Die Zeit der Ausreden und der lediglich verbalen Künstler muss in Oberhausen vorbei sein.

RWO-Präsident Hermann Schulz redet Klartext

cb
04. März 2005, 09:32 Uhr

Die Zeit der Ausreden und der lediglich verbalen Künstler muss in Oberhausen vorbei sein.

Die Zeit der Ausreden und der lediglich verbalen Künstler muss in Oberhausen vorbei sein. Selbst die größten Träumer müssten nach dem 0:3 gegen Frankfurt aufgewacht sein. Zum wiederholten Male zeigte die "Kleeblatt"-Elf, wie sie nach einem Rückstand in alle Einzelteile zerfällt. Das Wort Offenbarungseid machte erneut die Runde. Kein Aufbäumnen, jeder "kämpft" für sich, taktische Vorgaben werden nicht umgesetzt. Die Liste könnte fortgesetzt werden. Die Bilanz des Grauens seit dem Karneval-Wochenende 2004, als es in Burghausern ein 0:5 gab: 37 Spiele, 38 Punkte. Zehn Siege, acht Unentschieden, 19 Pleiten. Torverhältnis: 44:72.

Übersetzt: Zwei Gegentore pro Spiel über einen solch langen Zeitraum, ein Zähler im Schnitt erreicht, eine klarere Abstiegsformel kann es kaum geben. Auch wenn die Elf von Coach Eugen Hach nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses auf einem Abstiegsrang steht, noch nichts verloren ist, scheint Besserung nicht in Sicht. Die letzten vier Partien brachten einen Punkt und Rückfälle in die schlimmsten Vergangenheits-Muster. Teamwork, gerade im harten Abstiegskampf eine unverzichtbare Komponente, wird in Oberhausen leider sehr klein geschrieben. Mit dem Engagement und Können der letzten Begegnungen kann der Abstieg nicht vermieden werden. Drei Tage vor dem nächsten Keller-Endspiel in Karlsruhe sprach RS mit Oberhausens Präsidenten Hermann Schulz über die sehr missliche Lage.
Hermann Schulz, immer wieder die gleiche Leier. Nach einem Gegentor geht gar nichst mehr. Warum?

Ich bin auch ratlos, wie das immer wieder passieren kann. Wir verlieren dann jegliche Ordnung und Konzentration.

Warum?

Es scheint bei vielen an geistiger Qualität zu mangeln. Wir haben Spieler dabei, die mit der Taktik im Fußball nicht klar kommen.

Nennen Sie Namen?

Nein, aber wir haben zehn bis 15 Mann dabei, die seit dem März 2004 einfach versagt haben. Es gibt bei uns immer noch zu viele Ich-AG`s. Spieler konnten wegen laufender Verträge im letzten Sommer nicht abgegeben werden.

Bedeutet das, Sie haben im Kollektiv bei der Zusammenstellung der Mannschaft Fehler gemacht?

Wir hätten vielleicht bereits vor einem halben Jahr, damals noch unter Jörn Andersen, zugeben müssen, wir haben uns teilweise vertan. Wir dachten, wir haben die Abgänge von Frank Scharpenberg und Dejan Raickovic durch den Kauf von Thomas Cichon und Ralf Keidel kompensiert. Aber nur ersetzen reicht nicht, wir haben generell zu wenig Leute, die Führungsqualitäten haben.

Was werfen Sie denn konkret im sportlichen Bereich vor?

Jeder Spieler muss ein Grundwissen haben, wenn er Fußball-Kicker sein will. Bei uns scheinen einige das nicht zu haben. Selbst wenn wir in den sauren Apfel beißen müssen, sollten sich manche Akteure fragen, ob sie nicht in einen Beruf wechseln, von dem sie etwas verstehen.

Klingt nicht nach großer Hoffnung im Abstiegskampf.

Ich werde mit Sicherheit nicht aufgeben, die Hoffnung stirbt immer zuletzt. Aber ich bin ehrlich, ich weiß im Moment auch kein Rezept. Man kann das Team einige Male verändern, aber es gibt immer einige, die sich taktisch schwach verhalten.

Haben Sie ein Beispiel parat?

Bojko Velichkov gegen Frankfurt. Er muss den Kampf annehmen, es reicht nicht, immer nur schön zu spielen. Er sollte gegen die Eintracht hinter den Spitzen auflaufen. Dann verstößt er aber gegen jede Ordnung und spielt zentral im Sturm, verdrängt so die anderen Angreifer auf rechts und links und das System wird völlig vergessen. Wieder eine eigene Ich-AG. Und wenn einer anfängt, die Aufgaben nicht zu erfüllen, entstehen anderswo neue Löcher.

Wie es geht, ...

hat Frankfurt gezeigt, alle haben den Kollegen geholfen. Bei uns sehe ich das nicht. Noch ein Beispiel: RWE steht auch ganz unten, aber die wehren sich immer bis zur 93. Minute gegen eine Niederlage, bei uns gibt es zu viele, die sich nicht wehren .

Elf Spieltage vor Schluss immer noch im Keller. Eine noch theoretische Frage, aber was passiert, wenn RWO absteigt?

Dann falle ich nicht ohnmächtig in ein Loch. Wenn am 1. Juli die Meisterschaft beginnt, mache ich mir immer Gedanken über einen eventuellen Auf- und Abstieg. Klar ist, wenn wir absteigen, werden wir wohl eines der zehn Teams sein, die auch in der Regionalliga gegen den Abstieg spielen. Uns fehlen dann 90 Prozent der Gelder, wir würden wie in der zweiten Liga mit einem Etat starten, der in der Klasse ganz unten angesiedelt ist. Wenn dann kein Wunder geschieht, wird es RWO auf lange Sicht nicht mehr im Profibereich geben können. Es ist sowieso ein Wunder, einen Verein mit so wenig Rückhalt in der Öffentlichkeit im Profibereich halten zu können.

Aus Ihnen spricht auch großer Frust, korrekt?

Genau, weil ein Abstieg mir mehr weh tun würde, als 97 Prozent derjenigen, die über Oberhausen nachdenken. Aber das heißt nicht, dass ich mich mit dem Abstieg abgefunden habe. Wir haben noch elf Partien, in denen wir auch gegen Teams antreten, wo noch einige Punkte möglich sind.

Unter anderem in Karlsruhe, wo ausgerechnet jetzt Thomas Cichon gesperrt ist?

Warum nicht? Wir werden nicht heulen und den anderen schon jetzt ein Alibi liefern. Wir müssen endlich die Ärmel hochkrempeln. Zum Beispiel ein Marius Baciu, das ist bisher alles zu wenig. Wir dürfen bei Gegenwind nicht immer gleich umfallen, dann sind auch die nötigen Punkte noch drin. Ich werde bis zum Schluss kämpfen.

Autor: cb

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