Wenig Chancen, aber viele Hoffnungen - ausgerechnet gegen das Starensemble vom AC Mailand will der krisengeschüttelte Bundesligist Werder Bremen im UEFA-Pokal doch noch die Kurve kriegen.

Außenseiter Werder hofft noch auf das Weiterkommen

HSV auf dem Weg ins Achtelfinale kaum gefährdet

sid
26. Februar 2009, 09:10 Uhr

Wenig Chancen, aber viele Hoffnungen - ausgerechnet gegen das Starensemble vom AC Mailand will der krisengeschüttelte Bundesligist Werder Bremen im UEFA-Pokal doch noch die Kurve kriegen. "Wir alle wissen, dass wir uns in einer ganz schwierigen Situation befinden. Da ist Milan genau der richtige Gegner. Gerade in solchen Spielen kann man sich neues Selbstvertrauen holen. Nicht immer siegt der Favorit", sagt Kapitän Frank Baumann fast beschwörend.

Nach vier Spielen in der Bundesliga ohne Sieg und dem letzten Platz in der Rückrundentabelle wäre alles andere als das Verpassen des Achtelfinales heute Abend (20.45 Uhr) fast schon eine Sensation. Und als Flug X3 8972 am Mittwochvormittag gen Italien abhob, blieb zu allem Überfluss der Sitzplatz von Stammtorhüter Tim Wiese leer. Der Nationalkeeper laboriert weiterhin an einem leichten Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel und wird im Giuseppe-Meazza-Stadion durch Ersatztorwart Christian Vander ersetzt.

Das magere 1:1 im Hinspiel vor einer Woche im Weserstadion ist eine mehr als schwere Hypothek in der Partie gegen Ronaldinho, Beckham und Co. "Wir müssen uns enorm steigern und brauchen einen Tag, an dem wir aus weniger Chancen mehr Tore machen", fordert Werder-Sportdirektor Klaus Allofs. Sollten die Hanseaten in der Lombardei scheitern, ginge nach fünf fetten Champions-League-Jahre die bislang erfolgreichste Ära des Traditionsvereins bis auf Weiteres zu Ende.
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Angesichts dieses drohenden Szenarios demonstriert Klubboss Jürgen L. Born aber Gelassenheit. "Wir haben immer mal Jahre ohne Europapokal gehabt. Deshalb glaube ich, dass wir letztlich einen finanziellen Ausgleich herstellen können", sagte der Vorstandsvorsitzender dem Weserkurier.

Doch die Gäste wollen sich zumindest nicht kampflos ihrem Schicksal ergeben. Werder-Trainer Thomas Schaaf formuliert tapfer: "Wir haben noch Hoffnung, aber zum Weiterkommen bedarf es einer großartigen Leistung. Wenn wir in Mailand so auftreten wie im Hinspiel in der zweiten Halbzeit, sind wir nicht chancenlos. Da hat man gesehen, dass wir gegen Milan ein Tor machen können. Vielleicht können wir ja den einen oder anderen überraschen."

Aber sogar ein eigener Treffer dürfte vermutlich nicht reichen, denn seit Monaten haben die Norddeutschen nicht mehr zu Null gespielt. "Wir müssen uns konzentrieren und eiskalt sein", sagt Nationalspieler Per Mertesacker, angesichts der Qualität der Mailänder Offensive und der Malaise in der Hintermannschaft der Grün-Weißen vermutlich kaum mehr als ein frommer Wunsch.

Die im laufenden Wettbewerb noch ungeschlagenen Gastgeber sind taktisch eindeutig im Vorteil, können abwarten, da ihnen bereits ein torloses Unentschieden für den Sprung in die nächste Runde reichen würde. Aus dieser kommoden Situation macht Milan-Coach Carlo Ancelotti auch gar kein Geheimnis: "Prinzipiell ist noch alles offen, aber wir haben natürlich eine gute Ausgangsposition."

HSV gegen Nijmegen
Beim Training des Bundesliga-Spitzenreiters ging es zuletzt hitzig zu, das Jubiläumsspiel im Europapokal taugt für den Hamburger SV derweil eher zum lockeren Auslaufen. Nach dem souveränen 3:0-Hinspielsieg beim NEC Nijmegen scheint den Hanseaten in der 100. UEFA-Cup-Partie der Vereinsgeschichte der Einzug ins Achtelfinale nicht mehr zu nehmen. Die Klubverantwortlichen warnen vor dem zweiten Vergleich mit den Niederländern heute (18.15 Uhr/live im ZDF) somit mehr vor drohender Überheblichkeit als vor dem Gegner.

"Wir müssen Leistung abliefern und dürfen das Spiel zu keinem Zeitpunkt auf die leichte Schulter nehmen", sagt HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer und Trainer Martin Jol ergänzt: "Wir müssen das Spiel seriös angehen und dürfen nicht davon ausgehen, dass die Partie ein Selbstgänger wird. Nijmegen hat nichts zu verlieren. Ich will, dass wir mit einem Sieg in die nächste Runde einziehen."
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Etwaige Befürchtungen, beim HSV dürfte nach der Eroberung der Ligaspitze zu viel Ruhe und Selbstzufriedenheit einkehren, erwiesen sich aber bereits am Dienstag ohnehin als falsch. Jerome Boateng und Albert Streit gerieten im Training aneinander und lieferten sich ein Handgemenge. Während Jol Boateng zu einer Geldstrafe verdonnerte, konnte Beiersdorfer dem Vorfall sogar Positives abgewinnen: "So etwas zeigt, dass die Mannschaft heiß ist und jeder um seinen Platz kämpft."

Um die Kokurrenzsituation weiter zu fördern, könnte Jol gegen Nijmegen zudem Spielern aus der zweiten Reihe eine Chance geben. Zumal Guy Demel (Oberschenkelprobleme) defintiv ausfällt und auch Nationalspieler Piotr Trochowski (Magen-Darm-Grippe) sowie Michael Gravgaard (Fingerverletzung) um ihren Einsatz bangen mussen. Somit könnte Winter-Zugang Tomas Rincon vor seinem HSV-Debüt stehen.

"Tomas ist ein guter Junge, der auch mal einen aus den Schuhen holt. Er könnte die große Überraschung werden", lobt Beiersdorfer den venezolanischen Nationalspieler. Auch Jol ist von dem 21-Jährigen angetan, will sich bezüglich seiner Aufstellung aber nicht zu sehr in die Karten schauen lassen: "Tomas ist ein Thema. Vielleicht werden wir das Team auf zwei oder drei Positionen verändern."

Im Falle des Weiterkommens trifft der HSV im Achtelfinale entweder auf Girondins Bordeaux oder Galatasaray Istanbul. Im Hinspiel trennten sich die Franzosen und die Türken, die Anfang der Woche ihren deutschen Trainer Michael Skibbe beurlaubten, 0:0. Jol dürfte der Ausgang dieser Partie angesichts des Höhenfluges seiner eigenen Mannschaft fast egal sein. In Bundesliga, DFB-Pokal und UEFA-Cup tanzen die Hamburger noch auf drei Hochzeiten. "Ich kann jede Nacht von einem anderen Titel träumen", meint der HSV-Coach.

Autor: sid

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