Niederrheinpokal

MSV wird zum Albtraum-Los

26. September 2016, 21:44 Uhr

Foto: Bernd Lauter

Der Traum vom Jahrhundertspiel platzte für den Rather SV. Weil im Niederrheinpokal-Spiel gegen den MSV Randale drohte, gab es eine Veranstaltungssperre.

Es sollte für den Fußball-Landesligisten Rather SV das „Jahrhundertspiel“ sein. Der kleine Klub aus Düsseldorf, der vor einigen Jahren noch in der Kreisklasse kickte, gegen den großen und traditionsreichen MSV Duisburg. Genau solche Partien sind es, die den Charme eines Pokalwettbewerbs ausmachen. Was jedoch folgte, ist ein Desaster für den Amateurfußball. Am Mittwoch steigt das Zweitrunden-Fußballspiel des FVN-Pokals im PCC-Stadion in Homberg (19 Uhr).

Als uns der MSV als Gegner zugelost wurde, waren wir alle hellauf begeistert. Doch in den letzten Wochen muss ich ehrlich gestehen: Ich werde von Tag zu Tag müder und die Vorfreude ist der Enttäuschung gewichen
Christian Schmitz (Rather SV)

Denn aufgrund möglicher Auseinandersetzungen zwischen Fortuna-Ultras und den MSV-Anhängern darf die Begegnung nicht im Rather Waldstadion ausgetragen werden. Die Stadt Düsseldorf verhängte kurzerhand eine Veranstaltungssperre. Die traurige Folge: Das Rather Spiel des Lebens darf nicht in der eigenen Großstadt ausgetragen werden. Offenbar sah die Stadt Düsseldorf keinen Weg, dem RSV das Heimrecht zu erhalten. Nun muss nach Duisburg umgezogen sein. Es mutet grotesk an.

Ernüchterung beim Rather Trainer
Aus dem erhofften Heimspiel vor voller Hütte wird nun also ein Auswärtsspiel, das auch mit erheblichen Geldeinbußen verbunden ist: „Das wäre einzigartig geworden,“ weiß der Rather Trainer Christian Schmitz. „Flutlicht, ausverkauftes Haus, ein Heimspiel auf Kunstrasen in Rath – vielleicht noch leichter Nieselregen. So lieben wir doch den Fußball,“ schwärmt er. Doch nun die Ernüchterung: „Das ist leider nur ein schöner Traum“, muss sich der Trainer eingestehen.

Ein Traum bleibt es wohl auch, mit der besten Mannschaft antreten zu können – denn, anders als beim Profiklub aus Duisburg, müssen die Düsseldorfer unter der Woche noch einem Berufsleben neben dem Fußball nach gehen. Da passt es ins Trauerspiel, dass die Verantwortlichen erst eine Woche vor der Austragung von der Ansetzung erfuhren: „Wir haben ein riesiges Problem,“ erzählt Schmitz. „Meine Spieler und ich müssen unter der Woche arbeiten. Jetzt müssen wir es irgendwie schaffen, uns kurzfristig Urlaub zu nehmen.“

Der RSV-Übungsleiter weiß aber genau, dass das nicht bei jedem Akteur klappen wird: „Ich habe schon die erste Absage erhalten. Der Junge hat bis vor wenigen Monaten noch Kreisliga gespielt. Ich habe den Schmerz in seiner Stimme vernommen,“ gesteht der ehemalige Oberliga-Spieler.

MSV fühlt mit dem Nachbarn
Der MSV Duisburg fühlt mit dem kleinen Nachbarn mit. „Solche Spiele sehen wir immer als Festtage für den Amateurfußball an,“ so MSV-Pressesprecher Martin Haltermann und fügt hinzu: „Bereits in Solingen haben wir uns sehr gut aufgenommen gefühlt. Dies hätten wir bestimmt auch in Düsseldorf erlebt. Schade, dass es nicht klappt. Wir können die Enttäuschung voll und ganz nachvollziehen und fühlen mit dem Rather SV mit.“

Enttäuschung – mit diesem Wort würde wohl auch der Rather Trainer seinen aktuellen Gemütszustand beschreiben: „Als uns der MSV als Gegner zugelost wurde, waren wir alle hellauf begeistert. Doch in den letzten Wochen muss ich ehrlich gestehen: Ich werde von Tag zu Tag müder und die Vorfreude ist der Enttäuschung gewichen.“ Resignation ist für Schmitz aber ein Fremdwort: „Allen Umständen zum Trotz: Wir werden uns nicht kampflos ergeben. Wir wollen dem MSV Duisburg einen großen Pokalfight liefern.“

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