Jetzt hat der VfL mal wieder einen Amerikaner in seinen Reihen.

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Canouse will sich in Bochum seinen Traum erfüllen

Ulrich Homann
14. Juli 2016, 15:07 Uhr
Foto: firo

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Jetzt hat der VfL mal wieder einen Amerikaner in seinen Reihen.

Nachdem Eric Wynalda unmittelbar nach der WM in den Vereinigten Staaten 1994 zum VfL wechselte, kommt nun ein Defensivakteur an die Castroper Straße. Russell Canouse soll in den nächsten Jahren das VfL-Trikot mit der Nummer 4 tragen und an der Castroper Straße in Sachen Spielpraxis den nächsten Schritt machen. Um ganz sicher zu gehen, sicherte sich Christian Hochstätter auch noch eine Kaufoption.

Der gelernte Sechser schaut mit 21 Jahren schon auf eine bemerkenswerte Vita. Mit 15 Jahren ließ er das Elternhaus und die Freunde hinter sich, wechselte erst zur Fußball-Akademie nach Florida, um nach einem Probetraining in Hoffenheim den Sprung über den großen Teich zu wagen. Canouse: „Das erste halbe Jahr war schon ziemlich hart. Es ist ein fremdes Land, eine fremde Kultur, eine andere Sprache – aber ich habe mich durchgebissen.“

Die Stationen in Hoffenheim hießen U17 unter Bochums jetzigem Talentwerkleiter Jens Rasijewski, sowie U19 und U23, bis ihm der mittlerweile zum Chefcoach beförderte Julian Nagelsmann im März seinen ersten Profi-Einsatz ermöglichte. Canouse: „Ich habe mit ihm gesprochen und wir waren uns beide einig, dass uns die U23 nicht mehr weiterbringt, und dass ich mich ausleihen lassen muss, um auf einem höheren Niveau zu spielen.“

Denn bei allen Erfahrungen, die er im Nachwuchsbereich gesammelt hat, sieht Canouse die Zeit reif, seine Karriere voranzutreiben. „Meine Persönlichkeit ist meine Stärke. Ich bin mit 15 Jahren von zuhause weggegangen, um mir einen Traum zu erfüllen. Diesen Traum will ich nun leben, dranbleiben und weiter Gas geben.“ Dann verrät der 21-Jährige, woher dieses unbedingte Durchsetzungsvermögen kommt: „Meine Familie hat mir diesen unbändigen Willen beigebracht und davon werde ich immer profitieren.“

Gerne hätte er auch seine Zweitsportart Basketball noch weiter vorangetrieben. Doch als sich die Einladungen zu den U14-Länderspielen der USA häuften, ließ sich das nicht mehr koordinieren. Canouse sagt mit einem Schmunzeln: „Mein Basketballtrainer war sauer, weil ich nicht mehr da war. Da habe ich dann aufgehört.“

Am vergangenen Sonntag schaute sich der Defensivmann erstmals in der Bochumer Innenstadt um, nutzte den trainingsfreien Tag, um sich zu orientieren. „Ich hatte nach dem Spaziergang einen positiven Eindruck. Allerdings habe ich am Nachmittag schon wieder flachgelegen, um für die Strapazen im Trainingslager gerüstet zu sein.“ Nach den ersten Trainingseinheiten mit seinem neuen Team ist er felsenfest davon überzeugt: „Bochum wird mich weiterbringen.“

Doch wie schon in Hoffenheim muss er auch beim VfL auf jegliche Familienunterstützung weiter verzichten. „Meine Familie mit meinen beiden Brüdern und meiner Schwester sehe ich normalerweise nur in der Sommer- und Winterpause. Dann bin ich in den Staaten.“ Immerhin fliegt der Vater bei besonderen Spielen mal ein und sah auch die Bundesliga-Premiere gegen Wolfsburg im Trikot der TSG. Schon jetzt freut sich Canouse privat auf das neue Jahr, wenn Freundin Erika ihr Medizinstudium in Pennsylvania abgeschlossen hat.

Der VfL ist ein gutes Sprungbrett für ehemalige Hoffenheimer
Dass Russell Canouse den Sprung in den Profifußball schaffen kann, davon ist nicht nur die Scouting-Abteilung des VfL überzeugt. So verriet ein ehemaliger Jugendcoach der TSG Hoffenheim: „Russell ist immer bereit, die Anregungen des Trainers anzunehmen, ist permanent interessiert, sich weiter zu verbessern. Er ist sehr zweikampfstark und erobert vor der Abwehr viele Bälle. Er ist ein strategischer Arbeiter, der ein Spiel lesen kann.“

Seine größten Stärken sieht er auf der Sechser-Position und verrät: „Das ist meine Lieblingsposition im Spiel, auch wenn ich aushilfsweise schon einmal als Außenverteidiger gespielt habe.“ Und dann gibt er noch etwas über seine Spielphilosophie preis: „Ich bin keiner, der ins Dribbling geht und dann eine Flanke schlägt. Ich bin einfach einer, der solide spielt, seine Position ausfüllt und die Seite zumacht.“

Das will er in Bochum vorantreiben und er ist überzeugt, dass dies funktionieren kann. „Ich brauche mich gar nicht groß umstellen, denn die Spielphilosophie von Hoffenheim ist der der Bochumer ziemlich ähnlich. Ich werde fighten, kämpfen, Gas geben. Was dann kommt, wird sich zeigen.“

Dass Bochum ein gutes Sprungbrett für ehemalige Hoffenheimer ist, zeigte sich zuletzt bei Michael Gregoritsch und Janik Haberer. Caonuse: „Ich habe ihren Weg verfolgt. Beide sind nach Bochum gewechselt und beide haben den Klub als bessere Spieler verlassen. Deshalb musste ich nicht lange überlegen. Es gab nur Vorteile. Das war ein gutes Signal für meine Entscheidung. Denn das Duo hat sich spielerisch und menschlich beim VfL weiterentwickelt.“

Autor: Ulrich Homann

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