Vor zehn Jahren stemmte Uwe Krupp als erster 
Deutscher den Stanley Cup in die Höhe, jetzt traut der 
Eishockey-Bundestrainer seinen Nachfolgern in der NHL ebenfalls den 
großen Coup zu.

NHL- Ehrhoff und Goc mit Pott-Chancen

03. Oktober 2006, 12:01 Uhr

Vor zehn Jahren stemmte Uwe Krupp als erster
Deutscher den Stanley Cup in die Höhe, jetzt traut der
Eishockey-Bundestrainer seinen Nachfolgern in der NHL ebenfalls den
großen Coup zu.

`Die besten Chancen haben Christian Ehrhoff und
Marcel Goc mit den San Jose Sharks´, sagt der einstige
Weltklasseverteidiger, der 1996 Colorado Avalanche mit seinem
entscheidenden Tor in der dritten Verlängerung zum Titel schoss,
vor dem Saisonstart der nordamerikanischen Profiliga am Mittwoch.
`San Jose hatte schon in der vergangenen Saison einen guten
Lauf´, meint Krupp: `Das ist eine gute Truppe, die mit Joe Thornton
im Sturm den vielleicht besten Spieler der Liga hat.´ Vor allem dem
ehemaligen Krefelder Ehrhoff traut der Bundestrainer, bislang
einziger deutscher Stanley-Cup-Sieger, im dritten NHL-Jahr viel zu:
`Er ist der offensivstärkste Verteidiger im Team, er spielt schon
eine wirklich wichtige Rolle.´
Insgesamt sieben deutsche Legionäre machen Jagd auf die
berühmteste Eishockey-Trophäe der Welt. Neben Ehrhoff und
Mittelstürmer Goc, die mit den `Haien´ in der Vorsaison im
Viertelfinale am späteren Vizemeister Edmonton Oilers scheiterten,
sieht Krupp vor allem Jochen Hecht mit guten Titelchancen. Der
Ex-Mannheimer schied mit den Buffalo Sabres erst im Halbfinale
denkbar knapp gegen den späteren Champion Carolina Hurricanes aus.
`Jochen spielt in einer rundherum guten, grundsoliden
Mannschaft ohne viele Schwachstellen. Wenn er gesund bleibt, sieht
es gut aus´, meint Krupp, der selbst zu Beginn seiner NHL-Karriere
von 1986 bis 1992 für die Sabres auf dem Eis stand.
Zu ernsthaften Titelaspiranten zählt der Bundestrainer auch
Christoph Schubert und die Ottawa Senators, die von den Buchmachern
gar als Topfavorit angesehen werden. `Eine starke Mannschaft, der
am Ende der Saison aber immer irgendetwas fehlt´, sagt Krupp:
`Irgendwann holen sie sicher den Titel, vielleicht in diesem Jahr.´
Ins Titelrennen nicht eingreifen werden die anderen Deutschen:
Angreifer Marco Sturm steckt mit den traditionsreichen Boston
Bruins, so glaubt der Bundestrainer, ebenso in einer Phase des
Wiederaufbaus wie Torhüter Olaf Kölzig mit den Washington Capitals
und Verteidiger Dennis Seidenberg unter Trainer Wayne Gretzky mit
den Phoenix Coyotes. Erst im Farmteam beweisen muss sich Goalie
Thomas Greiss, der von den Kölner Haien nach San Jose wechselte,
aber vorerst zu den Worcester Sharks in die AHL geschickt wurde.
Krupp, der in der vergangenen Saison in seiner Wahlheimat
Atlanta 15 bis 20 NHL-Spiele live gesehen hat, tippt auf die
Nashville Predators als Stanley-Cup-Sieger 2007. `Die Unterschiede
zwischen den Spitzenteams sind sehr gering. Aber Nashvilles Team
sieht für mich gut aus´, meint der Bundestrainer: `Titelverteidiger
Carolina hat dagegen den ein oder anderen guten Spieler verloren.´
Mit einer Quote von 10:1 ist das Team aus `Music City´ vor
seiner siebten NHL-Saison bei den Buchmachern hinter Ottawa (7:1)
zusammen mit Carolina, dem zehnmaligen Meister Detroit Red Wings
und den Anaheim Mighty Ducks einer der Topfavoriten.
Skeptisch ist Krupp, ob sich der Zuschauerboom in der NHL in
Jahr zwei nach dem Arbeitskampf fortsetzt. In der vergangenen
Saison waren die Arenen nach der einjährigen Zwangspause zu 90
Prozent ausgelastet. `Die eingefleischten Eishockey-Fans sind
zurückgekommen, aber die breite Basis fehlt´, sagt Krupp: `Weil die
Preise so hoch sind, gehen nicht viele Familien zum Eishockey. Aber
gerade die Kinder sind die Zukunft.´
Auch im Fernsehen spielt die NHL weiter nur eine Nebenrolle.
In den USA überträgt nach wie vor nur der kleine Kabelsender OLN,
NBC beschränkt sich auf wenige Wochenendspiele und die Playoffs.
Selbst Pokern hat mittlerweile bessere Einschaltquoten als
Eishockey.

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