Ein Ausverkauf des Kaders im Sommer scheint nach dem Finanz-Desaster der Dortmunder Borussia wahrscheinlich. Trotzdem will der BVB zur kommenden Saison ein schlagkräftiges Team stellen.

Rätselraten um Dortmunds Zukunft

02. März 2004, 12:50 Uhr

Ein Ausverkauf des Kaders im Sommer scheint nach dem Finanz-Desaster der Dortmunder Borussia wahrscheinlich. Trotzdem will der BVB zur kommenden Saison ein schlagkräftiges Team stellen.

Derzeit steht die Zukunft des Kaders von Borussia Dortmund in den Sternen. Denn angesichts von 29,4 Millionen Euro Minus allein in der ersten Saisonhälfte und Verbindlichkeiten in Höhe von 112,9 Millionen ist der Sommer-Ausverkauf der Stars programmiert.

Keine Sorge um die Lizenz

Den Gerüchten, die Schwarz-Gelben müssen sogar um die Lizenzerteilung für die kommende Saison bangen, widersprach DFL-Finanzgeschäftsführer Christian Müller. "Ich bin verwundert über diese Panikmache. Bis zum 15. März haben die Klubs Zeit, ihre Unterlagen einzureichen. Danach treten wir in den persönlichen Dialog ein", sagte er dem sid. Trotz der roten Zahlen in der Halbjahresbilanz sieht Müller die Lage des BVB bei weitem nicht so bedrohlich an: "Schließlich kann Borussia auf ein Eigenkapital in dreistelliger Millionenhöhe verweisen."

Entsprechend optimistisch gibt sich auch die Dortmunder Führung. "Wir werden auch in der kommenden Saison eine konkurrenzfähige Mannschaft mit dem einen oder anderen Star aufbieten können", hatte Präsident Gerd Niebaum, in Personalunion Geschäftsführer der KGaA, unmittelbar nach Bekanntwerden des Bilanz-Desasters verkündet. Doch wie die erste Elf aussehen wird, weiß auch er noch nicht.

Sicher ist, dass das Interesse an dem dauerverletzten Marcio Amoroso, mit 25 Millionen Euro teuerster Bundesliga-Transfer aller Zeiten, momentan gleich null ist. Leistungsträger wie Dede, Tomas Rosicky, Jan Koller, Torsten Frings, Ewerthon oder auch Christoph Metzelder dürften derzeit noch die besten Erlöse garantieren.

Schlechte Karten für den BVB im Transferpoker

Jedoch in welcher Höhe? Der europäische Transfermarkt, der im Juli seine Pforten öffnet, ist nahezu tot. Nur noch wenige Spitzenklubs werden jene Beträge zahlen können, die dem BVB spürbar helfen. Zudem hält die Borussia im Transferpoker die schlechtesten Karten. Die Verhandlungspartner werden versuchen, sich die Notlage der Westfalen zu eigen zu machen.

Fest steht: Ein tiefer personeller Einschnitt steht bevor. Der von Real Madrid ausgeliehene Flavio Conceicao wird nach Spanien zurückkehren, Stefan Reuter möglicherweise seine Karriere beenden. Dafür steht die beim Nachbarn VfL Bochum nach einer Tätlichkeit gegen den Teamkollegen Vahid Hashemian gefeuerte Leihgabe Sunday Oliseh ab dem 1. Juli mit geschätzten 2,5 Millionen Euro für das letzte Vertragsjahr wieder auf der Dortmunder Gehaltsliste.

Den größten Batzen erhoffen sich die wegen ihrer abenteuerlichen Finanzpolitik kritisierten Vereins-Bosse aus dem Transfer von Rosicky. In der Winterpause machte ein Angebot von 30 Millionen vom FC Chelsea die Runde. Dede wird bereits mit dem deutschen Meister Bayern München in Verbindung gebracht, es folgte das Dementi des Rekordchampions. Und selbst um den seit einem Jahr verletzten Christoph Metzelder (zwei Achillessehnen-Operationen) ranken Gerüchte um ein Interesse von Manchester United und Real Madrid.

"Ohne ihre Zustimmung werden wir sie nicht abgeben", ließ Niebaum in der Westfälischen Rundschau wissen. Allerdings sollen kurzfristig 30 Millionen Euro eingespart werden, unter anderem an Spielergehältern. Folglich werden die Besserverdienenden ihre Koffer packen müssen, einige andere - derzeit ausgeliehene - vermutlich zurückkehren.

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