Im letzten Jahr sorgten rassistische Aussagen des spanischen Nationaltrainers Luis Aragones gegenüber Thierry Henry für Schlagzeilen. In der Folge häuften sich rassistische Aktionen von Fans gegenüber dunkelhäutigen Spielern, speziell in Spanien.

Metzelder und Addo unterstützen Henrys Initiative

03. Februar 2005, 11:43 Uhr

Im letzten Jahr sorgten rassistische Aussagen des spanischen Nationaltrainers Luis Aragones gegenüber Thierry Henry für Schlagzeilen. In der Folge häuften sich rassistische Aktionen von Fans gegenüber dunkelhäutigen Spielern, speziell in Spanien.

Im letzten Jahr sorgten rassistische Aussagen des spanischen Nationaltrainers Luis Aragones gegenüber Thierry Henry für Schlagzeilen. In der Folge häuften sich rassistische Aktionen von Fans gegenüber dunkelhäutigen Spielern, speziell in Spanien. Henry: „Rassismus ist eines der größten Probleme im europäischen Fußball. Die Leute mögen denken, das Problem sei verschwunden, aber das ist es nicht. Es ist Zeit für uns alle - Spieler, Fans und Offizielle - einen klaren Standpunkt einzunehmen. Es ist Zeit, endlich aufzustehen und seine Stimme zu erheben. It’s time to stand up and speak up“.

Henry bat daraufhin Nike, ihn bei einer Initiative gegen Rassismus im Fußball zu unterstützen. Ziel der Initiative mit dem Namen „Stand Up, Speak Up“ ist es, Fans zu ermuntern, ein Zeichen zu setzen und sich gegen rassistische Tendenzen im Fußballstadion und auch außerhalb zu wehren. Wie virulent dieses Thema auch im Profifußball ist, zeigt der Umstand, dass Joseph Blatter seine Ansprache zur „FIFA World Player Gala 2004“ im Dezember mit einem Statement gegen Rassismus im Fußball eröffnete.

Symbol dieser Initiative und äußeres Zeichen gegen Rassismus ist ein schwarz-weißes Armband, welches die Verbindung zwischen Spielern aller Hautfarben visualisieren soll. Viele prominente Spieler in Europa haben sich bereits mit Thierry Henry solidarisiert und werden ab dem 5. Februar mit diesem Armband auflaufen. Zudem wird am gleichen Tag europaweit ein TV-Spot mit Top-Stars des europäischen Fußballs „on air“ gehen. In diesem Spot wirken neben Henry und Ronaldinho auch die beiden BVB-Spieler Otto Addo und Christoph Metzelder mit.

Akteure von Borussia Dortmund (neben Addo und „Metze“ auch Tomas Rosicky und Leonardo Dede), dem HSV (Sergej Barbarez, Collin Benjamin, Emile Mpenza, Benjamin Lauth), von Hertha BSC (Nando Rafael, Marcelinho, Yildiray Bastürk, Arne Friedrich), dem VfL Wolfsburg (Thomas Brdaric, Pablo Thiam, Martin Petrov, Miroslav Karhan), Werder Bremen (Miroslav Klose, Ivan Klasnic, Nelson Valdez) und dem VfL Bochum (Peter Madsen, Raymond Kalla, Vratislav Lokvenc) am kommenden Wochenende mit dem schwarz-weißen Band auflaufen. In den Stadien von Hertha BSC und dem HSV werden dann auch Banden mit der „Stand Up, Speak Up“ -Botschaft zu sehen sein.

Ab dem 6. Februar werden europaweit 2,5 Millionen Armbänder auch den Fans angeboten. Als Gegenleistung für die Armbänder werden die Fans gebeten, einen Mindestbetrag von zwei Euro zu spenden. Die Spenden werden in einen zentralen Stand-Up-Speak-Up-Fonds eingezahlt, der von einer unabhängigen, gemeinnützigen Organisation, der König-Baudouin-Stiftung in Brüssel, verwaltet wird. Diese Stiftung wird eine umfangreiche Studie zum Thema Rassismus im Fußball durchführen und die Spenden an verschiedene in diesem Bereich engagierte Organisationen in ganz Europa verteilen.

Nachgefragt
Christoph Metzelder, wie fühlt man sich, wenn man erlebt, wie die Fans andere Mitspieler rassistisch beschimpfen?
Um mal das Beispiel von Real Madrid und Bayer Leverkusen zu nehmen, wo Fans von Real Madrid Roque Junior und Juan von Leverkusen – beides Brasilianer – beschimpft haben: Da sieht man einfach das Irrationale. Auf der einen Seite haben sie das Trikot von Real Madrid an - und da spielen Ronaldo und Roberto Carlos, das sind auch Brasilianer. Auf der anderen Seite werden Brasilianer des anderen Vereins beschimpft – und das ist ja das, was man einfach auch nicht verstehen kann, wie solche Leute solche Reaktionen zustande bringen. Da ist es einfach sehr, sehr wichtig – und das ist ja auch das Ziel dieser Kampagne –, dass sofort nebenan, zwei drei Reihen weiter, Leute aufstehen und sagen: ‚Sag mal was erzählst Du da eigentlich. Das ist doch völliger Blödsinn was Du da redest.’

Was halten Sie vom Armband als Symbol für die Kampagne?
Jeder, der dieses Band trägt, zeigt, dass er gegen Rassismus ist, dass er diese Idee gut findet und dass er derjenige ist, der im Stadion aufsteht, wenn jemand einen ausländischen Spieler beschimpft. Deshalb finde ich es gut, wenn möglichst viele Leute diese Bänder tragen und nach außen hin auch dadurch symbolisieren: Wir sind für diese Sache, wir sind gegen Rassismus und zeigen das auch offen.

Warum unterstützen gerade Sie die Kampagne?
Erst einmal finde ich es eine Super-Idee. Nike unterstützt es zwar, aber es ist keine Aktion, die von Nike initiiert wurde. Sondern es ist ein Spieler, es ist Thierry Henry hingegangen und hat gesagt: ‚Mich stört das. Ich möchte da etwas machen, Es ist meine Idee.’ Super finde ich natürlich auch die Solidarität der europäischen Spieler, die sagen: ‚Ich mache da mit. Ich stehe auf und erhebe meine Stimme dagegen.’ Das finde ich einfach eine Super-Aktion. Ich freue mich natürlich, dass ich mit Otto Addo für alle deutschen Bundesliga-Spieler und für alle deutschen Fußballer stellvertretend in diesem Werbespot dabei bin.

Nachgefragt
Otto Addo, wie sind Ihre Erfahrungen mit Rassismus?
Ich habe das auch schon erfahren, jetzt aber weniger. Seit ich in der ersten Liga spiele und anerkannt bin, kommt es eigentlich selten vor oder gar nicht, so gut wie gar nicht. Aber als ich noch in der dritten Liga gespielt habe, in der zweiten teilweise, da kamen schon schlimme Zurufe, auch von den Mitspielern teilweise. Das war schon eine schlimme Erfahrung.

Wie haben Sie auf die Beschimpfungen reagiert?
Ich versuche mit Leistung dagegen zu halten. Natürlich ist das schwer, wenn man vielleicht auch gerade noch einen schlechten Tag hat und dann kommen auch noch solche Zurufe dazu. Obwohl ich in Deutschland aufgewachsen und groß geworden bin fühle mich dann total anders. Fühle, dass ich vielleicht auch nicht gerne gesehen werde von dem ein oder anderen.

Was halten Sie von dem Armband als Symbol für die Kampagne?
Sehr gut. Das passt natürlich sehr gut. Schwarz und weiß zusammen, ist ein sehr gutes Symbol und das Geld kommt sozialen Zwecken zugute. Das ist eine sehr gute Aktion und ich denke mal, es ist auch wichtig, dass man sich nicht nur verbal sondern auch optisch dazu bekennt.

Das sagen die Stars
Thierry Henry: Es wird sich natürlich nicht alles mit einem Schlag ändern, aber wie heißt es doch: Von nichts kommt nichts. Man muss wenigstens versuchen, während eines Fußballspiels oder einer anderen Sportveranstaltung, für eine Stunde oder anderthalb Stunden, dem einen Riegel vorzuschieben. Wenn da also nicht jeder das herausschreien kann, was er will, oder zu sagen wagt, was er will, dann wäre das schon ein Sieg. Ob die Leute dann, wenn Sie anschließend nach Hause gehen, auch tatsächlich zum Umdenken bewegt werden, das ist eine andere Geschichte. Aber zumindest können wir es für unseren Sport und auch für einige andere Sportarten so versuchen.

Rio Ferdinand: Auf dem Spielfeld, wenn man vor Tausenden von Menschen im Stadion spielt oder vor Millionen von Zuschauern an den Bildschirmen, kann man auf den Rassismus im Stadion einfach nicht reagieren, und das ist manchmal sehr frustrierend, denn man möchte etwas erwidern – man möchte gerne jemanden anschreien: ‚Was redest du da!?’ Denken Sie zum Beispiel an das Spiel in Spanien ... Ehrlich gesagt denke ich, dass es die Aufgabe des Fußballverbands ist, eine Entscheidung zu treffen. Als ich vom Spielfeld kam – auf dem Feld habe ich es nicht wirklich gehört –, aber als ich vom Spielfeld kam, konnte ich viel mehr verstehen und ich saß da und sagte zu den anderen: ‚Geht das schon das ganze Spiel so?’ und sie sagten: ‚Ja, da geht schon die ganze Zeit so.’ Ich denke, weil es ein Freundschaftsspiel war und kein Qualifikationsspiel für die WM oder die EM, wäre es Aufgabe des Fußballverbands gewesen zu sagen: ‚Okay, holt die Jungs vom Spielfeld runter’, und Position zu beziehen, um sicherzugehen, dass so etwas nicht noch einmal passiert. Und wenn es dann doch wieder vorkommen sollte, dann muss die gleiche Haltung wieder vertreten werden. Aber so ist es leider nicht gelaufen. Es ist leicht, solche Dinge nach dem Spiel zu sagen, wenn man nicht mehr mittendrin in der Emotionalität der Situation steckt, aber das wäre eine Haltung gewesen, die wir hätten einnehmen können.

Ruud Van Nistelrooy: Wenn die Leute einem Spieler gegenüber auf diese Art und Weise begegnen, dann betrifft das einen genauso, als wäre man selbst das Opfer. Ich habe das schon erlebt. Dann fühlt man das so stark, dass man eigentlich das Spielfeld verlassen möchte. Das macht einen krank, dass ein Kollege, ein Freund oder ein Mannschaftskamerad von uns das ertragen muss. England ist in dieser Beziehung ein Vorbild. Sie zeigen, dass es doch geht. Dort gibt es das Problem nicht mehr. Das heißt, wenn es dort funktioniert, dann ist es überall möglich.
Adriano: Die Idee des schwarzweißen Armbands bringt Frieden für alle. Wir sind alle gleich, wir sind alle Menschen. Hoffen wir mal, dass es uns allen Glück bringt und dass wir den Rassismus aus den Köpfen der Menschen vertreiben können.

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