Das spielfreie Wochenende gibt Anlass, nach zwölf Spieltagen die erste Bilanz zu ziehen. Wer hat überrascht? Wo liegen die Stärken und Schwächen? Sind die gesteckten Erwartungen erfüllt worden?

VL NIEDERRHEIN - Die Lage der Liga

tr/cb
24. November 2003, 09:05 Uhr

Das spielfreie Wochenende gibt Anlass, nach zwölf Spieltagen die erste Bilanz zu ziehen. Wer hat überrascht? Wo liegen die Stärken und Schwächen? Sind die gesteckten Erwartungen erfüllt worden?

Das spielfreie Wochenende gibt Anlass, nach zwölf Spieltagen die erste Bilanz zu ziehen. Wer hat überrascht? Wo liegen die Stärken und Schwächen? Sind die gesteckten Erwartungen erfüllt worden?

TuRu D'dorf: "Show-Down"
Der Aufsteiger gehört zu den positiven Überraschungen der Klasse. Dass die Mannschaft von Trainer Demir Hotic oben mitspielt, hat fast jeder erwartet. Aber dass die Oberbilker die Liga nach belieben beherrschen, ist außergewöhnlich. Am kommenden Sonntag kommt es zum großen "Show-Down". Dann können die Landes-Hauptstädter ihren Vorsprung gegen Duisburgs Amateure weiter ausbauen. Hotic ist trotz der Euphorie-Welle etwas aufgefallen: "Bei einigen Leute hat sich ein bisschen Überheblichkeit eingeschlichen", säuert der Ex-Profi. "Ich habe auf die Bremse getreten. Ob die Jungs es verstanden haben, zeigt sich gegen den MSV." Dennoch würde jetzt nur noch der Nicht-Aufstieg verwundern.

RWO A.: Überragend
Zwei Aufsteiger an der Ligaspitze. Die Oberhausener Amateure konnten die Erwartungen rund um die Landwehr erfüllen. Nach dem letzten Sieg über die Zweitvertretung des MSV sprach RWO-Coach Werner Wildhagen von einer "senstionellen Hinrunde". Der Stamm wird von den Landesliga-Aufsteigern gebildet. Wichtige Unterstützung kommt aus dem Profi-Kader, besonders das Trio Moustapha Salifou, Abdou Nassirou Ouro-Akpo und Andre Izepon Astorga gibt der Elf wichtige Impulse. Sollte das Zusammenspiel zwischen den Profis und dem Wildhagen-Team weiterhin so fruchtbar sein, ist der erneute Liga-Sprung nicht auszuschließen.

Duisburg A.: Konstanz
Die "Zebra-Bubis" haben sich mit dem dritten Platz eine gute Ausgangs-Position für den direkten Wiederaufstieg erarbeitet. Dennoch sind die Erwartungen nicht erfüllt worden. Coach Bernard Dietz: "Uns fehlt die Konstanz", grantelt der Europameister von 1980. "Wir wollen hoch, weil wir der Nachwuchs eines Bundesligisten sind. Meine Jungs haben die Hoffnung, auch mal im Profi-Fußball aufzulaufen. Dafür müssen sie mehr tun." Um die Lage zu verbessern, kann für den MSV gegen TuRu nur ein Dreier zählen.

Cronenberg: Disziplin
Die Wuppertaler sind der frechste Neuling. Ohne Hemmungen haben sie sich im oberen Tabellendrittel festgebissen. SC-Coach Bernd Bever: "Wir liegen voll im Soll." Das Saisonziel bleibt aber weiterhin der Klassenerhalt, schließlich erwartet der Trainer eine schwere Rückrunde. "Jetzt kennen uns alle. Das macht die Sache nicht einfacher." Die defensiven Probleme wurden durch taktische Umstellungen behoben, die letzten Spiele gingen "zu Null" aus. Was Bever besonders stolz macht: "Wir haben zwar zwei Gelb-Rote Karten gesehen, aber noch keinen direkten Platzverweis. Das zeigt, dass wir sehr diszipliniert spielen." Eine Bereicherung.

Speldorf: Verkorkst
Der Absturz des Titel-Aspiranten sorgt für Aufregung. Das erklärte Ziel Oberliga ist über die direkte Qualifikation, sprich Meisterschaft, kaum noch zu erreichen. Elf Zähler liegen die Kicker von Trainer Frank Kurth hinter dem Spitzenreiter. Grund: Das Team hat sich trotz punktueller Verstärkungen nicht gefunden. "Den ersten Platz haben wir verkorkst", redet der Ex-Essener nicht um den heißen Brei herum. "Aber die Saison ist wie ein Autorennen. Erst wenn die schwarz-weiße Fahne erscheint, ist es vorbei. Wir sind eine Ausfahrt zu früh abgebogen, wollen aber noch aufholen." Die Hoffnungen ruhen auf dem "Vize"-Titel, der möglicherweise auch noch zur Fahrschein-Lösung berechtigt. Doch dafür muss ein leistungsstarker Turbo gezündet werden. Ansonsten bleibt festzuhalten: Ausgeschieden.

Homberg: Ansprüche
Die selbstgesteckten Ziele waren wohl doch etwas zu hoch. Die Ernüchterung ist bei allen Beteiligten eingekehrt. Anstatt die Liga oben mitzugestalten, dümpeln die Homberger im Mittelfeld herum. Die ewigen Punkte-Teilungen (sechs Remis) helfen nicht weiter, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden.

F. D'dorf II: Schreck
Vom Favoriten-Schreck der vergangenen Spielzeit ist nicht mehr viel übrig geblieben. Die Reserve der Fortuna stellt sich oft selbst ein Bein. Das Potenzial ist vorhanden, doch "die Einstellung stimmt manchmal nicht", grummelt Trainer Uwe Weidemann. "Ich bin enttäuscht über die Zähler-Ausbeute, weil wir etliche Partien kurz vor Schluss aus der Hand gegeben haben." Dennoch steht für die Jungfüchse eine ausgeglichene Bilanz zu Buche. Für eine Zweitvertretung ordentlich.

Hamborn: Gefährdet
Hamborn hinkt nach den ersten zwölf Partien den Erwartungen weit hinterher. Der Abgang von Trainer Detlef Bertram spricht Bände. "Löwen-Boss" Hans Herr setzt deshalb große Hoffnungen in seinen Rekonvaleszenten: "In der Rückrunde können wir hoffentlich mit unserem Stürmer René Albrecht rechnen." Albrecht erhält dann eventuell Unterstützung von Christian Kinowski. Der Angreifer hat nach seiner langen Verletzung zur Zeit keinen Verein. Spekulationen: Sollte er sich noch einmal die Schuhe schnüren, dann für 07. Versetzung stark gefährdet.

U. Mülheim: Integration
Der Umbruch gestaltet sich schwieriger als angenommen. Die Union steckt tief im Abstiegs-Strudel und droht zu versinken. "Es ist schlecht gelaufen, Damit war nicht zu rechnen", verschließt auch Coach Ernst Bachmann nicht die Augen. Vor allem die wacklige Abwehr ist für die Talfahrt verantwortlich. Gelingt endlich die Integration der neuen Spieler, können die Mülheimer das Ruder noch herumreißen.

Bottrop: Querelen
Das war ja klar, denken viele "Experten". Nach dem Hickhack in der Sommerpause, den Wechselspielchen und dem Finanz-Chaos wurde den "Elfern" nicht viel zugetraut. Wie sich zeigt - zu Recht. Ständige Disziplinlosigkeiten in Form von Platzverweisen haben Trainer Jürgen Klatt an den Rand der Verzweiflung getrieben. "So etwas habe ich noch nie erlebt." Konsequenz: Personeller Aderlass. Aber die Bottroper kennen die Situation noch aus der vergangenen Spielzeit. Damals warfen sie auch erst in der Rückrunde den Rettungsanker. Sollten die ständigen Querelen dennoch anhalten, werden die Kicker von den "Weywiesen" in der kommenden Saison wieder in der Landesliga "treten" können.

Autor: tr/cb

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