Ein Montagabendspiel mit dem VfB Stuttgart in Bremen. Für Robin Dutt ist diese Ansetzung am 2.?Mai um 20.15 Uhr an der Weser ein triftiger Grund, den Groll reisefreudiger Fans öffentlich zu machen.

Anstoßzeiten

Das Ausland stößt flexibel an

Michael Ryberg
08. April 2016, 09:07 Uhr
Foto: firo

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Ein Montagabendspiel mit dem VfB Stuttgart in Bremen. Für Robin Dutt ist diese Ansetzung am 2.?Mai um 20.15 Uhr an der Weser ein triftiger Grund, den Groll reisefreudiger Fans öffentlich zu machen.

Die Spielverlegung wegen größerer Polizeieinsätze bei den 1.-Mai-Demonstrationen am Sonntag zuvor wäre kein Aufreger, würde es sich nicht ausgerechnet um einen Montagabend handeln. Der ist in der 53-jährigen Bundesliga-Historie als Spieltermin so abwegig wie Schnee im Hochsommer. Bundesliga-Fußball am Montag könnte allerdings zur Dauer-Institution werden. Allen Institutionen wie der Fan-Organisation „Pro 15:30“, die seit 2001 unter anderem um mehr Samstagsspiele kämpft, zum Trotze. Ein noch höheres TV-Geld für Bundesliga und Unterhaus erfordert mehr Anbieter neben Sky. Und variablere Anstoßzeiten. International allein wegen der verschiedenen Zeitzonen. Frühe Spiele am Samstag und Sonntag erfreuen die Asiaten, die dann zu ihrer abendlichen Prime Time zusehen können. Späte Anstoßzeiten in den Ligen Europas wiederum sind in Nord-, Mittel- und Südamerika beliebt.[infobox-right]Hinter Europas Top 5 operieren die Niederlande und Portugal mit sieben Anstoßzeiten für neun Partien. Die Ehrendivision mit Rechteinhaber Fox Sports splittet allein am Samstagabend in drei Spielzeiten auf. Portugal streckt für Sport1 TV die Liga Nos von Freitagabend bis Montagabend, streut Partien um 21.30 Uhr ein. Beide Ligen sind mit Spitzenspielen auch weltweit zu sehen.[/infobox]
England: Die Premier League hat den Vorteil, mit Sky und British Telekom starke Pay-TV-Anbieter neben der BBC im Übertragungsboot zu wissen. Für 9,5 Milliarden Euro in den kommenden drei Jahren bietet die vermeintlich beste Liga der Welt sechs verschiedene Anstoßzeiten an. Darunter samstags um 12.45 Uhr (Ortszeit), sonntags um 13.30 Uhr und montags um 20 Uhr. Vorteil für Stadiongänger: Auf der Britischen Insel gibt es keine Live-Übertragungen für 15-Uhr-Spiele am Samstag, dem Äquivalent zur traditionellen Bundesliga-Zeit um 15.30 Uhr. Englische Fans regen sich eher über haarsträubend hohe Eintrittspreise auf, die durchschnittlich bei 69 Euro pro Ticket liegen. Zum Vergleich: In der Bundesliga sind es nur rund 30 Euro. Abendspiele unter der Woche bei weit entfernten Konkurrenten gelten für britische Reisefans eher als sportliche Herausforderung denn als Übel.
Spanien: Primera und Segunda Division kassieren von der Telefonica-Gesellschaft (im TV: Canal+) derzeit rund 600 Millionen Euro pro Saison. Plus die gleiche Summe aus der Auslandsvermarktung – vor allem via „be in Sports“ aus Katar. Zum Vergleich: Bundesliga und Zweite Liga spielen aktuell insgesamt gut 800 Millionen Euro ein. Spaniens höchste Spielklasse weist am Wochenende zehn verschiedene Anstoßzeiten aus. Freitagabend und Montagabend inklusive. Besonderheit: Sonntag ist stets ein Spiel um 12 Uhr angesetzt, am Samstagabend geht es regelmäßig, meist im warmen Südspanien, erst um 22.05 Uhr los. Die Fans kratzt das wenig, weil es kaum Reisekultur zu Auswärtsspielen gibt. Ein Erstliga-Spiel pro Runde ist im Fernsehen frei empfangbar – in der Regel ohne die Spitzenklubs.

Ligue 1 in Afrika beliebt

Italien: 960 Millionen Euro gehen vor allem über Pay-TV-Anbieter Sky Italia an die Serie A und Serie B. Dafür müssen die Fans Samstag, Sonntag und Montag jeweils ein 20.45-Uhr-Spiel in Kauf nehmen. Vier weitere Anstoßzeiten dampfen den traditionellen 15-Uhr-Sonntag auf vier (von zehn) Partien zusammen – oft ohne die Topteams. Wie in Deutschland wird auch die italienische zweite Liga komplett live übertragen.
Frankreich: Bei sechs Anstoßzeiten liegt der Fokus der Ligue 1 traditionell auf dem Samstagabend um 20 Uhr. Canal+ und „be in Sports“ legen für alle Spiele, auch der zweiten Liga, pro Saison 748,5 Millionen Euro hin. Die Abendspiele am Freitag, Samstag und Sonntag (jeweils erst ab 21 Uhr!) sind vor allem auf dem französischsprachigen Markt in Afrika und in der Karibik beliebt.

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Autor: Michael Ryberg

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