Beim VfL Bochum ist der Fußball noch ehrlich, das Publikum treu und im Zweifelsfall der Schiedsrichter schuldig. Kurz und knapp: Es ist eine heile Welt, die bei den Blau-Weißen herrscht. Das gilt ganz besonders für die überschaubare Medienschar im Dunstkreis des Bundesligisten. Man trifft sich alle zwei Wochen, plaudert ein wenig, schaut Fußball, lauscht den Spielern und plauscht dann noch etwas weiter in dem Kabinen-Vorraum, der sich Mixed-Zone nennt. Man bleibt unter sich, ganz bodenständig, wie es beim VfL nun mal Brauch ist. Und wenn es in den Katakomben international zugeht, dann nur, weil der Fernseher direkt nach der Presse-Konferenz auf die Champions League-Aufzeichnung von Premiere umspringt.

Bochum: Ono streichelt den Ball und zerstört die Idylle

„Ein Star, aber ohne Allüren“

23. Februar 2008, 18:29 Uhr

Beim VfL Bochum ist der Fußball noch ehrlich, das Publikum treu und im Zweifelsfall der Schiedsrichter schuldig. Kurz und knapp: Es ist eine heile Welt, die bei den Blau-Weißen herrscht. Das gilt ganz besonders für die überschaubare Medienschar im Dunstkreis des Bundesligisten. Man trifft sich alle zwei Wochen, plaudert ein wenig, schaut Fußball, lauscht den Spielern und plauscht dann noch etwas weiter in dem Kabinen-Vorraum, der sich Mixed-Zone nennt. Man bleibt unter sich, ganz bodenständig, wie es beim VfL nun mal Brauch ist. Und wenn es in den Katakomben international zugeht, dann nur, weil der Fernseher direkt nach der Presse-Konferenz auf die Champions League-Aufzeichnung von Premiere umspringt.

So war es immer, und so wird es bleiben. Denkste! Denn seit Shinji Ono da ist, ist alles anders. Die Idylle ist Vergangenheit, immer häufiger stehen sich die Journalisten gegenseitig auf den Füßen. Nicht etwa gegen die großen Bayern, denn gegen die ist das immer so, nein, auch gegen eine graue Maus wie Hannover 96.

Bis kurz vor Mitternacht harren die japanischen Medienvertreter aus, um ein paar Worte des Idols aus Fernost zu erhaschen. Der Neuzugang lässt auf sich warten, weil er zunächst am lädierten Fuß behandelt wird. Aber die Japaner geben nicht auf: Schließlich hat Ono soeben nicht nur seine Premiere in der Bochumer Startelf gefeiert, sondern auch direkt über 90 Minuten am Erfolg der Hausherren mitgebastelt.

Andere würden in so einem Moment davon faseln, in Europa angekommen zu sein und für einen Top-Club bereitzustehen, vielleicht auch noch die dicke Torchance anmerken, die nur durch eine falsche Abseitsentscheidung des Unparteiischen vereitelt wurde. Doch Ono ist kein Freund von Schlagzeilen, er bleibt lieber bei der Wahrheit: „Ich freue mich, dass ich wieder die Fitness habe, um über die volle Distanz zu gehen. Aber ich will in Zukunft noch mehr Anteil am Spiel haben. Denn diesmal konnte ich nicht so viel zum Sieg beitragen.“

Was ihm in den vergangenen Wochen als Forderung nach mehr Einsatz-Zeit ausgelegt worden ist, erscheint nun in einem ganz anderen Licht: Der Techniker verlangt von sich selbst einfach ein ganz anderes Auftreten, ein noch dominanteres.

Wenn man sein feines Gespür für Situationen und das Ballgefühl nimmt, dürfte die Selbstkritik nicht lange Bestand haben. „Wir haben mit Shinji spielerisch zugelegt, das hat uns in der Hinrunde gefehlt“, lobt Marcel Koller.

Wohl wissend, dass der 28-Jährige noch ganz andere Qualitäten an den Tag legt. Denn so unnahbar „Tensai“ mitunter seinen Gegenspielern erscheint, so geerdet ist er in der täglichen Arbeit. Kaum eine Einheit, in der er den Platz nicht mit vollen Händen verlässt. Ob Hütchen oder Bälle – Ono packt mit an. Ganz bodenständig, wie der VfL. Oder, wie Koller es ausdrückt: „Er ist ein Star, aber ohne Star-Allüren.“ So einer passt nach Bochum, auch wenn er dabei die Idylle der Presseleute zerstört.

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