Der VfL Bochum hat sich mit sofortiger Wirkung von Sunday Oliseh getrennt. Der Nigerianer war nach dem Ligaspiel gegen Rostock am Samstag mit Vahid Hashemian aneinandergeraten und hatte ihm das Nasenbein gebrochen.

Oliseh nach seinem Ausraster suspendiert

01. März 2004, 15:26 Uhr

Der VfL Bochum hat sich mit sofortiger Wirkung von Sunday Oliseh getrennt. Der Nigerianer war nach dem Ligaspiel gegen Rostock am Samstag mit Vahid Hashemian aneinandergeraten und hatte ihm das Nasenbein gebrochen.

Bundesligist VfL Bochum hat Sunday Oliseh vor die Tür gesetzt und steht nach der Entgleisung seines ehemaligen Führungsspielers unter Schock. Der Tabellenvierte reagierte mit der Trennung auf einen tätlichen Angriff des Nigerianers gegen seinen Teamkameraden Vahid Hashemian unmittelbar nach dem Bundesliga-Spiel am Samstag gegen Hansa Rostock (0:0). Oliseh hatte dem Iraner dabei offenbar in "Rambo"-Manier mit einer "Kopfnuss" das Nasenbein gebrochen. Bereits am Samstagabend wurde die Nase Hashemians im Bochumer Marien-Hospital gerichtet.

"Sunday Oliseh wird von seinen arbeitsrechtlichen Verpflichtungen freigestellt. Ursache sind die Ereignisse nach dem Heimspiel gegen Hansa Rostock. Auf Grund der Fürsorgepflicht des VfL Bochum als Arbeitgeber wird von der Mitteilung weiterer Einzelheiten derzeit abgesehen", heißt es in einer Presseerklärung des Klubs am Montag nach mehrstündigen Sitzungen des Vorstands und des Spielerrats. Oliseh erfuhr von seinem Rauswurf in seinem Haus im belgischen Baelen nahe Eupen.

"Es ist unfassbar. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass so etwas passiert", meinte Trainer Peter Neururer. Eine Rückkehr von Oliseh wird es nicht geben, weil sich die Mannschaft gegen den Routinier ausgesprochen hat. Der Klub prüft derweil die juristische Seite der Trennung.

Oliseh fühlte sich von Hashemian beleidigt

Die Vorfälle vom Samstag werfen einige Fragen auf und wirken umso unverständlicher, weil sich Olisehs Gemütswallung offenbar eine gute Stunde lang nicht abkühlen wollte. Bereits auf dem Rasen im Ruhrstadion waren die beiden Streithähne unmittelbar vor Anpfiff der zweiten Halbzeit aneinander geraten. Zahlreiche Mitspieler konnten dort noch eine Schlägerei vor 25.000 Zuschauern verhindern. Erst in der Kabine kam es dann zum handfesten Eklat, den es in solcher Form und mit derartigen Folgen in der Bundesliga-Geschichte vermutlich noch nicht gegeben hat. Oliseh soll sich von Hashemian beleidigt gefühlt haben.

Trainer Peter Neururer hatte den Disput seiner beiden Führungsspieler im Mittelkreis Minuten nach dem Abpfiff im Premiere-Interview noch als "bloßes Wachrütteln" abgetan. Eine Viertelstunde später wirkte "Peter der Große" während der offiziellen Pressekonferenz unter dem Eindruck der Vorkommnisse merklich angeschlagen. Hashemian wollte den Zwischenfall später nicht kommentieren: "Das ist Sache des Managements und des Vereins." Ob er Anzeige wegen Körperverletzung gegen Oliseh erstatteten wird, steht noch nicht fest.

Schlechte Laune in der "Gute-Laune-Elf"

Der 29-Jährige war noch bis Ende der laufenden Saison vom Revier-Nachbarn Borussia Dortmund ausgeliehen. Der VfL wollte sich ursprünglich um eine Verpflichtung des Leistungsträgers bemühen. Stattdessen kehrt Oliseh nun am Saisonende zum finanziell angeschlagenen Nachbarn zurück, der noch ein Jahr das Gehalt von geschätzten 2,5 Millionen Euro zahlen muss, sollte sich kein anderer Verein für einen Transfer finden.

Sein Rauswurf bedeutet einen herben Rückschlag auch für die UEFA-Cup-Ambitionen der "Gute-Laune-Elf", die bislang in dieser Saison fast ausschließlich positive Schlagzeilen produziert hatte. Der Kapitän von Nigerias Olympiateam, das 1996 in Atlanta die Goldmedaille gewann, hatte als Schaltzentrale im defensiven Mittelfeld entscheidenden Anteil am Bochumer Höhenflug.

Oliseh war in der Winterpause 2003 nach Bochum gewechselt. "Das ist der spektakulärste Transfer der Vereinsgeschichte sowie ein deutlicher Zugewinn an sportlicher Leistungsfähigkeit und menschlicher Qualität", meinte Neururer damals. Der Coach hatte bereits 1996 und 1997 mit Oliseh beim 1. FC Köln zusammengearbeitet. Der Nigerianer erzielte für den VfL in insgesamt 32 Spielen einen Treffer - ausgerechnet beim 3:0-Sieg gegen seinen alten Arbeitgeber Borussia Dortmund, der bislang einen Teil seines Gehaltes bezahlte. Die Zukunft des Mittelfeldspielers, der auch schon für den italienischen Rekordmeister Juventus Turin und Ajax Amsterdam gespielt hat, ist nun völlig offen.

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