Nach dem Pokal-Aus in Walldorf richtet der VfL Bochum den Blick wieder voraus. Freitag geht es gegen Hannover, Alternativen sind rar.

VfL Bochum

Der Pokal-Frust sitzt noch tief

Ralf Ritter
23. August 2016, 06:17 Uhr

Nach dem Pokal-Aus in Walldorf richtet der VfL Bochum den Blick wieder voraus. Freitag geht es gegen Hannover, Alternativen sind rar.

Um 14 Uhr war Anpfiff am Montag, auf dem Rasenplatz der Leichtathletik-Anlage im Schatten des Stadions spielte die zweite und später die allerjüngste Garde des VfL Bochum gegen den Regionalligisten SV Rödinghausen. Natürlich blickten alle aufs Feld - und redeten über etwas ganz anderes. Die Pokalblamage von Walldorf, das Aus in Runde eins, das 3:4 nach Verlängerung war längst nicht raus aus den Köpfen. Sicherlich auch bei Hans-Peter Villis nicht, dem Aufsichtsratsvorsitzenden, der sich aber diplomatisch gab: „Das war gestern nichts, dazu ist alles gesagt. Wir werden das intern weiter aufarbeiten. Die Mannschaft wird am Freitag gegen Hannover die Antwort geben“, sagte Villis und applaudierte dann erstmal Evangelos Pavlidis. Der U-19-Stürmer traf zum 1:1-Endstand.

Die Mannschaft wird am Freitag gegen Hannover die Antwort geben
Hans-Peter Villis

Von Trainer Gertjan Verbeek über Sportvorstand Christian Hochstätter bis Klubchef Villis, von den Spielern bis zu den Fans, waren sich ja alle einig, dass „Einstellung und Engagement“ (Hochstätter) die entscheidenden K.o.-Kriterien waren. Die Eigenmotivation, die der Coach als selbstverständlich ansieht für einen Profi, war doch nicht mitgereist ins Örtchen auf dem Land.
Wie sonst ist zu erklären, dass der FC-Astoria Walldorf, der im Alltag Mittelmaß in Liga vier repräsentiert und gegen den VfL letztlich auch über sich hinauswuchs, „über weite Strecken die Kontrolle über das Spiel hatte“, wie Verbeek konstatierte? Wie sonst ist zu erklären, dass die Feierabend-Fußballer gerade auch in der Verlängerung mehr Kraft, mehr Dynamik mobilisieren konnten als die Profis?

Die erfahrene Viererkette, in der Timo Perthel und Felix Bastians etwas besser waren als Tim Hoogland und Stefano Celozzi, kann Fußball auf hohem Zweitliga-Niveau spielen, das hat sie oft genug bewiesen. Das gilt auch für den sonst als Musterprofi geschätzten Anthony Losilla, der einen rabenschwarzen Tag hatte, und für Marco Stiepermann. Ob aber die Offensivkräfte in dieser Konstellation genug Potenzial für einen Spitzenplatz mitbringen, diesen Nachweis müssen sie erst noch erbringen. Ängstlich und harmlos agierten Thomas Eisfeld im Zentrum und Tom Weilandt auf dem Flügel, Kevin Stöger sammelte dank zweier Treffer zumindest einen halben Pluspunkt. Ganz vorne blieb erst Peniel Mlapa blass, der wegen Rückenproblemen gestern im Krankenhaus untersucht wurde, ehe auch Nils Quaschner enttäuschte.

Doch nach dem sicher geglaubten Zusatzgeld im Pokal - allein die zweite Runde hätte rund 500 000 Euro gebracht - wird es nicht leichter, auf dem Transfermarkt noch eine sportlich und finanziell passende Offensiv-Kraft zu finden, über die Vorstand Christian Hochstätter ja wie berichtet nicht erst seit dem Pokalaus mehr als nur nachdenkt.

Dabei sind die Alternativen rar. Im schleppenden Testspiel gegen Rödinghausen sammelte Maxim Leitsch, ein Innen- und Außenverteidiger mit viel Potenzial, weitere Pluspunkte - und hielt Alexander Merkel durch über 90 Minuten. Der 24-Jährige spielte erst auf dem rechten Flügel und dann als Zehner. Merkel merkte man Trainingsrückstand und fehlende Spielpraxis zwar an, seine Fähigkeiten blitzten aber schon immer wieder mal auf. Möglich, dass er schneller als anfangs erwartet ins A-Team aufrückt.

Autor: Ralf Ritter

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