Roman Neustädter mag sich wundern, wo er da gelandet ist.

Parlaments-Vize

Hooligans haben Ehre Russlands verteidigt

sid
14. Juni 2016, 13:11 Uhr
Foto: dpa

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Roman Neustädter mag sich wundern, wo er da gelandet ist.

Kaum spielt der Bundesligaprofi von Schalke 04 für Russland, hat er schon die Schattenseiten seiner neuen sportlichen Heimat kennengelernt. "Einfach schrecklich" nannte der 28-Jährige die Bilder von den Krawallen russischer Hooligans in Marseille, er fragte sich: "Wir haben natürlich eine Vorbildfunktion, aber wie soll ich für diese Leute noch Vorbild sein? Wir können diese Schläger gar nicht erreichen."

Vor dem zweiten Gruppenspiel der Sbornaja am Mittwoch (15.00 Uhr/ZDF) gegen die Slowakei in Lille fällt nicht nur dem Neu-Russen, dessen Einbürgerung erst kurz vor der EM vom Staatspräsidenten Wladimir Putin höchstpersönlich genehmigt worden war, die Konzentration aufs Sportliche schwer. Die massiven Ausschreitungen rund um das Auftaktspiel gegen England (1:1) und die drohenden Sanktionen durch die Europäische Fußball-Union (UEFA) belasten auch die Spieler.

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"Klar, es ist Europameisterschaft, jeder ist verrückt nach Fußball und die Emotionen kochen hoch. Aber warum schlagen sich die Menschen dafür die Köpfe ein?", fragte sich Neustädter in seinem Internet-Tagebuch für Vice Sports. Einige Teamkollegen machen es sich - zumindest in ihren öffentlichen Kommentaren - leichter. "Wir sind Fußballspieler und hier, um Fußball zu spielen", sagte Verteidiger Rom Schischkin von Lokomotive Moskau im EM-Quartier der Russen in Rueil-Malmaison in der Nähe von Paris: "Darauf müssen wir uns konzentrieren."

Immerhin forderten Nationaltrainer Leonid Sluzki und seine Mannschaft in einer Erklärung auf der Internetseite des russischen Fußballverbandes RFS die Fans eindringlich auf, sich bei den verbleibenden Vorrundenspielen in Lille und am kommenden Montag in Toulouse gegen Wales "korrekt zu benehmen und nicht die Verhaltensregeln in den Stadien und auf öffentlichen Plätzen zu brechen".

Sieg gegen Slowakei könnte fürs Achtelfinale reichen
Aus der Heimat kamen indes von hoher Stelle Verständnis und sogar Unterstützung für die Krawallmacher. "Ich kann nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden. Eher im Gegenteil. Bravo Jungs. Macht weiter so!", twitterte Igor Lebedew, Vize des russischen Parlaments und RFS-Vorstandsmitglied. Die Hooligans hätten "die Ehre ihres Landes verteidigt".

Sportlich ist die Situation für den WM-Gastgeber 2018 nach dem späten Ausgleichstor von Wassilij Beresuzki gegen England dagegen aussichtsreich. Mit einem Sieg gegen den EM-Neuling Slowakei könnte es für Neustädter und Co. schon zum Achtelfinaleinzug reichen. Mindestens Platz drei wäre den Russen dann sicher. "Ein Punkt bedeutet noch nicht sehr viel", mahnte allerdings der Torschütze.

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Schwieriger ist die Lage für die Slowaken. Das Team um Mittelfeldstar Marek Mamsik muss nach dem 1:2 gegen Wales gewinnen, um im Rennen um die K.o.-Runde zu bleiben. Trainer Jan Kozak kündigte an: "Es wird definitiv Veränderungen geben." Ondrej Duda, der gegen Wales als Joker traf, könnte von Beginn an spielen, der genesene Tomas Hubocan den Kölner Dusan Svento aus der Viererkette verdrängen. Letztlich wird aber alles vom Neapel-Star Hamsik abhängen, der beim Auftakt enttäuschte.

Autor: sid

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