Der WM-Rausch ist dem tristen Fußball-Alltag
gewichen, und Italiens Trainer Roberto Donadoni tritt dem
wachsenden Druck der Fans und Medien dünnhäutig entgegen:

Italien: Druck auf Weltmeister wächst

05. Oktober 2006, 11:28 Uhr

Der WM-Rausch ist dem tristen Fußball-Alltag
gewichen, und Italiens Trainer Roberto Donadoni tritt dem
wachsenden Druck der Fans und Medien dünnhäutig entgegen:

`Ich bin auch bereit, mein Amt sofort niederzulegen´, erklärt der 43 Jahre
alte Coach des Weltmeisters vor den richtungsweisenden Spielen in
der EM-Qualifikation am Samstag gegen die Ukraine in Rom und vier
Tage später in Tiflis gegen Gastgeber Georgien.
Trotz des Fehlstarts in die Ausscheidung zur EM-Endrunde 2008
in der Schweiz und Österreich mit nur einem Punkt aus zwei Spielen
ist ein Rücktritt des Nachfolgers des WM-Helden Marcello Lippi bei
der Squadra Azzurra aber derzeit noch kein Thema. `Donadoni hat
unsere Unterstützung. Aber natürlich müssen jetzt auch wieder die
Ergebnisse stimmen´, sagt Italiens kommissarischer
Verbandspräsident Luca Pancalli.
Bislang jedenfalls stimmten die Resultate beim viermaligen
Weltmeister seit dem Triumph von Berlin am 9. Juli allerdings
nicht. Dem 0:2 im Länderspiel Mitte August gegen Kroatien folgten
in der EM-Qualifikation ein mageres 1:1 gegen Litauen und eine
ernüchternde 1:3-Niederlage bei der Neuauflage des WM-Finals in
Frankreich. `In diesen Spielen waren wir noch nicht soweit. Die
Spieler waren noch nicht fit, da wir durch den Manipulationsskandal
erst verspätet in die Meisterschaft gestartet sind´, erklärt
Ex-Nationalspieler Donadoni, dessen Team in der Gruppe B bereits
fünf Zähler hinter Spitzenreiter Schottland und den Franzosen liegt.
Die Wende soll nun in einer Neuauflage des WM-Viertelfinals
von Hamburg gegen die Ukraine (3:0) eingeleitet werden. `Die
Niederlage zuletzt gegen Frankreich war eine Demütigung. Wir sind
jetzt wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen und müssen
unser wahres Gesicht zeigen. Wir wollen schließlich zur EM´, meint
Kapitän Fabio Cannavaro, während Donadoni ergänzt: `Die Ukraine ist
eine offensive Mannschaft. Wir werden sie mit drei Spitzen unter
Druck setzen. Es zählen nur drei Punkte.´
Dabei setzt der Coach auch wieder auf das WM-Quartett Luca
Toni (AC Florenz), Marco Materazzi (Inter Mailand), Alessandro Del
Piero (Juventus Turin) und Vincenzo Iaquinta (Udinese Calcio), auf
die Donadoni in den ersten beiden Begegnungen mit Ausnahme des
gesperrt gewesensen Materazzi noch verzichtet hatte. Die Hoffnungen
ruhen besonders auf Torjäger Toni, der die Ukraine im
WM-Viertelfinale mit zwei Treffern fast im Alleingang besiegt
hatte. `Es ist für mich unvorstellbar, als Weltmeister nicht an
einer EM teilzunehmen. Also müssen wir die beiden nächsten Spiele
gewinnen´, fordert der 29-Jährige.
Verzichten muss Donadoni gegen die Ukraine und gegen die von
Klaus Toppmöller trainierten Georgier, die sich am Samstag in
Rostock gegen Deutschland auf ihr `Spiel des Jahres´ vorbereiten,
auf Fabio Grosso. Der Linksverteidiger von Inter Mailand, der im
WM-Endspiel im Elfmeterschießen den entscheidenden Strafstoß
verwandelt und im Halbfinale gegen Deutschland (2:0 n.V.) die
Führung erzielt hatte, laboriert an einer Oberschenkelzerrung.
Daher stehen nur 18 statt der 19 nominierten Weltmeister in
Donadonis Kader.

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