Es gab Zeiten, da war Benedikt Höwedes nicht einmal für ein paar Cent zu haben.

Löw über Höwedes

"Er ist da, wenn man ihn braucht"

Daniel Berg
05. Juli 2016, 06:07 Uhr
Foto: firo

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Es gab Zeiten, da war Benedikt Höwedes nicht einmal für ein paar Cent zu haben.

Im Fernsehen war er alle paar Tage zu sehen, wie er bei der Weltmeisterschaft 2014 ein Spiel nach dem anderen bestritt, wie er zum Bestandteil einer Fußballmannschaft wurde, die am Ende sogar den WM-Titel holte. Aber der italienische Hersteller der Paninibilder hatte den Schalker Abwehrmann vor dem Turnier aus seinem Sammelheft genommen. Es gab kein Paninibild von ihm. „Die Italiener haben halt keine Ahnung“, scherzte der Profi damals.

Zwei Jahre sind seitdem vergangen, und wenn man so will, dann schloss sich der Kreis am Samstag für Höwedes. Den ungläubigen Italienern hatte er es nun gezeigt und wirkungsvoll mitgeholfen, sie erstmals bei einem Turnier zu besiegen.

Höwedes hat seine Sache überragend gut gemacht. Er ist ein großartiger Zweikämpfer
Joachim Löw

Spätestens jetzt käme niemand mehr auf die Idee, den Profi des FC Schalke nicht in den Kader der Nationalmannschaft zu wählen. Sein Wert hat sich in den zwei Jahren auf erstaunliche Weise entwickelt. Drei Tage vor dem Halbfinale bei der Europameisterschaft gegen Gastgeber Frankreich am Donnerstag (21 Uhr/ZDF) sagt Bundestrainer Joachim Löw daher über den Verteidiger Höwedes: „Er ist Gold wert.“
Für diese Behauptung lassen sich handfeste Beweise liefern. Gegen die starken italienischen Stürmer leistete sich der 28-Jährige kaum einmal eine Schwäche. Er spielte geradezu höwedesk: auf kunstvolle Weise verlässlich, hoch konzentriert, körperbetont, fehlerlos. Er köpfte, grätschte, lief und rang gegen die Herren Pellè und Éder, dass es eine wahre Freude war.

Zumindest ging es Joachim Löw offenbar so. Er hatte sich die Partie noch einmal in ganzer Länge auf DVD angeschaut und gilt ja eigentlich als ein Mensch der Ästhetik. Er selbst war Stürmer, er hat konstruiert, was andere stets zerstören wollten. Als so jemand hat man vermutlich eher einen zweckmäßigen Zugang zur brachialen Schönheit einer Nummer 4. Aber der Action-Streifen mit Höwedes in einer der Hauptrollen hatte ihm gefallen. „Höwedes hat seine Sache überragend gut gemacht. Er ist ein großartiger Zweikämpfer“, sagt der Bundestrainer nahezu entzückt. Er weiß, was er an Höwedes hat, dem Mann für alle Fälle, der mittlerweile der Mann für (fast) alle Siege ist. 20 Pflichtspiele hat der gebürtige Halterner für die Nationalmannschaft seit seinem Debüt 2011 absolviert, keines wurde verloren, nur zwei Unentschieden stehen in der Bilanz.

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Als Linksverteidiger verpasste er keine Spielminute auf dem Weg zum WM-Triumph von Rio. In den ersten beiden EM-Partien in Frankreich kam er als Rechtsverteidiger zum Einsatz. Nun gegen die Franzosen wird er als Innenverteidiger auflaufen, weil Mats Hummels wegen der zweiten Gelben Karte im Turnierverlauf gesperrt fehlen wird. Ob Deutschland nun auf die Dreierkette oder die Viererkette setzen wird, ist dabei unerheblich. Höwedes ist gefragt, egal, in welchem System gespielt wird.

„Er ist da, wenn man ihn braucht“, sagt Löw über Höwedes, als spräche er über einen guten Freund, „das macht ihn so wertvoll.“ Der offensiven Wucht der Franzosen mit Antoine Griezmann und Olivier Giroud soll sich Höwedes an der Seite von Abwehrchef Jerome Boateng so entgegenwerfen wie den Italienern. „So ein dramatischer Sieg schweißt zusammen, der tut der Seele gut“, sagt Höwedes und hofft auf einen energetischen Schub fürs Halbfinale. Er ist zwischen den Künstlern und Freigeistern einer der verlässlichsten Dienstleister im gesamten Kader und könnte helfen, den Weg zur nächsten Medaille zu bereiten.

Autor: Daniel Berg

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