Augsburgs Manager Andreas Rettig über die "Wundertüte 2. Liga" und die neue TV-Vermarktung

"Wuppertal, RW Essen und Düsseldorf im Kabel-Paket"

Thomas Tartemann
03. Februar 2008, 12:44 Uhr

"Jetzt beginnt für mich die harte Zeit", lacht Andreas Rettig. Der gebürtige Rheinländer verbringt zwar Weiberfastnacht in der Heimat, aber seit eineinhalb Jahren muss er als Manager des Zweitligisten FC Augsburg mit der bayerisch-schwäbischen Mentalität klarkommen. Rettig: "Damit tue ich mich manchmal schwer, doch ich habe mittlerweile zwei Kölsch-Kneipen ausgemacht, damit gewinnt man an Lebensqualität".

Nach seiner Verpflichtung horchte Fußball-Deutschland auf - schließlich gilt der langjährige Leverkusener nicht nur als rhetorische Allzweckwaffe, sondern auch als kompetent, arbeitswütig, ehrgeizig und zielstrebig. Durch seinen Posten in der Chef-Ebene des Liga-Verbandes zieht Rettig automatisch mit an den Fäden in Fußball-Deutschland. RevierSport unterhielt sich mit dem FCA-Manager über die Spannung in der Zweiten Liga, seine Aufstiegs-Favoriten, die Entwicklung auf dem TV-Markt und sein Daumendrücken für drei Regionalligisten aus dem Westen.[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/006/199-6283_preview.jpeg FCA-Manager Andreas Rettig. (Foto: firo)[/imgbox]

Andreas Rettig, Ihr FCA startet mit einem Mega-Knaller in die Rückrunde, am Sonntag steigt das Derby bei 1860 München. Klettert die Fieberkurve schon bei Ihnen?

Ja, ich merke durchaus etwas das Kribbeln. Wenn du gleich mit so einem Derby vor 60.000 Fans beginnst, dann ist das schon etwas Besonderes und für Zweitliga-Verhältnisse sicherlich ungewöhnlich.
Die Sechziger galten zumindest phasenweise als heißer Aufstiegs-Kandidat. Wen haben Sie am Saisonende als Bundesligisten auf dem Zettel?
1860 München und Greuther Fürth traue ich den Coup ehrlich gesagt nicht zu. Meiner Ansicht nach setzen sich von den momentanen vier Mannschaften an der Spitze drei durch.

Dazu dürfte Top-Favorit Borussia Mönchengladbach gehören, oder?

Gladbach steigt auf, das ist für mich klar. Sie haben nicht nur einen guten Kader, sondern auch die Art und Weise, wie Borussia aufgetreten ist, war absolut überzeugend. Ich gönne es vor allem Trainer Jos Luhukay, den ich aus zwei gemeinsamen Jahren beim 1. FC Köln kenne. Er besitzt enorme Fach- und Sozial-Kompetenz. Für mich ist er ein sehr, sehr guter Coach. Ich wünsche ihm, dass er mit BMG aufsteigt. Auch meinen Ex-Clubs Köln und Freiburg drücke ich die Daumen, obwohl es der FC trotz seines Bundesliga-Angriffs Novakovic/Helmes schwer haben wird.
Für viele Experten ist das Unterhaus eine regelrechte Wundertüte. Wie sehen Sie die kommenden Monate?

Obwohl sicher der eine oder andere die Nase rümpfen wird: Selbst Paderborn ist bei sechs Punkten Rückstand auf das rettende Ufer noch nicht abgestiegen. Die ersten sechs Teams, das kann man zur Saison-Halbzeit sagen, werden mit der Gefahrenzone nichts mehr zu tun bekommen. Ab Platz sieben, also dem SV Wehen, sind alle in der Verlosung. Das macht die Liga insgesamt aus.

Die Fans rennen Ihrem FCA trotz des veralteten Stadions die Bude ein. Bis 2009 soll eine hochmoderne Arena entstehen. Ist das eine wichtige Weichenstellung, um bald im Konzert der Großen mitzuspielen?
Beim FC Augsburg ist alles auf Profi-Fußball ausgerichtet. Bei uns sind alle Business- und VIP-Tickets weg, 17.000 Zuschauer kommen im Schnitt, übernächste Saison spielen wir in einem Stadion, das 31.000 Besucher fasst. Wir haben eine ganz solide Finanzierung auf den Weg gebracht, 60 Prozent des Investitions-Volumens sind Eigenkapital.

Und der Stadion-Name ist bereits vermarktet, bevor die Arena steht!

Unser Trikot-Sponsor Impuls, der größte deutsche Makler bei Krankenversicherungen, hat die Namensrechte für acht Jahre erworben. Impuls sitzt vor den Toren Augsburgs, insofern gibt es auch einen regionalen Bezug, das passt perfekt.

Autor: Thomas Tartemann

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