Eintracht Frankfurt erlebt kurz vor dem Relegationsspiel gegen den 1. FC Nürnberg ein Drama um seinen Kapitän Marco Russ. Bei dem 30-Jährigen wurde bei einer Dopingprobe ein Tumor entdeckt.

Eintracht Frankfurt

Drama um Marco Russ

dpa
19. Mai 2016, 10:25 Uhr
Foto: firo

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Eintracht Frankfurt erlebt kurz vor dem Relegationsspiel gegen den 1. FC Nürnberg ein Drama um seinen Kapitän Marco Russ. Bei dem 30-Jährigen wurde bei einer Dopingprobe ein Tumor entdeckt.

Trotzdem meldete sich der Abwehrspieler bei Trainer Niko Kovac einsatzfähig für die beiden wichtigen Begegnungen um den Bundesliga-Klassenverbleib. "Trotz der tragischen Diagnose erklärt sich der Spieler spielbereit, was von ärztlicher Seite bestätigt wurde", teilte die Eintracht mit. Das Hinspiel wird am Donnerstag (20.30 Uhr/ARD und Sky) ausgetragen. Das Rückspiel beim Zweitligisten in Nürnberg findet am Montag statt.

Entdeckt wurde der Tumor durch eine Dopingkontrolle. Beim Eintracht-Kapitän sei ein "auffällig erhöhter Wert des Wachstumshormons HCG" fesgestellt worden, schreibt die Eintracht auf ihrer Internetseite. Allerdings sei von den Experten der Anti-Doping-Behörde NADA gleich darauf hingewiesen worden, dass die Werte auch auf eine Krankheit zurückgeführt werden könnten. Zum Schutz des Spielers wurde von der NADA eine klinische Untersuchung empfohlen.

Bei einer Untersuchung des erfahrenen Bundesliga-Spielers durch einen Internisten wurde dann die schwere Tumorerkrankung entdeckt. Dadurch würden sich die erhöhten Werte erklären, teilte die Eintracht mit. "Dieser Befund wurde noch am Abend durch die sofort eingeleitete Blutuntersuchungen von einem biochemischen Institut leider bestätigt", heißt es weiter.

"Es deutet alles darauf hin, dass wir es nicht mit einem Dopingfall zu tun haben, sondern mit einer medizinischen Erklärung", sagte Rainer Koch, der Vize-Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der "Bild"-Zeitung (Donnerstag). Die Zeitung berichtet weiter, dass durch die Frankfurter Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen worden seien. Das Zimmer von Russ im Hotel, in dem die Eintracht-Profis vor dem Relegationsspiel übernachten, sei von der Polizei durchsucht worden. Diese Aktion habe für Empörung bei den Hessen gesorgt.

Eine Sprecherin bestätigte am Donnerstagmorgen einen entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung. Hintergrund seien Ermittlungen wegen des Verstoßes gegen das Anti-Doping-Gesetz gewesen. Dass der Fußball-Profi jedoch an einem schweren Tumor erkrankt und nicht gedopt sei, habe die Staatsanwaltschaft erst am Donnerstagmorgen aus den Medien erfahren. "Ein ärztlicher Befund über die Erkrankung liegt uns noch nicht vor", sagte die Sprecherin Nadja Niesen der Deutschen Presse-Agentur.

Nach Angaben des Frankfurter Vorstandschefs Heribert Bruchhagen habe Russ "sehr gefasst" auf die schwere Tumor-Diagnose reagiert. "Er wirkte sehr gefasst und seine Frau kam auch noch hinzu. Marco hat dem Trainer dann im Laufe des Abends mitgeteilt, dass er sich zum Spiel bereit fühlt", sagte Bruchhagen dem Radiosender FFH.

Ich kann mich nicht in die Gemütslage eines Menschen hineinfühlen, eines jungen Sportlers, wenn er eine so niederschmetternde Diagnose bekommt
Heribert Bruchhagen über Marco Russ

"Ich kann mich nicht in die Gemütslage eines Menschen hineinfühlen, eines jungen Sportlers, wenn er eine so niederschmetternde Diagnose bekommt", erklärte Bruchhagen. "Aber es wird gespielt, es muss gespielt werden." Er sei "kein Tiefenpsychologe, sondern Fußball- Manager", sagte der 67-Jährige. Man könne erwarten, dass das Team "hochkonzentriert in das Spiel geht und möglicherweise auch für Marco Russ spielt." Man könne aber "nicht schildern und ich kann es auch nicht prognostizieren, was das für die Spieler bedeutet."

Autor: dpa

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