Dort wo er jetzt steht, wollte der Neue schon immer hin.

Schalke-Fan Neuer beerbt Rost

08. November 2006, 11:04 Uhr

Dort wo er jetzt steht, wollte der Neue schon immer hin.

Dort wo er jetzt steht, wollte der Neue schon immer hin. `Darauf arbeitet man Jahre lang hin, um oben dabei zu sein´, sagt Manuel Neuer, 20 Jahre alt und spätestens seit seiner überzeugenden Leistung im Spiel gegen Meister Bayern München in der Fußball-Bundesliga am vergangenen Wochenende der neue starke Mann im Tor von Schalke 04. Den bisherigen Stammkeeper Frank Rost hat er erstmal verdrängt und das erregt mindestens ebenso viel Aufsehen, wie Neuers eigener Aufstieg aus der Fankurve in den Kasten der Königsblauen. Denn mit Rosts Degradierung zum Ersatzkeeper hat Schalkes Trainer Mirko Slomka den Generationswechsel im Kasten der Knappen eingeläutet, der wohl nicht nur von vorübergehender Natur sein wird. Denn Neuer hielt seiner Mannschaft in der laufenden Saison bei den Siegen in Aachen und gegen Bremen die Null, als er den seinerzeit verletzten Rost glänzend vertrat. Offenbar Anlass genug für Slomka, dem Nachwuchsmann den Vorrang vor dem 277-maligen Bundesliga-Spieler Rost zu geben.

`Manuel hat ein bisschen Vertrauen verdient. Er hat seine Sache gegen München gut gemacht und wird, sollte nichts dazwischen kommen, auch am kommenden Samstag gegen Mainz spielen´, sagt Slomka. Obschon auch Rost bei den Schalker Anhängern sehr beliebt ist, können sich die Fans auch mit einem wie Neuer völlig identifizieren. Im Alter von vier Jahren trat der gebürtige Gelsenkirchener dem Traditionsklub bei und bis heute hat er nur dort gespielt. Wie der ehemalige Schalker und inzwischen Wolfsburger Nationalspieler Mike Hanke stand Neuer als Jugendlicher in der legendären Nordkurve, um seine damaligen Idole anzufeuern. Bei seinem Bundesliga-Einstand Ende August in Aachen drückte der 1,92 Meter große Modellathlet seine Nähe zu den Fans per T-Shirt mit dem Aufdruck `Buerschenschaft´ aus, eine ultranahe Gruppierung aus dem nördlichen Stadtteil Gelsenkirchens.

Nach der gelungenen Premiere in der deutschen Eliteklasse rechnete er allerdings noch nicht damit, Rost schon so bald ablösen zu können. `Franks Vertrag läuft bis 2009, meiner bis 2010. Bis dahin will ich auch Stammtorhüter werden´, sagte Neuer noch vor gut zwei Monaten. Heute steht er selbst im Blickpunkt, eine Entwicklung, die viele seiner sportlichen Förderer nicht überrascht. `Manuel hat alles, was ein guter Torhüter braucht´, sagen A-Junioren-Coach Norbert Elgert und Mike Büskens, Trainer der Oberliga-Reserve, unisono. Dem ehrgeizigen Neuer wird neben einer guten Strafraumbeherrschung vor allem eine glänzende Technik zugeschrieben. `Wenn Manuel im Training mal draußen mitmacht, ist er ein vollwertiger Mitspieler´, sagt Slomka über den Jung-Star, der Mitte August in der deutschen U21-Nationalmannschaft debütiert hatte und den Ex-Schalker Jens Lehmann als sein größtes Vorbild nennt. Wie lange Rost dagegen die unerwartete Rolle als Bankdrücker hinnimmt, ist ungewiss.

Die Spekulationen nach dem Bayern-Spiel, es habe eine Auseinandersetzung zwischen ihm und dem 33-Jährigen gegeben, dementierte Slomka scharf. `Das ist erstunken und erlogen´, sagte der Fußballlehrer und vermutet innerhalb der Medienlandschaft `bosärtige Menschen am Werk, die uns auseinandertreiben wollen´. Rost widersprach auf seiner Internetseite dem Gerücht, er habe Slomka `Co-Trainer genannt´, prangerte aber zugleich an, dass wieder Interna aus der Mannschaft nach außen gedrungen seien. Manager Andreas Müller erwartet, dass Rost seine Antwort mit Leistung geben werde. `Ich kenne Frank inzwischen lange und sehr genau. Er ist ehrgeizig und wird sich im Training noch mehr reinhängen´, sagte der Ex-Profi. Schon am Montag hatten der Verein und Rost erklärt, den Vertrag bis 2009 erfüllen zu wollen.

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