In seiner dritten Amtszeit bei Borussia Dortmund will Reinhard Rauball den Verein erneut aus einer schweren Krise führen. Bereits vor 20 Jahren hatte der

Rauball will Rettungs-Mission wiederholen

ar
26. Oktober 2004, 16:30 Uhr

In seiner dritten Amtszeit bei Borussia Dortmund will Reinhard Rauball den Verein erneut aus einer schweren Krise führen. Bereits vor 20 Jahren hatte der "kleine Doktor" die Borussia in ähnlicher Lage übernommen.

Alle Hoffnungen in Dortmund sind auf Reinhard Rauball gerichtet. Denn der Jurist hat Borussia Dortmund schon einmal aus einer ähnlichen Lage gerettet. Als Rauball seine zweite Amtszeit antrat, belegte Borussia Dortmund den 17. Tabellenplatz der Bundesliga und stand nach einer schweren Führungskrise mit 8,3 Millionen Mark Verbindlichkeiten vor dem Zwangsabstieg. 20 Jahre später ist die sportliche Lage nicht minder brisant und die finanzielle Dimension eine andere, aber der Scherbenhaufen nicht kleiner. Damals fand der "kleine Doktor" das richtige Rezept zur schnellen Sanierung. Kein Wunder also, dass die Hoffnungen der BVB-Fans angesichts der jüngsten Entwicklungen auf dem neuen starken Mann ruhen.

"Eigentlich hatte ich mein Leben anders geplant. Die Sache kam kurzfristig auf mich zu", berichtet Rauball, der 1979 zu Beginn seiner ersten Amtszeit mit 32 Jahren als jüngster Klubchef der Bundesliga Geschichte schrieb. Die Ereignisse überschlugen sich nach der Bilanz-Pressekonferenz vor drei Wochen, als der öffentliche Druck auf Gerd Niebaum wuchs und der Schulden-Präsident (118,8 Millionen Euro) am 17. Oktober den Weg für seinen Vorgänger und Nachfolger frei machte.

Dortmund für Rauball eine Herzensangelegenheit

Dortmund ist für den Rechtsanwalt für Wirtschaft- sowie nationales und internationales Sportrecht eine Herausforderung und Herzensangelegenheit zugleich. "Ich würde mich freuen, wenn mich die Fans in guter Erinnerung behalten haben und ich einen Vertrauensvorschuss bekäme", sagt Rauball, der noch bis zur Mitgliederversammlung kommissarisch tätig ist. Seine Wahl am 14. November ist jedoch beschlossene Sache. Niemandem sonst wird zugetraut, die verfahrene BVB-Karre wieder aus dem Dreck zu ziehen.

Rauball hat in seinen bisherigen fünf Jahren (1979-1982 und 1984-1986) auf dem Chefsessel eine Erfolgsspur hinterlassen und sich als Spezialist für Sanierungsfälle einen Namen gemacht. Damals machte er den maroden Klub innerhalb von zwei Jahren wieder flott, um anschließend an den damaligen Vize Niebaum zu übergeben und sich wieder auf die Juristerei zu konzentrieren.

Rauball auch als Jurist erfolgreich

Danach konnte der Medienexperte in etlichen juristischen Verfahren einige spektakuläre Erfolge feiern. So boxte er unter anderem die Sprinterin Katrin Krabbe im ersten Dopingverfahren frei, bewahrte Dynamo Dresden vor dem Zwangsabstieg aus der Bundesliga, Galatasaray Istanbul vor dem Ausschluss aus dem Europacup und vertrat den einstigen Schalker Präsidenten Günter Eichberg bei einer Schadenersatzklage gegen das Nachrichtenmagazin Spiegel.

Für Schlagzeilen sorgte Rauball, der außerdem einen ausgeprägten Geschäftssinn bewies, als ihn der damalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement 1999 als Justizminister in sein Kabinett rief und ein formeller Fauxpas Rauballs Amtszeit schon nach neun Tagen beendete. Viel Beachtung fanden auch sein Buch über den Bundesliga-Skandal, ein Kompendium über die Baader-Meinhof-Gruppe, seine Kommentare zu Grundgesetzen und sein Auftritt als Verteidiger in Parteispenden-Verfahren.

Rauball: "Zaubern kann ich nicht"

Bei der Borussia ist Rauball derzeit an mehreren Fronten gleichzeitig gefordert. Als die Fans am Samstag nach der 0:2-Heimpleite an den Stadiontoren protestierten, war es der 57-Jährige, der als Erster die aufgebrachte Menge zu beruhigen versuchte. "Wir müssen uns der Realität stellen und Ruhe bewahren", beschwört er in diesen Tagen: "Denn zaubern kann ich nicht."

Autor: ar

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