Reinhard Rauball soll offenbar Gerd Niebaum beim Bundesligisten Borussia Dortmund beerben. Nach einem

Rauball soll nach "Geheimplan" Niebaum beerben

17. Oktober 2004, 12:19 Uhr

Reinhard Rauball soll offenbar Gerd Niebaum beim Bundesligisten Borussia Dortmund beerben. Nach einem "Geheimplan" soll der BVB-Präsident angeblich spätestens zur Jahreshauptversammlung am 14.November zurücktreten.

Das Aus von Gerd Niebaum als Präsident vom Bundesligisten Borussia Dortmund steht offenbar kurz bevor. Anscheinend hat man sich bei den Westfalen sogar schon auf einen Nachfolger geeinigt. Nach einem "Geheimplan" soll der in die Schusslinie geratene BVB-Präsident spätestens bei der Jahreshauptversammlung am 14. November zurücktreten und den Weg für seinen Vorgänger Reinhard Rauball freimachen.

Ob Niebaum seinen Vertrag als Geschäftsführer der Kommanditgesellschaft auf Aktien an der Seite von Michael Meier bis 2006 erfüllt, ist fraglich. Denn nun schießt auch der neue BVB-Großaktionär Florian Homm gegen den Klubchef. "Herr Dr. Niebaum gerät fast täglich durch die Veröffentlichungen neuer Enthüllungen unter Druck", sagte der Fondsmanager und Neckermann-Erbe der Bild am Sonntag: "Unabhängig davon, ob diese alle der Wahrheit entsprechen sage ich: "Diese Vielzahl an Enthüllungen schadet dem Unternehmen Borussia Dortmund. Das Unternehmen muss in dieser entscheidenden Phase seine Glaubwürdigkeit stärken und nicht schwächen."

Die internen Pläne, Niebaum durch Rauball zu ersetzen, bestätigte Homm in der ARD-Sportschau: "Solche Gedankenspiele hat es gegeben." Der BVB-Großaktionär, der rund 30 Prozent der Anteile des börsennotierten Klubs hält, hatte vor der Kapitalerhöhung Niebaums Rückzug bis spätestens 2006 gefordert. Die Existenz des entsprechenden Schriftstückes, das Niebaum und Meier gegenzeichneten, hatte der BVB-Präsident zunächst geleugnet, dann aber zugeben müssen.

Homm attackiert Niebaum

Niebaum habe die BVB-Gremien nicht über diese Vereinbarung informiert, kritisierte Homm jetzt: "Das ist aus Transparenzgründen nicht zu verantworten." Weil Niebaum die Vereinbarung im Nachhinein noch einmal ändern wollte, warf ihm Homm Unseriösität vor: "Das ist, in meinen Augen, kein seriöses Geschäftsverhalten." Der Fondsmanager hatte selbst zunächst ein erstes veröffentliches Papier, das den gleichen Inhalt enthielt, als Fälschung bezeichnet.

Über Niebaums Zukunft sollte bereits am Sonntag beraten werden. Dann sollte sich der Aufsichtsrat treffen und die Situation beim mit 118,2 Millionen Euro verschuldeten Traditionsklub erörtern. Der Aufsichtsratsvorsitzende Winfried Materna hatte im Vorfeld bereits "mehr Transparenz" gefordert. Der Verein müsse "mit klarer Offenheit auftreten, wir müssen überprüfbare Meilensteine bei unserem Sparkonzept schaffen. Und es darf nicht mehr öffentlich spekuliert werden".

Rauball führte die Borussia bereits von 1979 bis 1982 und von 1984 bis 1986, bevor Niebaum als bisher dienstältester Präsident in der Geschichte des Klubs das Amt antrat. Sportjurist Rauball hält sich derzeit mit Kommentaren zurück: "So lange Gerd Niebaum in seinen Ämtern bleibt, werde ich nicht aktiv."

Sammers kritisiert "Hetzjagd" auf Niebaum

Der Druck auf BVB-Boss Niebaum wächst, nachdem er sich in den vergangenen Tagen in Unwahrheiten verstrickt hatte. Zudem erhebt das Nachrichtenmagazin Spiegel weitere Vorwürfe. Der 55 Jahre alte Wirtschaftsjurist soll private Interessen mit denen des Klubs verquickt haben. Nach dem 0:2-Sieg über seinen ehemaligen Klub kritisierte Stuttgarts Trainer Matthias Sammer die Vorgänge in Dortmund und brach eine Lanze für Niebaum: "Das ist typisch deutsch, was da passiert. Man sollte mal bedenken, was vor Niebaum war und was nach Niebaum kommen kann. Sicherlich hat er Fehler gemacht, aber das ist eine Hetzjagd, die dieser Mann nicht verdient h at."

Der Ex-Nationalspieler kritisierte besonders die öffentliche Diskussion und besonders die Art und Weise, wie die Opposition im Verein bestimmte Medien benutze und sie mit Informationen gegen Niebaum versorge: "Das ist ein absolut schlechter Stil."

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