die Quote", sagt er, "ist in Ordnung, zumal ich zwischenzeitlich auch draußen gesessen habe." Am Sonntag will Aziz Ahanfouf mit den Zebras den nächsten kleinen Schritt Richtung Klassenerhalt machen. "Ich wäre schon mit einem 1:0 wie gegen Nürnberg zufrieden. Wir müssen Geduld haben und uns bewusst sein, dass wir in der Bundesliga keine Mannschaft einfach so überrennen."

Autor: tt

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