29.12.2017

VfL Bochum

"Der Verein ist nur noch Mittel zum Zweck"

Foto: Udo Kreikenbohm

Es werden täglich mehr, die unterschreiben. Die Anhänger des VfL Bochum wenden sich gegen eine Vereinsführung, der sie nicht mehr zutrauen, das Vereinsschiff in ruhiges Fahrwasser zu lotsen.

Die WAZ sprach mit Andreas Wiemers und Simon Zimmer, zwei Initiatoren der Online-Petition „Rettet den VfL - jetzt“.

Warum wurde diese zweite Petition ins Leben gerufen, wenn doch schon eine zum Thema auf dem Markt war?
Zunächst hat sich unsere Vereinskrise seit der ersten Petition zugespitzt. Wir haben zwei zurückgetretene Aufsichtsratsmitglieder und einen Finanzvorstand, der sein Fach durchaus versteht, aber offensichtlich keine Möglichkeit mehr sieht, seine Ziele zu verwirklichen. Zudem handelt es sich bei unserer Initiative um ein Mitgliederbegehren, mit dem Ziel unter anderem eine außerordentliche Mitgliederversammlung durchzuführen.

Der Tonfall der aktuellen Petition ist sehr viel schärfer, das Ziel konkret benannt, nämlich die Absetzung des AR-Vorsitzenden Hans-Peter Villis und die Neuwahl des kompletten Aufsichtsrates. Wäre damit nicht das Chaos in und um diesen Verein herum komplett? Wäre er am Ende nicht womöglich handlungsunfähig?
Der Ton ist nicht zwingend schärfer. Die Ziele sind konkreter. Wir wollen über die Arbeit des Aufsichtsrates und seines Vorsitzendes diskutieren. Herr Villis hat dann die Möglichkeit seine Sicht darzulegen und zu überzeugen – oder auch nicht. Am Ende entscheiden die Mitglieder. Und das erheblicher Diskussionsbedarf besteht, kann angesichts der aktuellen Situation niemand in Frage stellen. Handlungsunfähiger als derzeit kann der Verein kaum werden. Das Chaos haben nicht wir mit dem Mitgliederbegehren initiiert. Das Chaos haben Vorstand und Aufsichtsrat bereits vorher angerichtet. Die Handlungsfähigkeit des Aufsichtsrates sichern wir mit der Forderung nach einer weiteren außerordentlichen Mitgliederversammlung zur Neuwahl des Gremiums.

Müssen Sie nicht damit rechnen, dass es am Ende gar keinen Aufsichtsrat mehr gibt, mithin also auch keine Führung und sich der VfL zu einer Spielwiese für Glücksritter jeglicher Couleur entwickelt? Oder gibt es bereits eine Art „Schattenkabinett“?
Es gibt im Umfeld beim VfL Bochum viele gute Leute, die zweifellos in der Lage sind, den Aufsichtsrat personell neu bzw. anders zu besetzen. Auch nach dem Rücktritt Werner Altegoers wurden personelle Lösungen gefunden, die den Verein nach vorne gebracht haben. Und nebenbei bemerkt: Man kann aktuell auch nicht behaupten, der Verein würde geführt.

Herr Wiemers, Sie haben im Oktober 2010, in den Wirren nach der verweigerten Entlastung, die zum Rückzug einiger AR-Mitglieder führte, gesagt: „Es ist auch kein Gewinn, wenn zahlreiche AR-Mitglieder zurücktreten.“ Was ist heute anders als damals?
Wir haben ja faktisch den Rücktritt von zwei Aufsichtsratsmitgliedern. Insofern ist heute nichts wirklich anders als 2010. Der Unterschied zu damals ist, dass die heutigen Rücktritte darauf zurück zu führen sind, dass es in der Gremien- und Vorstandsarbeit offensichtlich erhebliche Differenzen gibt. Im Verein wird also um den richtigen Kurs gerungen. Und es ist nun legitim zu fordern, die Mitglieder an diesem Diskurs zu beteiligen und letztendlich die Mitgliederversammlung als oberstes Beschlussorgan entscheiden zu lassen.

Der VfL Bochum hat zuletzt zweifellos ein verheerendes Bild in der Öffentlichkeit abgegeben. Aber wenn Hans-Peter Villis sagt, dass man die positiven Dinge, wie zum Beispiel die Verringerung der Schuldenlast, nicht berücksichtigt in der öffentlichen Diskussion, hat er damit ja nicht ganz unrecht.
Mit Verlaub: Das ist nicht zwingend die Leistung von Herrn Villis. Die Verringerung der Schuldenlast ist tatsächlich ein Erfolg. Dieser wird jedoch eingemauert von sportlichen Misserfolgen und einer Vereinsführung, die tatenlos zusieht, wie der Verein im Chaos versinkt. Selbst Werner Altegoer hat sich zum Ende seiner Amtszeit den Mitgliedern angenähert, Ernst-Otto Stüber hat die Mitglieder an der Entwicklung aktiv beteiligt. All’ dies ist eingeschlafen. Der Verein ist nur noch Mittel zum Zweck. Uns geht es bei unserem VfL Bochum um mehr als um positive Bilanzen.

Die Finanzen sehen wieder ganz manierlich aus, und sportlichen Erfolg kann niemand, auch ein neuer Sportvorstand und ein neuer Aufsichtsrat nicht, garantieren. Ist das Risiko, dass Ihnen eventuell der komplette Klub um die Ohren fliegt, dass die Sponsoren Konsequenzen ziehen und die Banken ebenfalls, nicht zu hoch?
Selbstverständlich kann niemand sportlichen Erfolg garantieren. Wir sind auch nicht davon ausgegangen, dass der VfL dieses Jahr den Aufstieg schafft. Es waren Villis und Hochstätter, die diese Mär unters blau-weiße Volk gebracht haben. Und sie konterkarieren dieses Ziel selbst, in dem sie den VfL von einer Krise in die nächste geleiten. Vor diesem Hintergrund ist das Risiko genauso hoch, dass uns der ganze Verein um die Ohren fliegt, Sponsoren und Banken Konsequenzen ziehen, wenn wir einfach so weitermachen wie bisher. Dass Spieler unbedingt weg wollen, weil sie unter einer Person nicht mehr arbeiten wollen, ist dabei vielleicht auch nur ein erster Schritt.

Herr Zimmer, Sie haben als Mitinitiator von „echt VfL“ gegen die Ausgliederung gekämpft. Wollen Sie, wenn sie mit der Petition Erfolg haben, das Thema Ausgliederung noch einmal zur Abstimmung stellen?
Das Thema Ausgliederung stellt sich derzeit gar nicht. Villis und Hochstätter haben den Verein mit den zahlreichen Skandalen für Investoren derart unattraktiv gemacht, dass derzeit wohl niemand ernsthaft überlegt, in dieses Chaos zu investieren. Die Arbeit von Wilken Engelbracht in dieser Frage haben sie ad absurdum geführt. Besser hätten es die Ausgliederungskritiker gar nicht machen können. Unser Ziel ist es, die Zukunft des VfL Bochum zu sichern. Das sehen wir mit den handelnden Personen nicht mehr gewährleistet.

Autor: Michael Eckardt

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