MSV-Boss Ingo Wald war völlig fertig.

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Duisburg schwebt nach Derbysieg auf Wolke sieben

Thomas Tartemann, Dirk Retzlaff und Sven Kowalski
01. Mai 2016, 13:49 Uhr
Foto: firo

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MSV-Boss Ingo Wald war völlig fertig.

„Mir fallen keine Steine vom Herzen, sondern die kompletten Alpen“, rang der Präsident nach dem hart umkämpften, aber verdienten 2:1 (0:0)-Sieg über Mitkonkurrent Fortuna Düsseldorf nach Worten. Zum ersten Mal seit über einem halben Jahr hat der MSV Duisburg den letzten Patz in der 2. Fußball-Bundesliga verlassen.

Die Zebras schweben nach dem Derby-Dreier auf Wolke sieben, auch wenn sie immer noch nicht am Ziel aller Träume sind. „Wir genießen das jetzt über das Wochenende. Dann richtet sich der Blick auf das vorletzte Meisterschaftsspiel gegen Sandhausen“, stellte Manager Ivica Grlic fest. Der Duisburger Sportchef stellte dem beherzt fightenden Team ein Klasse-Zeugnis aus: „Die Jungs haben all das bewiesen, was wir von ihnen erwarten. Wenn man dann sieht, wie die Spieler mit unseren Fans gefeiert haben, dann löst das eine Riesenerleichterung aus.“ Einziger Wermutstropfen: Mittelfeldmann Baris Özbek zog sich einen Muskelfaserriss zu.

Nach chancenarmer erster Halbzeit, in der die Duisburger vor 28 500 Zuschauern in der ausverkauften Schauinsland-Reisen-Arena dem Führungstor näher waren und insgesamt mehr investierten, war das 1:0 von Kingsley Onuegbu unmittelbar nach Wiederanpfiff der Dosenöffner. Der King köpfte eine Vorlage des starken Rolf Feltscher, der den Posten von Stammkraft Steffen Bohl (begleitete seine schwangere Frau Chrissie ins Krankenhaus) übernommen hatte, unhaltbar in die Fortuna-Maschen.

Brand unterbrach das Spiel

Teile des Düsseldorfer Anhangs nahmen den Rückstand zum Anlass, um massenhaft Pyrotechnik und Böller zu zünden, woraufhin Schiedsrichter Benjamin Brand die Begegnung für einige Minuten unterbrach. „Ich hatte keine Angst, dass das Spiel abgebrochen wird. Es ging nach ein paar Minuten weiter“, meinte Rolf Feltscher. Und die Unterbrechung war für die Landeshauptstädter eher ein Nachteil. Duisburg erhöhte nach einem Angriff über Tim Albutat, Dan-Patrick Poggenberg und Giorgi Chanturia, dessen Versuch zunächst geblockt wurde, auf 2:0 (58.). Der fleißige Victor Obinna traf den abprallenden Ball zwar nicht richtig, aber es reichte, um die Kugel über die Linie zu befördern.

Obinna feierte seinen Erfolg mit einer knackigen Flickflack-Einlage. Die Gäste meldeten sich durch Joel Pohjanpalo, der MSV-Verteidiger Thomas Meißner düpierte und ins rechte Eck traf, zurück (68.). „Die Mannschaft hat Charakter, Willen und Leidenschaft gezeigt“, analysierte Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel, „wir haben in der Endphase Druck gemacht, ohne allerdings zu klaren Chancen zu kommen.“ Der erfahrene Fußballlehrer zeigte sich nach der Pleite keineswegs niedergeschlagen: „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir den Abstieg verhindern.“

Rückenwind für den Endspurt

Diese Überzeugung lebt Ilia Gruev, Coach der Zebras, seit Monaten vor. Lange fehlten die Argumente in Form von Ergebnissen. Jetzt sind sie da. Gruev genoss nicht nur den wichtigen Heimdreier, sondern auch das Drumherum. „Es ist geil, hier in Duisburg Trainer zu sein. Ich weiß, welche Bedeutung dieses Derby für uns als Verein, für die ganze Stadt und vor allem für unsere Fans hat.“ Manager Ivica Grlic geht fest davon aus, „dass wir uns mit diesem Sieg gegen Fortuna Rückenwind für den Endspurt holen.“

Mit zwei Siegen beim SV Sandhausen und am letzten Spieltag zuhause gegen RB Leipzig winkt dem MSV Duisburg das, was selbst Super-Optimisten nicht mehr für möglich gehalten hatten: Der direkte Klassenerhalt. Grlic: „Wir denken weiterhin in kleinen Schritten. Um beim Marathon-Vergleich zu bleiben: Wir sind jetzt bei Kilometer 40,5.“ Fortuna Düsseldorf ist einen Tick weiter, aber auch noch nicht am Ziel. Friedhelm Funkel sprach aus Duisburger und Düsseldorfer Sicht das aus, was gestern viele dachten: „Das Beste ist, wenn wir beide unsere nächsten Spiele gewinnen.“ MSV-Aufsichtsratsboss Jürgen Marbach: „Ich hoffe, wir haben das Derby gegen Fortuna auch nächste Saison.“ In der 2. Liga wohlgemerkt.

Autor: Thomas Tartemann, Dirk Retzlaff und Sven Kowalski

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