Serie: Die Top-Stürmer der Bezirksliga 15 (Folge 2: Dennis Kroll, Arminia Marten)

Ein außergewöhnlicher Torjäger

11. November 2006, 13:00 Uhr

Dennis Kroll, 21 Jahre , Torjäger beim Bezirksligisten Arminia Marten: Ein junger Mann, der es schon mit seinen ersten Sätzen schafft, seinem Gesprächspartner den Eindruck zu vermitteln, dass man einem echten Typen gegenübersitzt; so wie man sich das vorstellt, mit Ecken und Kanten und keinem glatten Ja-Sager. [i]Das Porträt.[/i]

Dieser Eindruck bestätigt sich dann auch immer wieder. Ob Beruf, Privatleben oder Hobby, in allen Bereichen legt er die notwendig Bodenständigkeit an den Tag, zeigt aber auf der anderen Seite auch ein hohes Maß an Individualismus. So gehört seine Leidenschaft – neben dem Fußball – dem Eishockey. So weit nichts Ungewöhnliches. Aber wer kann schon von sich behaupten, dreimal die Woche zu trainieren, Sonntag für Sonntag auf dem Fußballplatz gute Leistungen zu bringen und so ganz nebenbei eine Eishockey-Mannschaft intensiv als Fan zu unterstützen?

Bei ihm bedeutet intensiv unterstützen von insgesamt 52 Saisonspielen seines Lieblingsvereins Iserlohn Roosters „mindestens 45 Live mitzuerleben“. So ist es dann auch kein Wunder, dass der bekennende Fast-Food Fan den Weg in den Roosters-Fanclub „Ultra Crew Iserlohn“ gefunden hat. Bei dem Begriff „Ultra“ rümpft der ein oder andere sicherlich mit der Nase, aber bei Kroll und seinen Leidensgenossen steht er für etwas durchweg Honores: „Spielstandunabhängiger Support, ganz egal wann und wo und das ohne Gewalt“, haben sie sich auf die Fahnen geschrieben. Im gleichen Atemzug unterstreicht er noch einmal die Bedeutung, die der schnelle Kufen-Sport für ihn hat: „Der Tag an dem mein Onkel mich das erste Mal zum Eishockey mitgenommen hat, zählt ohne Zweifel zu den drei wichtigsten in meinem Leben“.

Nicht weniger Herzblut bringt er aber dem Fußball und dort ganz besonders seinem derzeitigen Verein Arminia Marten entgegen. Den Weg dorthin fand er über die SG Lütgendortmund, bei der er bereits mit drei Jahren seine ersten fußballerischen Gehversuche unternahm und der Jugend des BVB 09. Dort spielte er nach dem Wechsel von Lütgendortmund bis zum B-Jugend Endjahrgang, wurde Westdeutscher Meister und in den sieben Jahren jeweils Torschützenkönig seiner Altersklasse.

Trotz der großen Erfolge ruft die Zeit beim BVB aber nicht nur positive Erinnerungen bei ihm hervor. Auch seinen sportlichen Tiefpunkt – neben dem verpassten Aufstieg in die Landesliga mit Marten in der letzten Saison – musste er dort erleben. Durch einen Bruch der Wachstumsfuge am rechten Fuß wurde er in seinem letzten Jahr beim Bundesliga-Nachwuchs fast ein Jahr außer Gefecht gesetzt und schaffte anschließend nicht mehr den Anschluss. Nach dieser Enttäuschung ging er dann noch einmal für ein Jahr zu SGL um dann bei der Arminia aus Marten sesshaft zu werden.

Trotz der etwa 100 Treffer im letzten A-Jugend Jahr brauchte der Fachabiturient etwa ein halbes Jahr, um sich anschließend im Senioren-Bereich durchzusetzen: „Als mir dann das Vertrauen geschenkt wurde, habe ich es mit Leistung und Toren zurückgezahlt“, kommentiert er diesen schwierigen Schritt mit einer natürlichen Selbstverständlichkeit. Er ist von seinen Qualitäten überzeugt, ohne dabei überheblich zu sein. Seine 31 Treffer und die daraus resultierende Torjäger-Kanone der letzten Bezirksliga Saison unterstreichen seine Aussage in beeindruckender Weise.[imgbox-right]http://www.revierkick.de/include/images/gallery/img_thumb_156.jpg Neben dem Fußball verfolgt Kroll eine andere große Leidenschaft: Eishockey.[/imgbox]

Trotz seiner individuellen Klasse und den sich daraus ergebenden Ambitionen in der Ober- oder Regionalliga zu spielen, kann sich der 21-jährige durchaus vorstellen auch weiterhin seine Stiefel für die Arminia zu schnüren: „Hier habe ich meine Freunde und vor allem mit den jungen Leuten eine Menge Spaß. Wenn wir aufsteigen bleibe ich auf jeden Fall. Außerdem ist unsere Mannschaft so stark, wenn wir dann noch ein, zwei gute Spieler dazubekommen, wäre auch die Verbandsliga noch drin“.

So könnte er dann seinen Wunsch nach Höherklassigkeiten mit der Liebe zur Arminia kombinieren. Dazu beitragen kann er in jedem Fall seine Treffsicherheit, die er in dieser Saison bereits zehnmal unter Beweis stellen konnte. Damit ist er von seinem Saisonziel, das bei etwa 30 Treffern liegt, aber noch ein gutes Stück entfernt.

Zurzeit absolviert der DVD Sammler - Dennis Kroll besitzt über 600 Originale - seinen Zivildienst in der Blutbank der städtischen Kliniken in Dortmund, hat aber schon genaue Vorstellungen davon, wie es danach beruflich weitergehen soll: „Reiseverkehrs- oder Versicherungskaufmann“ sind seine bevorzugten Ausbildungsziele. Damit könnte er dann seinen Vorstellungen von seiner Zukunft entspannt entgegensehen: „Ich stelle mir ein ganz normales, bodenständiges Leben mit einem ordentlichen Beruf, einer Frau und einem Kind vor“. Die passende Frau scheint er schon gefunden zu haben, denn von Freundin Alena hofft er, „dass sie die Frau fürs Leben ist“.

Fragt man ihn aber nach seinen Lieblingsreisezielen ist es auch schon wieder mit der Bodenständigkeit vorbei und man ahnt warum ihn sein bester Freund, David Grochla, einen „Draufgänger“ nennt. Keines der allgemein als außergewöhnlich bezeichneten Reiseziele nennt er - seine knappe Antwort ist: „Groundhopping“. Auf Nachfrage erklärt er es genauer: „Durch die Gegend jetten und sich alle möglichen Derbys ansehen: Celtic gegen Rangers, Panathinaikos gegen AEK Athen, oder Arsenal gegen Chelsea“, gibt er mit einem breiten Grinsen wieder mal eine ungewöhnliche Antwort.

Keine Frage, Kroll ist ein ungewöhnlicher Torjäger - und einer der besten der Liga. In einem Alter, in dem sich zeigen wird, wie gut er wirklich ist.

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