Ferdi Seidelt, Boss des FCR 2001, trägt in der Branche einen Spitznamen:

FCR: Seidelts "Geschenk und Verantwortung"

og
29. Januar 2006, 17:37 Uhr

Ferdi Seidelt, Boss des FCR 2001, trägt in der Branche einen Spitznamen: "Rudi Rastlos", was auf keinen Fall mit "ratlos" verwechselt werden darf. Man könnte als Synonym auch "Hans Dampf" sagen, vielleicht auch "Willi Wacker", allerdings reklamiert diesen Titel bereits Willi Wißing von Liga-Nachbarn SG Schönebeck für sich.

Ferdi Seidelt, Boss des FCR 2001, trägt in der Branche einen Spitznamen: "Rudi Rastlos", was auf keinen Fall mit "ratlos" verwechselt werden darf. Man könnte als Synonym auch "Hans Dampf" sagen, vielleicht auch "Willi Wacker", allerdings reklamiert diesen Titel bereits Willi Wißing von Liga-Nachbarn SG Schönebeck für sich. "Jetzt, wo die Hinrunde größtenteils abgeschlossen und die Phase des Budenzaubers fast vorbei ist", grübelt Seidelt, "kann leicht die Meinung entstehen, dass etwas Luft im atemlosen Getriebe des FCR ist." Allerdings kann sich der rührige Lokalpolitiker mit dieser Definition nicht im entferntesten anfreunden.
Neben der Zukunftsplanung für die Zeit nach 2006 - Seidelt: "Strukturen, Finanzen, Kader" - und die tägliche "Kärrnerarbeit in der Geschäftsstelle" (Seidelt), auf der Anlage und den Trainingsplätzen kann der Verein eine "fröhliche Bilanz" (Seidelt) ziehen. Nach der Verpflichtung von Cheftrainer Dietmar Herhaus, der vom Regionalligisten TuS Köln den Sprung in die Eliteklasse wagte, und der Berufung von Jürgen Raab zum Amateurkoordinator zieht Seidelt eine sehr zufriedenes Fazit: "Der Verein ist noch zielführender und reifer geworden", lautet seine Rückenstärkung gegenüber dem Trainergespann. Seidelt erläutert bereitwillig: "Nicht umsonst haben alle Coaches über die Spielzeit hinaus gerne verlängert, ein Novum." Signaturen, die von Schlüsselspielerinnen - Silke Rottenberg, Inka Grings, Annike Krahn, Shelley Thompson - noch fehlen, allerdings folgen sollen.
Mitgliederzuwachs im Verein ist das nächste Stichwort, das der hauptberufliche Journalist gerne anführt. "Das ist ja nicht mehr neu." Auch die gestiegene Zuschauerzahl bei den Heimspielen der Bundesligamannschaft - in der Liga-Statistik ist das der Platz an der Sonne - ist ein Seidelt-Argument gegenüber vielen Zweiflern. "Waren es im Gründerjahr am Waldborn noch durchschnittlich 428 Zuschauer", blättert Seidelt in alten Aufzeichnungen, "sind es momentan 941." Und mit einer internen Hochrechnung legt er nach: "Nach Lage der Dinge dürfte die endgültige Zahl nach dem 22. Spieltag bei über 1000 liegen." Deshalb sieht Seidelt auch alle Berechtigung, sich nicht von seinem kämpferischen Fazit-Pfad auch nur einen Yota abdrängen zu lassen: "Der FCR ist da auf einem sehr guten Weg. Sportlich dürfte der Verein, was die Erfolgslinie quer durch alle Mannschaften betrifft, in Deutschland nicht oft übertroffen werden."
Alles ist mit Zahlen besser durchschaubar, das sieht auch Seidelt so. Für eine Statistikbelegung genügt ihm ein lässiger Griff in die Tasche: "70 Meisterschaftsspiele wurden von den mittlerweile sieben Teams bestritten, wovon 61 gewonnen und fünf unentschieden absolviert wurden. Drei Niederlagen gingen auf das Konto der unbekümmerten Stadtteil-Kids aus Kaldenhausen, die in ihrem ersten Jahr halt noch mächtig viel lernen müssen." Und einmal in Fahrt, langt Seidelt in die nächste Tasche, immer noch lässig: "Gleich 588 Treffer lieferte das Löwenrudel ab, egal ob Weltstar, nationale Klasse, regionale Könnerin oder hoffnungsvolles Talent." Und das folgende Fazit: "Die Pokalvitrinen des erst vor zwei Jahren bezogenen Klubhauses quellen über. Das Bundesligateam steht kurz vor höchsten Weihen. Die Regionalliga-Mannschaft ist auf dem Weg in die 2. Bundesliga. Die dritten Frauen marschieren in ihrem ersten Pflichtspieljahr durch die Liga. Die Elite-Juniorinnen U17 sind Stammgast in der nationalen Endrunde. Die Nachwuchs-Löwinnen hauen das Runde gleich im Dutzend in das Eckige."
Seidelt ist bekannt für warme Worte, stoppt man ihn nicht, kommt er aus dem Zungenschnalzen kaum raus. Allerdings kann man ihn verstehen, es ist eine schicke Erfahrung, der zweiterfolgreichste Klub aller Zeiten zu sein, an der Tabellenspitze und im Pokalhalbfinale zu stehen, gleich zwölf Spielerinnen für die verschiedenen deutschen Teams auflaufen zu sehen. Die parallele Freude beim Blick auf die Nachwuchsarbeit beweist letztendlich nur Weitsichtigkeit. Seidelt nimmt den Ball konstant dankbar auf und beweist bei der Verbal-Jonglierung weiterhin überragende Formulierungs-Technik: "Hier werden junge Mädchen zu erfolgreichen Fußballerinnen ausgebildet, wer redete vor Jahren schon, um nur einige zu nennen, von Anne van Bonn, Elena Hauer, Jennifer Oster?" Und immer wieder ein eingeschobenes Fazit des brennenden Funktionärs: "Diese Arbeit ist aufwändig, aber auch spannend. Der FCR schreibt in und um Duisburg Sportgeschichte." Ganz im Sinn von DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, der als ehrlicher Begleiter und Förderer nicht nur des FCR 2001 Duisburg die engagierte Arbeit des Vereins mit einer Eliteschule für Mädchenfußball belohnt. Seidelt, genau wie auch Mitstreiter Knut Baak "und eine Handvoll Freunde" (Seidelt), konnten das nicht ahnen, als sie vor fünf Jahren den Verein völlig neu aufbauten. Wie gehabt, Seidelts Fazit: "Die Zukunft des Fußballs ist weiblich. Und jede Spielerin Geschenk und Verantwortung zugleich."

Autor: og

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