Manfred Amerell, Mitglied im DFB-Schiedsrichter-Ausschuss, hält eine Gefängnisstrafe für Robert Hoyzer wegen dessen Verwicklung in den Wett- und Manipulationsskandal für durchaus angemessen.

Amerell hält Haftstrafe für Hoyzer für angemessen

14. Februar 2005, 13:06 Uhr

Manfred Amerell, Mitglied im DFB-Schiedsrichter-Ausschuss, hält eine Gefängnisstrafe für Robert Hoyzer wegen dessen Verwicklung in den Wett- und Manipulationsskandal für durchaus angemessen.

Für Manfred Amerell, Mitglied im Schiedsrichter-Ausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), wäre eine Gefängnisstrafe für Robert Hoyzer eine durchaus gerechte Sanktion in Anbetracht der entscheidenden Rolle, die der ehemalige Schiedsrichter im Wett- und Manipulationsskandal spielt.

"Wenn der weggesperrt wird, dann ist das alles schon in Ordnung", so Amerell im sid-Gespräch. Generalstaatswanwalt Hansjürgen Karge hatte am Wochenende über eine große Wahrscheinlichkeit einer Gefängnisstrafe gegen Hoyzer spekuliert. Dem 25-jährigen Hoyzer drohen bis zu zehn Jahre Haft. Amerell, der Hoyzers Auftritt in einer Talkshow in der vergangenen Woche aufs Schärfste missbilligt hatte, fügte sarkastisch hinzu, dass Hoyzer wohl demnächst "das Bundesverdienstkreuz beantragen wird, weil er der Erste war, der Spiele auf diesem Niveau derart verpfiffen hat".

Amerell: "Kein Spiegel der Gesellschaft"

Die Darstellung, dass das Schiedsrichterwesen ein Spiegel der Gesellschaft sei, lässt Amerell nicht gelten. Hoyzer habe unter 80.000 Unparteiischen in Deutschland zu den Top 44 gehört und sei vom Können her noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen. In dieser exponierten Stellung würde der "Gesellschafts-Spiegel" nicht mehr reflektieren.

Unterdessen verzichtet Amerell auf eine Rechtfertigung für eine Reihe falscher Schiedsrichter-Entscheidungen am 21. Spieltag der Bundesliga: "Wir wollen die Entscheidungen nicht schönreden, weil auch kein Ermessensspielraum vorhanden war." Allerdings machte der 57-Jährige auch die durch den Fall Hoyzer ausgelöste Glaubwürdigkeitskrise der deutschen Unparteiischen für die schwachen Leistungen seiner Zunft verantwortlich.

"Fröhlichkeit ist gewichen"

"Jegliche Fröhlichkeit, die zu diesem Job gehört, ist bei den Kollegen gewichen. Allein das Beispiel Jürgen Jansen nagt an den anderen Schiedsrichtern. Er ist von Hoyzer belastet worden und hat seitdem alle Hände voll zu tun, seine Unschuld zu beweisen", sagt Amerell. Bis zum Wochenende sollen mit allen Schiedsrichtern, die am Wochenende in der 1. und 2. Liga zum Einsatz kommen, Einzelgespräche geführt werden, um sie "psychisch zu stabilisieren".

Solidarität der Bundesligatrainer mit den Unparteiischen erwartet Amerell unterdessen nicht. Dazu sei die Interessenlage viel zu unterschiedlich. Vor allem Peter Neururer (VfL Bochum) und Matthias Sammer (VfB Stuttgart) hatten am vergangenen Wochenende - allerdings auch zu Recht - massiv die Leistungen der Schiedsrichter attackiert.

Amerell: "Im Fall Neururer muss man sich nur die Tabelle anschauen, um seinen Ausbruch zu verstehen. Und bei Matthias Sammer war es nicht das erste Mal, aber in dieser Heftigkeit auch für mich neu. Aber das stört uns nicht mehr." Der Ex-Schiri regte eine Selbstverpflichtung der Trainer an, sich künftig nicht mehr unmittelbar nach dem Spiel zu den Schiedsrichtern zu äußern, sondern zunächst das Vier-Augen-Gespräch in der Kabine zu suchen.

Autor:

Kommentieren