In der Ukraine regiert knapp vier Jahre vor dem Startschuss zur Fußball-EM 2012 weiter das Chaos: Die globale Finanzkrise hat im Land des Co-Gastgebers bei den Vorbereitungen zu einem Baustopp geführt, der die Ausrichtung des Turniers massiv gefährdet. An 80 Prozent aller EM-Baustellen ruhe wegen finanzieller Probleme derzeit die Arbeit, erklärte OK-Sprecher Jewgeni Willinsky.

Finanzkrise sorgt für Baustopp

EM-Gastgeber Ukraine steckt weiter im Chaos

Benjamin Siebert Berlin (sid)
31. Oktober 2008, 15:16 Uhr

In der Ukraine regiert knapp vier Jahre vor dem Startschuss zur Fußball-EM 2012 weiter das Chaos: Die globale Finanzkrise hat im Land des Co-Gastgebers bei den Vorbereitungen zu einem Baustopp geführt, der die Ausrichtung des Turniers massiv gefährdet. An 80 Prozent aller EM-Baustellen ruhe wegen finanzieller Probleme derzeit die Arbeit, erklärte OK-Sprecher Jewgeni Willinsky.

"Die meisten Bauvorhaben stagnieren", sagte Willinsky nach dem Abschluss einer Inspektionsreise durch die ukrainischen EM-Spielorte Kiew, Donezk, Dnjepropetrowsk und Lemberg: "Das ist schlecht, denn die Attraktivität der Projekte für Investoren ist gesunken. Momentan laufen wir den gesetzten Fristen hinterher."

Der ukrainische Botschafter im Co-Gastgeberland Polen, Alexander Motsik, widersprach dieser Darstellung vehement. "Es ist Einbildung, zu behaupten, dass die Vorbereitungen zur EM 2012 gestoppt seien", sagte Motsik nach einer Besichtigung der Baumaßnahmen in Donezk und versuchte die Wogen zu glätten: "Wir haben alle gesehen, dass die Arbeiten fortgesetzt werden."

Offensichtlich liegen bei den Verantwortlichen in der Ukraine die Nerven blank. Durch die neuen Probleme ist ein mögliches Einspringen von Deutschland als Ersatz-Kandidat wieder wahrscheinlicher geworden. Wie der sid aus UEFA-Kreisen erfuhr, stünden Berlin und Leipzig im Falle eines Entzugs der EM-Gastgeberrolle der Ukraine als Alternativen bereit. Ein Fingerzeig für ein deutsches Engagement ist zudem, dass die Europäische Fußball-Union (UEFA) erwägt, die Anzahl der EM-Stadien möglicherweise auf sechs zu reduzieren.

Als EM-Spielorte für die Endrunde sind bisher neben den ukrainischen Spielstätten noch die vier polnischen Städte Breslau, Posen, Danzig und Warschau vorgesehen. Wegen der Defizite in punkto Infrastruktur, Hotel- und Stadionbau hatte das UEFA-Exekutiv-Komitee in Bordeaux erst Ende September den beiden Gastgeber-Ländern eine Gnadenfrist eingeräumt. "Die Fertigstellung der Stadien in Kiew und Warschau ist weiterhin ein essenzielles Element des ganzen Projektes. Ohne Kiew oder ohne Warschau können wird kein Turnier austragen", hatte UEFA-Präsident Michel Platini unmissverständlich erklärt.

Polen hatte vor vier Wochen den drohenden Entzug der EM 2012 im letzten Moment abwenden können. Der Weltverband FIFA akzeptierte eine Einigung der polnischen Regierung mit dem nationalen Verband, dessen Führung zuvor auf politischen Druck hin abgesetzt worden war. Die FIFA hatte Polen wegen Einmischung der Politik zunächst suspendiert und ein Ultimatum gesetzt. Der neu gewählte Präsident des polnischen Fußball-Verbandes PZPN, Grzegorz Lato, erklärte derweil, dass sein Land die EM eventuell auch alleine austragen könnte.

Gleichzeitig äußerte Lato aber die Hoffnung auf eine rechtzeitiges Ende der ukrainischen Vorbereitungen. Allerdings hatte der PZPN vor wenigen Tagen erst selbst für Negativschlagzeilen gesorgt, als Anfang der Woche ein Pfändungsbescheid der Finanzbehörden über umgerechnet 2,5 Millionen Euro für ausstehende Steuerschulden aus dem Verkauf von TV-Rechten eingegangen war.

Autor: Benjamin Siebert Berlin (sid)

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