Werder meilenweit von Wunder entfernt

08. März 2005, 23:12 Uhr

Werder Bremen hatte beim Champions-League-Rückspiel in Lyon rein gar nichts zu bestellen. Der deutsche Meister ging nach Gegentoren von Wiltord (3), Essien (2), Malouda und Berthod sang- und klanglos mit 2:7 unter.

Auf ein Wunder gehofft, doch ein erneutes Debakel erlebt: Für den deutschen Meister Werder Bremen war Frankreichs Titelträger Olympique Lyon erneut eine Nummer zu groß. Zwei Wochen nach der 0:3-Hinspielniederlage im Weserstadion verlor der deutsche Pokalsieger auch das Rückspiel im Stade de Gerland mit 2:7 (1:3) und verpasste nach der höchsten Niederlage seiner Europacup-Geschichte die Qualifikation für das Viertelfinale der Champions League deutlich.

Schaaf vermisst Körpereinsatz

"Das ist natürlich eine Riesen-Enttäuschung. Man kann verlieren, aber so ein Spiel darf man nicht hinlegen. Wenn man ohne Körpereinsatz spielt, kann man kein Erfolgserlebnis haben", kommentierte Werder-Trainer Thomas Schaaf die Pleite: "Wir haben Lyon einen wunderschönen Abend bereitet. Eins ist sicher: So leicht werden sie es nie wieder haben."

Vor 38.922 Zuschauern waren die ohnehin minimalen Hoffnungen des Bundesliga-Dritten auf ein "grün-weißes Fußball-Wunder" bereits nach einer guten Viertelstunde auf den Nullpunkt gesunken. Zwei Flachschüsse von Sylvain Wiltord in der 8. und Michael Essien in der 17. Minute vergrößerten den Rückstand der Gäste auf schier uneinholbare fünf Tore. Essien (30.) war noch ein weiteres, Wiltord (55. und 64.) sogar noch zweimal erfolgreich, dazu trafen Florent Malouda (60.) und Jeremy Berthod (80., Foulelfmeter). Die Bremer Tore erzielten ausgerechnet die Franzosen Johan Micoud (32.) und Valerien Ismael (57., Foulelfmeter).

Offensivtaktik nach hinten losgegangen

"Wir haben nichts von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten", gab Sportdirektor Klaus Allofs in der Halbzeitpause zu: "Wir wollten zeigen, dass das im Hinspiel nicht das wahre Gesicht von Werder Bremen war. Das ist uns nicht gelungen. Lyon ist in der Form einfach eine Nummer zu groß für uns. Jetzt ist es eine Frage der Ehre, dass wir hier nicht untergehen."

Durch die frühen Gegentore war auch die Offensivtaktik von Trainer Thomas Schaaf schnell zu Makulatur geworden. Der Werder-Coach hatte Nationalspieler Tim Borowski nicht in die Startformation berufen und dafür in Nelson Valdez einen dritten Angreifer von Beginn an aufgeboten. Doch dem Bremer Sturm-Trio fehlte eindeutig die Durchschlagskraft, die Deckung der Platzherren stand durchweg sehr sicher und ließ den Stürmern der Norddeutschen kaum Raum zur Entfaltung.

Werder-Abwehr nicht existent

Ganz anders die Hintermannschaft des Double-Gewinners: Bei allen Gegentoren offenbarten sich Abstimmungsprobleme, Torhüter Andreas Reinke war jeweils chancenlos. Auch die Hoffnung, der französische Tabellenführer würde die vermeintlich schon entschiedene Partie auf die leichte Schulter nehmen, erwies sich als Trugschluss. Nicht einmal in den zweiten 45 Minuten ließ Olympique nach.

Co-Trainer Wolfgang Rolff äußerte sich in der Pause noch optimistisch: "Wenn wir ein frühes Tor machen, haben wir vielleicht noch eine Chance." Diese war nach Wiltords zweiten Treffer verflogen, obwohl Ismael noch einen Strafstoß verwandelte.

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