Es war keine Euphorie, die da am Wochenende rund um den FC Schalke 04 herrschte, sondern mehr eine Mischung aus Erleichterung und mittlerer Zuversicht.

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Breitenreiter soll offensive Mentalität übertragen

15. Juni 2015, 08:37 Uhr
Foto: FIRO

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Es war keine Euphorie, die da am Wochenende rund um den FC Schalke 04 herrschte, sondern mehr eine Mischung aus Erleichterung und mittlerer Zuversicht.

„Okay, dann lasst den mal machen“, könnte vielleicht das Motto lauten, mit dem die Fans des FC Schalke die am Freitagabend verkündete Entscheidung aufgenommen hatten. André Breitenreiter, dem extreme Optimisten gar zutrauen, dass er eine königsblaue Gallionsfigur werden kann, hat als neuer Schalke-Trainer mehr zu gewinnen als zu verlieren.
Das Herz, zumindest aber das Vertrauen von Manager Horst Heldt hat er offenbar im Sturm erobert. „Alle aus dem Vorstand hatten ein sehr gutes Gefühl. André hat sich so präsentiert, wie man sich das vorstellt: Er war sofort Feuer und Flamme für die Aufgabe, er hatte sofort ein Glänzen in den Augen, hat sich gut präsentiert und hatte sofort eine sportliche Idee“, verriet der Sportvorstand am Samstag in einem Interview mit Schalke-TV.

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Die „sportliche Idee“ ist schnell klar umrissen. Heldt: „Wir wollen attraktiven offensiven Fußball spielen. Wir wollen agieren und nicht reagieren. Wir haben ja nach der abgelaufenen Saison gesagt, dass uns die Art und Weise überhaupt nicht gefallen hat und dass das eigentlich unser einziges Ziel in der neuen Saison ist. André Breitenreiter hat durch verschiedene Beispiele aufgezeigt, dass er dazu in der Lage ist.“

Das sei nicht nur sein bloßer Eindruck, sondern lasse sich mit Fakten untermauern, bekräftigte Heldt – und das stimmt tasächlich. So sei der am Ende unglückliche Underdog aus Paderborn in Sachen Laufintensität immerhin die sechstbeste Mannschaft gewesen. „Von der Anzahl der Sprints sind sie auch vorne mit dabei“, ergänzte Heldt. Breitenreiter als Newcomer, der Schalke endlich Beine macht.

Verpasster Klassenerhalt ist kein Makel

Dass der 41-Jährige am Ende mit den Ostwestfalen den Klassenerhalt nicht erreichte, wird nicht als Makel aufgefasst, selbstredend auch nicht von Heldt, der logischerweise die Werbetrommel rührt – sich nach der Absage von bzw. an Markus Weinzierl und Marc Wilmots aber die „Wunschtrainer“-Vokabel verkneift. Auch so strotzen seine Äußerungen vor Wertschätzung: „Er hat einfach viele gute Spiele abgeliefert, war immer Herr der Lage und hat auch in einer schwierigen Phase die Ruhe behalten und es geschafft, den Turn-around hinzubekommen.“

Mutig bleibt die Entscheidung für den Niedersachsen trotzdem – aber gerade das macht wohl auch den Reiz aus. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, besagt ein geflügeltes Wort, dass die Stimmung auf Schalke dieses Mal sogar ganz gut trifft.

„Einer, der etwas vorlebt, was unsere Spieler sicherlich auch gut gebrauchen können
Horst Heldt über André Breitenreiter

Das liegt daran, dass der angestrebte Neuanfang in Breitenreiter ein Gesicht bekommt, das ebenfalls unverbraucht ist. „Das ist das Profil, das wir brauchen“, hat Heldt festgehalten und den Ex-Profi als „mutigen Trainer“ charakterisiert, der auch keine Angst habe, auch mal schwierige Entscheidungen zu treffen. Breitenreiter sei vielmehr einer, der „seinen Weg gehen will, der gierig ist, der etwas erreichen will. Einer, der am Anfang ist, der nicht gesättigt ist, sondern etwas vorlebt, was unsere Spieler sicherlich auch gut gebrauchen können.“
Wohl wahr. Leistungsbereitschaft und Ehrgeiz sind die Stichworte, die in der abgelaufenen Spielzeit fast ein Fremdwort waren, die der neue Trainer aber verkörpern soll, ja muss. Ein anderes ist Authentizität. Vorgänger Roberto Di Matteo wurde am Schluss nur noch als „Missverständnis“ bezeichnet, er war schlichtweg „kein bisschen Schalke“.

Das fühlt sich bei Breitenreiter von Anfang an besser an – auch für Heldt: „Er ist ein sehr bodenständiger Typ, der ganz genau weiß, wo er herkommt. Er musste sich viel erarbeiten. Nicht nur als Fußballer, sondern auch als Cheftrainer. Er hat klein angefangen, hat sich immer hochgearbeitet.“ Das zeige einfach, dass er „enorm ehrgeizig“ sei, dass der Fußballlehrer „einer Mannschaft aber auch einen Stempel aufdrücken“ wolle.

Sofern sie ihn lassen. Zwei Jahre lang Zeit, das zu schaffen, hat Breitenreiter laut Vertrag erstmal. Es darf gerne schneller gehen. Irgendwann muss der Neue nicht nur Sympathien, sondern auch Spiele gewinnen. Auf Schalke, wo die Herzen im furchtbaren Frühjahr sogar „offiziell“ verloren gingen, ist es aber keine schlechte Idee, erstmal mit dem Gefühl und der Seele anzufangen. Dann kann‘s auch wieder mit dem Fußball klappen...

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