Die Fußballerinnen von Turbine Potsdam haben sich erstmals die deutsche Meisterschaft geholt. Am letzten Bundesliga-Spieltag siegten die Ostdeutschen mit 7:2 beim 1. FFC Frankfurt. Conny Pohlers traf dabei drei Mal.

Pohlers schießt Potsdam zur Meisterschaft

13. Juni 2004, 17:49 Uhr

Die Fußballerinnen von Turbine Potsdam haben sich erstmals die deutsche Meisterschaft geholt. Am letzten Bundesliga-Spieltag siegten die Ostdeutschen mit 7:2 beim 1. FFC Frankfurt. Conny Pohlers traf dabei drei Mal.

Die neue Nummer eins im deutschen Frauenfußball ist Turbine Potsdam. Nachdem die Ostdeutschen vor zwei Wochen den DFB-Pokal gewonnen hatten, sicherten sie sich nun auch die deutsche Meisterschaft. Mit einem hochverdienten 7:2 (3:0) am letzten Bundesliga-Spieltag beim 1. FFC Frankfurt stießen sie den Abonnement-Champion der vergangenen drei Jahre unsanft vom Thron.

Frankfurt erstmals seit Gründung ohne Titel

Conny Pohlers (10./52./68.), Petra Winbersky (28./40.), Anja Mittag (64.) und Viola Odebrecht (75.) erzielten die Treffer für das Team von Trainer Bernd Schröder, das sich damit erstmals auch für den Uefa-Cup qualifizierte. Für den 1. FFC, der erstmals seit der Gründung 1998 eine Saison ohne Titel abschloss, gelangen Spielführerin Pia Wunderlich (56./Foulelfmeter) und Tina Wunderlich (74.) die Ehrentreffer. Für die Hessinnen war es nach den Endspielpleiten im DFB-Pokal und UEFA-Cup die ritte bittere Schmach binnen zwei Wochen.

"Ich muss meinen Spielerinnen ein Riesenkompliment zollen. Sie haben Charakter gezeigt und Unglaubliches geleistet", erklärte Potsdams Trainer Bernd Schröder und blickte in der Stunde des süßen Triumphes bereits erwartungsfroh nach vorn: "Wir wollen den Erfolg auch im nächsten Jahr wiederholen und außerdem Deutschland im UEFA-Cup würdig vertreten." Durch den Meistercoup hat sich der sechsmalige DDR-Meister nicht nur zur neuen Nummer eins in Deutschland aufgeschwungen, sondern erstmals auch für den internationalen Wettbewerb qualifiziert.

Vor 4800 Zuschauern im Frankfurter Stadion am Brentano-Bad knüpften die Potsdamerinnen nahtlos an ihre starke Leistung vom 3:0-Erfolg im DFB-Pokalfinale von Berlin an. Zunächst rettete FFC-Keeperin Marleen Wissink (9.) noch bei einem Schuss von Pohlers, doch nach der anschließenden Ecke traf die 25 Jahre alte Mittelstürmerin per Kopf zum 1:0. "Das ist unglaublich. Ich kann das noch gar nicht fassen. Wir haben gespielt wie elf Freundinnen und auch noch Traumtore erzielt", meinte Conny Pohlers sichtlich ergriffen. Die dreifache Torschützin empfahl sich unter den Augen von DFB-Trainerin Tina Theune-Meyer durch ihre starke Leistung auch für Olympia in Athen.

Prinz weiter unter Normalform

Auf der Gegenseite bließ Weltfußballerin Birgit Prinz erneut weit unter Normalform. Bei der ersten halbwegs guten Chance schoss Prinz aus 20 Metern am Tor vobei. Nach der strapaziösen Saison machten sich beim FFC deutlich Auflösungserscheinungen bemerkbar. Ein Aufbäumen gegen die erste Bundesliga-Niederlage der Saison war den Spielerinnen von Trainerin Monika Staab kaum anzumerken. "Wir werden alles gründlich analysieren. Dabei geht es nicht nur um die Trainer-Frage, sondern auch um die Motivation einzelner Spielerinnen", sagte Manager Siegfried Dietrich.

Gemeint haben dürfte der FFC-Macher insbesondere Weltfußballerin Prinz, die nach Spielende ohne Kommentar in die Kabine flüchtete. Dafür redete bei den Hessen, die einzig durch Spielführerin Pia Wunderlich (56., Foulelfmeter) und Tina Wunderlich (74.) zu Treffern gekommen waren, Staab Klartext: "Wir waren nicht mehr in der Lage, Potsdam Gegenwehr zu leisten. Turbine ist völlig verdient Meister geworden."

Immerhin signalisierte Dietrich, in der kommenden Saison wieder angreifen zu wollen. Zwar verliert der FFC in Bianca Rech und Sandra Minnert zwei Leistungsträgerinnen. Dafür verpflichteten der Klub in Weltmeisterin Kerstin Garefrekes vom Konkurrenten Heike Rheine die neue Bundesliga-Torschützenkönigin. "Wir werden auch in der nächsten Spielzeit eine schlagkräftige Mannschaft stellen", kündigte Dietrich an.

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