Die stattliche Zahl von mehreren hundert Zuschauern findet sich auf der Sportanlage am Evinger Grävingholz eher selten ein, wenn die Mannschaft des Dortmunder Landesligisten Phönix Eving ihre Übungseinheiten unter dem Trainergespann Andreas Müller und Christian Nurk absolviert. Doch beim Donnerstagtraining am 1. Mai war dies der Fall.

Ortstermin: Kuhfladenroulette mit Luisa und Betty in Eving

Sportanlage am Grävingholz, Dortmund-Eving

Oliver Kubanek (kub)
14. Mai 2008, 17:28 Uhr

Die stattliche Zahl von mehreren hundert Zuschauern findet sich auf der Sportanlage am Evinger Grävingholz eher selten ein, wenn die Mannschaft des Dortmunder Landesligisten Phönix Eving ihre Übungseinheiten unter dem Trainergespann Andreas Müller und Christian Nurk absolviert. Doch beim Donnerstagtraining am 1. Mai war dies der Fall.

Noch erstaunlicher ist diese Tatsache, weil Phönix beim vorherigen Ligaspiel in Waltrop mit 1:8 unter die Räder gekommen war.

Aber was sich Fußballfunktionäre und –trainer so alles einfallen lassen, um ihre Akteure wieder in die Erfolgsspur zu bekommen, ist schon bemerkenswert. In Eving war dies nach dem sportlichen Debakel eine Doppelveranstaltung zum Tanz in den Mai, der sich am nachfolgenden Feiertag ein Event namens „Kuhfladenroulette“ anschloss. Schließlich stand nach der Begegnung bei den Teutonen ausgerechnet eine der entscheidendsten Partien um den Ligaverbleib gegen Habinghorst auf dem Terminplan.

Eigentlicher Hintergrund dieses Menschenauflaufs waren aber weniger die Ballfertigkeiten der Kicker als vielmehr die Verdauungskünste von Luisa und Betty. Die beiden Kühe eines Viehbesitzers aus dem benachbarten Vorort Holthausen waren die Hauptdarsteller der Veranstaltungen des Landesligisten, die zufälligerweise genau in die Zeit nach der sportlichen Klatsche in Waltrop und vor dem Habinghorst-Spiel fiel. „Den Tanz in den Mai konnten wir mit der Mannschaft aber nutzen, um die Köpfe ein wenig frei zu bekommen“, hatten die Feierlichkeiten für Müller tatsächlich etwas Aufbauendes, das den Teamgeist stärken konnte.

Naturgemäß waren aber nicht nur Fußballfreunde, sondern auch viele Hobby-Landwirte auf der Anlage, die sich durch die Exkremente der beiden Tiere ein kleines Nebengeld verdienen wollten. Hinter dem Begriff Kuhfladenroulette verbirgt sich nämlich nichts anderes, als ein abgestecktes Rasenstück, auf dem 600 (20 x 30) Felder markiert sind. Diese Felder kann man per Los für fünf Euro kaufen und muss dann warten, bis die Kühe einen Fladen auf dem Rouletterasen platzieren. Das Feld, wo dieser zuerst landet, hat den Hauptpreis von 400 Euro gewonnen. Die umliegenden acht Felder bringen den jeweiligen Losbesitzern immer noch 50 Euro ein. Damit jede der beiden Vierbeiner einmal zum Zug kommen darf, wird das ganze in zwei Durchgängen absolviert.

Gut 1500 Zuschauer wollten sich das Spektakel nicht entgehen lassen und sorgten so natürlich auch ganz nebenbei für eine gute Einnahme in die Vereinskasse. „Wir organisieren das Roulette jetzt zum vierten Mal und das ist immer eine tolle Sache“, zeigte sich Phönix-Vorsitzender Rüdiger Weigelin auch mit der diesjährigen Ausgabe zufrieden. Weigelin war auch einer der Initiatoren dieser etwas bizarren Veranstaltung. „Unser leider kürzlich verstorbener Dieter Beuchel hatte die Idee“, erläutert Weigelin. „Ich habe das dann einfach mal gegoogelt, und siehe da, so eine Veranstaltung gab es sogar schon.“ Gemäß eines Berliner Vorbildes entschlossen sich dann auch die Evinger, zwei Kühe ins Rouletterennen zu schicken. „Die Regeln sind ja durchaus überschaubar und auch der organisatorische Aufwand hält sich in Grenzen, also haben wir gedacht: Das können wir stemmen.“

Der Erfolg gibt dem Verein recht, wie auch „Cowboy“ Frank Hibbeln findet, der im zivilen Leben als Manager des Klubs fungiert, und sich zusammen mit Karl-Heinz Sobig um Luisa und Betty kümmerte. „Die Leute haben uns nach der letzten Veranstaltung gedrängt, dies auch dieses Jahr wieder zu organisieren.“

Nachdem sich die Losbesitzer vor dem Beginn des Kuhfladenroulettes von der einwandfreien Funktionsweise der Ziehungsbeteiligten Luisa und Betty überzeugt hatten, konnte Hibbeln seines Amtes walten. Erstaunlich schnell war dabei der erste Durchgang beendet. Der Cowboy-Manager hatte Kuh Betty gerade auf das abgesperrte Rechteck geführt, da verkündete er bereits via Mikrofon. „Tja, es ist schon passiert. Das habe ich ja noch nie erlebt bisher.“ Unglücklicherweise hatte sich der Fladen genau auf der Linie zweier Felder verewigt, aber Helga Zarth konnte sich dennoch über 200 Euro freuen, die ihr das Los mit der Nummer 563 eingebracht hatte.

Mehr Zeit ließ sich die zweite Kandidatin bei ihrem Durchgang. „Nach unseren bisherigen Erfahrungen spielen wir zur Not immer die Titelmelodie von ‚Heidi’ ein, das bringt den Kuhdarm offenbar in Schwung“, hatte Weigelin schon vor den tierischen Auftritten lachend angekündigt, doch soweit musste es nicht kommen. Luisa stand zwar die ersten 15 Minuten eher gelangweilt herum und starrte auf ihre Freundin Betty, doch als sich Hibbeln entschloss, beide Kühe ins Rennen zu schicken, dauerte es nur noch wenige Minuten, bis sich der zweite Fladen auf dem Rasen verteilte. Getroffen hatte es Feld 405. „Das hatte allerdings niemand erworben, so dass der zweite Gewinn nicht ausgezahlt werden musste“, erklärte Weigelin.

Inwieweit die „fachkundigen“ Kommentare und die dabei oft gehörte Bauernregeln „Dreimal scheißt die Kuh am Tag“ sich noch bewahrheitete, ist nicht verbürgt. Aber sicher ist, dass das Kuhfladenroulette auch eine fünfte Auflage in Eving haben wird.

Autor: Oliver Kubanek (kub)

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