Trainingslager sind weder bei Fußball-Lehrern noch bei Spielern beliebt, in der Regel trotzdem unvermeidbar.

Borussia Dortmund im Test

rk
25. Januar 2007, 12:43 Uhr

Trainingslager sind weder bei Fußball-Lehrern noch bei Spielern beliebt, in der Regel trotzdem unvermeidbar.

##Picture:float:2937:left##Die Vorbereitung

Trainingslager sind weder bei Fußball-Lehrern noch bei Spielern beliebt, in der Regel trotzdem unvermeidbar. Hinterher sprechen alle stets davon, dass sie gut gearbeitet haben und in der Vorbereitung ein gutes Stück weitergekommen sind. Auch Jürgen Röber war nach der Rückkehr aus Marbella zufrieden, wies gleichzeitig aber auf die Schwachstellen in Spanien hin. Zum einen ist die Zeit für den 53-Jährigen viel zu kurz gewesen. Insgesamt blieben dem neuen Coach vom Auftakt bis zum Match gegen die Bayern lediglich 22 Tage. In dieser engen Phase konnte er seine Vorstellungen nur bedingt umsetzen. Hinzu kam das Verletzungspech, das die Borussen nicht zum ersten Mal im Fokus hatte. Nelson Valdez konnte nach seiner Hinrunden-Blessur erst später einsteigen. Sebastian Kehl sowie Christian Wörns hinken gewaltig hinterher, nahmen erst in dieser Woche Kontakt mit dem Ball auf. Alexander Frei und Ebi Smolarek mussten zwischenzeitlich auf einige Übungseinheiten verzichten, Martin Amedick flog sogar vorzeitig von der iberischen Halbinsel nach Hause und versuchte im Revier zumindest den Sprung auf die Bank zu schaffen. Und dann war auch noch das vom Polen Smolarek entfachte Gehalt- bzw. Wechseltheater. Fazit: Das war nicht die Vorbereitung, die sich Röber vorgestellt, auch wenn er die Sache gelassen sieht: "Ich konnte es ohnehin nicht ändern."

Testspiele

Wuppertaler SV - BVB 1:1
Tor: Frei

Kickers Offenbach - BVB 0:2
Tore: Amoah, Ricken

Hertha BSC Berlin - BVB 3:3
Tore: Degen, Valdez, Amoah

Blitzturnier Düsseldorf (45 Min):

Bayer Leverkusen - BVB 1:1
Tor: Dede

Fortuna Düsseldorf - BVB 1:1
Tor: Sahin

Die Abwehr

Jürgen Röber schwärmt: "Christoph Metzelder, Christian Wörns und Martin Amedick, das ist die beste Innenverteidigung, mit der ich zusammengearbeitet habe. Vielleicht vergleichbar mit meiner Stuttgarter Zeit, als Guido Buchwald und Thomas Berthold in der Abwehr standen." Problem: Zwei der drei Gelobten werden morgen, Freitag, wohl ausfallen. Also muss Markus Brzenska ran und der hat im neuen Jahr auch so seine Probleme, die beim Blitzturnier deutlich wurden. Wenn die Angeschlagenen zurückkommen, dürfte es auf den beiden Manndecker-Positionen keine Schwierigkeiten geben, vorausgesetzt, Metzelder bleibt endlich einmal eine Halbserie lang von Rückschlägen verschont. Heikel ist weiterhin die rechte Abwehrseite. Philipp Degen kann sie einfach nicht stabilisieren. Gegen Hertha legte er gleich zweimal mustergültig für den Gegner auf, in Düsseldorf lief es nicht besser. Auch wenn sein Trainer ihm zugesteht: "Wer viel arbeitet, macht auch viele Fehler". Dort ist eine schwarz-gelbe Schwachstelle beheimatet. Der größte Rückhalt steht dagegen im Tor: Roman Weidenfeller ist über jeden Zweifel erhaben.

Das Mittelfeld

Der neue Trainer zeigte sich experimentierfreudig. Er stellt Nuri Sahin oder Tinga auf die "Sechs", ließ Marc-André Kruska viel Entfaltungsmöglichkeiten auf der rechten Außenbahn und baute Steven Pienaar psychologisch auf. Der Erfolg war nur temporär. Was in Marbella noch überraschend gut klappte, war am Rhein schon wieder Geschichte. Fakt bleibt: Die Dortmunder sind in der Mitte nicht optimal besetzt, weil ein echter Spielmacher in ihren Reihen nicht zu entdecken ist. Es stehen viele fleißige Indianer im Kader, aber kein echter Häuptling. Das ist auch nicht Lars Ricken, der die große Chance, noch einmal positiv in den Brennpunkt zu rücken, in den ersten Januar-Wochen nicht genutzt hat.

Der Angriff

Ihre Torquote könnte und müsste höher sein, aber sechs und fünf Treffer sind zumindest akzeptabel. Alexander Frei sowie Ebi Smolarek bilden ein zuverlässiges Angriffsduo, das zudem sehr viel für das Team arbeitet. Auf die beiden Akteure dürfte in der Rückrunde wieder Verlass sein. Ein ganz großes Fragezeichen steht hinter Nelson Valdez, der in Dortmund noch die Bundesliga-Null vor sich herschiebt. Ganz bitter, was er zum Beispiel gegen Bayer Leverkusen an Möglichkeiten verballerte. Selbst wenn er gelegentlich ein Lebenszeichen von sich gab, Matthew Amoah genügt einfach nicht deutschen Erstliga-Ansprüchen. Sollten Frei oder Smolarek einmal passen müssen, hat der BVB im vorderen Bereich ein echtes Problem, außer beim Paraguayer Valdez platzt möglichst schnell der Knoten.

Die Stärken

Der größte Pluspunkt könnte auf der Bank sitzen. Röber bringt nicht nur neuen Schwung mit, sondern baut seine Spieler in Einzelgesprächen sowie mit seiner eigenen Euphorie immer mehr auf. Diese positive Einstellung muss schnell vom Erfolg begleitet werden, sonst wird der Schatten seines Nachfolgers Thomas von Heesen immer länger. Auf dem Platz dürfte die Abwehr den stärksten Eindruck hinterlassen, vor allem dann, wenn es Philipp Degen endlich gelingt, das zu zeigen, was ihn in Basel und in der Nationalmannschaft in der Vergangenheit ausgezeichnet hat.

Die Schwächen

Da personell nicht nachgerüstet wurde, bleibt das Mittelfeld im wahrsten Sinn des Wortes das zentrale Problem. Kreativität kann nur mit der Lupe entdeckt werden, also muss zumindest kämpferisch alles gegeben werden. Das wäre zwar schon ein Ansatz, mehr aber auch nicht. In der mäßig besetzten Schaltzentrale liegt auch die Wurzel im Angriffs-Übel. Wer kaum gescheite Vorlagen bekommt, der trifft halt nicht oft genug, selbst wenn er sich die Hacken abläuft.

Die Prognose

Der BVB wird sich mehr als schwer tun, den angepeilten fünften Tabellenplatz zu erringen. Die Borussen müssen sogar aufpassen, nicht noch tiefer in das Mittelfeld-Grau zu versinken, da der Auftakt harte Prüfungen mit sich bringt. Zuhause, wo die Schwarz-Gelben in dieser Saison bisher quälende Vorstellungen abgeliefert haben, gegen die Spitzenklubs aus München und Stuttgart, in der Fremde gegen die sich aufbäumenden Kellerkinder Mainz und Hamburg. Da haben Roman Weidenfeller & Co harte Nüsse zu knacken. Gelingt das Unterfangen, kann der Blick doch noch nach oben gerichtet werden, wenn nicht, dann muss zwar nicht nach unten geschaut werden, doch dann droht die ganz große Langeweile in einer total fußballverrückten Stadt.

Autor: rk

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