30 Tore in eineinhalb Jahren - diese markante Marke lässt sich nicht wegdiskutieren. Kein Wunder, dass Wattenscheids Goalgetter Alexander Löbe heiß bewgehrt ist.

WAT: Auch Ausland für Löbe ein Thema

tt
14. Februar 2004, 12:54 Uhr

30 Tore in eineinhalb Jahren - diese markante Marke lässt sich nicht wegdiskutieren. Kein Wunder, dass Wattenscheids Goalgetter Alexander Löbe heiß bewgehrt ist.

30 Tore in eineinhalb Jahren - diese markante Marke lässt sich nicht wegdiskutieren. Alexander Löbe kämpfte in der letzten Saison mit der SG Wattenscheid vergeblich um den Zweitliga-Aufstieg, jetzt gilt er als das Faustpfand im Kampf um den Klassenerhalt.

"Nicht abzusteigen, ist natürlich immer ein Ziel, aber das bedeutet nicht mehr die große Perspektive, mit der wir im letzten Sommer hier angetreten sind", stellt der frühere Duisburger gewohnt sachlich fest, "aufsteigen können wir nicht mehr, die Kooperation mit dem FC Schalke 04 gibt es ebenfalls nicht."

Gerade dieser Aspekt hätte den von vielen Vereinen umschwärmten Löbe über mehrere Jahre als Korsettstange binden können. Zwar führte der Blondschopf vor der Abflug ins portugiesische Trainingslager das angekündigte Gespräch mit Schalke-Manager Rudi Assauer, aber letztlich konnte er für die ausgetauschten Worte nichts kaufen. "Am Morgen, an dem die Meldung der gescheiterten Kooperation heraus kam, wurde ein Vertragsentwurf zum FC Schalke geschickt. Ich sollte ein längerfristiges Angebot bekommen, aber dann wurde alles hinfällig." Löbes erste Reaktion: "Für mich hat sich alles geändert, ich muss hier weg." Da sich allerdings die Perspektive Schalke immer mehr konkretisiert hatte, sagte der frühere Malatyaspor-Stürmer anderen interessierten Clubs ab.

Nach der Schalke-Hiobsbotschaft liefen die Drähte wieder heiß, allerdings kam dann das Wechsel-Veto aus der Wattenscheider Chef-Etage: "Am Abend vor dem Abflug ins Trainingslager hat mir Herr Knaup gesagt, dass er mich nicht gehen lässt. Kurz zuvor hatte es noch die Zustimmung gegeben, Gespräche mit anderen Vereinen zu führen." Dafür wurde Löbe sogar vom Training frei gestellt. Die Wechselfrist verstrich, der SG-Hoffnungsträger ist somit bis zum 30. Juni an die Schwarz-Weißen gebunden. "Vertraglich", sagt Alex Löbe, "bin ich der Loser. Für die Zukunft benötige ich einfach Planungssicherheit." Verständlich: Löbe ist vierfacher Familienvater, muss buchstäblich über den Tellerrand schauen und weiß: "Bei mir kommt es jetzt auf die Kombination aus sportlicher Perspektive, persönlichen und familiären Bedingungen an. Ich möchte mich an einen Verein binden, bei dem man langfristig planen kann und wo man sich auf die Aufgabe richtig freut."

Dass der Goalgetter nicht an der Lohrheide bleibt, versteht sich angesichts des noch straffer geschnallten Finanzgürtels von selbst. Löbe verzichtete schon zu Beginn dieser Saison auf die Hälfte seines Gehalts, trotzdem stimmte die Leistung immer. Qualitäten für ein Profi-Comeback sind zweifellos vorhanden, wie unter anderem Ahlens Interesse belegt: "Ich verspüre durchaus Kribbeln, noch Mal höherklassig zu spielen. Auch das Ausland ist für mich ein Thema."

Dass der Uefa Cup-erfahrene Angreifer jetzt den Kopf in den Sand steckt und sich in den Schmollwinkel zurück zieht, davon ist nicht auszugehen. "Das wäre unklug", sagt Löbe, "mein Vertrag läuft im Sommer aus, ich möchte mich weiter präsentieren und hier einen vernünftigen Eindruck hinterlassen. Wenn ich mich hängen lasse, wäre genau das Gegenteil der Fall."

Was Alexander Löbe, der mit den 09ern am Samstag gegen Meinerzhagen in der Lohrheide zum Pokal-Pflichtsspiel antritt, auf keinen Fall erneut machen wird: "Ich werde nicht mehr mit einer Verletzung auflaufen. Teilweise habe ich einen Haufen Tabletten geschluckt, die Ärzte haben die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen. Ich werde kein Risiko eingehen und muss an meine Gesundheit denken." Zu seiner aktiven Zeit beschrieb BVB-Trainer Matthias Sammer diese Vorgehensweise als "Raubbau am Körper". Löbe: "Das kann man so umschreiben. Wenn ich hundertprozentig fit bin, werde ich Vollgas geben." Und damit zum Wattenscheider Klassenerhalt beitragen.

Allerdings warnt der Angreifer davor, die Situation auf die leichte Schulter zu nehmen. "Wir sind das einzige Team, das sich zur Winterpause nicht verstärkt hat, wenn man von der Torwart-Position ein Mal absieht. Alle anderen Mannschaften haben etwas getan. Wir müssen aus dem bisher vorhandenen Potenzial mehr herausholen, als das in den vergangenen 19 Spielen der Fall war. Allerdings ist schon über die Hälfte der Saison absolviert, für uns wird es auf der Zielgeraden auf keinen Fall leichter."

Dass die SG Wattenscheid aufgrund des großen Finanz-Fragezeichens völlig eingeht, damit rechnet der Leistungsträger nicht. "Ich denke nicht, dass sich die Spieler extrem beeinflussen lassen. Jeder muss doch Gas geben, um eine Basis für seine eigene Zukunft zu schaffen."

Autor: tt

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