Oberliga (NR): Bonner SC – VfB Speldorf 0:1 (0:0)

"Für harte Arbeit belohnt worden"

aer
07. August 2006, 13:12 Uhr

Die Aufforderung der Fans nach dem Abpfiff war eindeutig. „Hin-set-zen, Hin-set-zen“ ertönte von der Gegentribüne im großen Bonner Sportpark Nord. So richtig konnte kein Mülheimer glauben, dass der VfB Speldorf das Oberliga-Auftaktspiel beim Bonner SC mit 1:0 (0:0) gewonnen hatte.

Die „Humba“ auf dem Platz, im VIP-Raum zu vernehmende Gesänge aus der Speldorfer Kabine, Bier auf der Rückfahrt im Mannschaftsbus – ausgelassener hätte die Stimmung nicht sein können. „Wir sind für sechs Wochen harte Arbeit belohnt worden“, sagte Kapitän Andreas Egler.

Das traf besonders auf Trainer Piero Lussu zu. Der Offensiv-Fanatiker hatte sein Team diesmal sehr defensiv eingestellt. Bei Bonner Angriffen postierten sich alle elf Speldorfer Spieler in der eigenen Hälfte. Dieses Konzept ging auf. „Auswärts ist es normal, dass man taktiert. Meine Philosophie bleibt die Offensive“, sagte Lussu. Der letztjährige Tabellenzweite verlor schnell die Lust am Spiel. Für die 600 Zuschauer aus Bonn war es ein über 90 Minuten langweiliger und trostloser Kick. Die Speldorfer dagegen fanden ruck, zuck Gefallen am Spiel. Die Dreier-Abwehrreihe und die drei (!) „Sechser“ im Mittelfeld räumten ab und präsentierten sich zweikampf- und laufstark. „Wir haben sehr konzentriert gespielt“, resümierte Egler, der sein Team unermüdlich anpeitschte.

Die drei offensiven Mittelfeldspieler und der einzige Stürmer Sergii Tytarchuk sorgten für Entlastung. Diese Taktik reichte für zwei hundertprozentige Torchancen. In der ersten Halbzeit schoss Tytarchuk vorbei (33.), in der zweiten versenkte dafür der gerade eingewechselte Said Daftari (65.). In der Schlussphase spielten die Speldorfer mehrere aussichtsreiche Konter nicht konzentriert genug zu Ende, so dass die Partie zumindest vom Ergebnis her lange offen blieb.

Als die Speldorfer Fans mit den Spielern zur „Humba“ hüpften, war die Haupttribüne längst leer. Der Aufstiegsaspirant aus Bonn spielte schwach, ideenlos und verpatzte den Start total.

Während der Pressekonferenz erwies sich Speldorfs Trainer Piero Lussu als Gentleman: „Bonn ist zwar gestolpert, wird in der Meisterschaft auf lange Sicht oben mitspielen.“ Sein Kollege Reinhold Fanz verdrehte die Augen, Bonns Vereinspatron Hans Viol brummelte nur: „Keine Stürmer...“

Mittwoch, 19, Uhr empfängt der VfB am Blötter Weg den ETB Schwarz-Weiß Essen. Trainer Lussu, Manager Michael Klauß und die VfB-Mannschaft rechnen in diesem Revierderby mit einem vollen Haus. „Es besteht für uns kein Grund, euphorisch zu sein“, sagte Lussu. Er hat in der Kabine bestimmt nicht mitgesungen...

Auf Seite 2: Die Aufstellung und Stimmen zum Spiel

Autor: aer

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