11.12.2017

BVB

So arbeitet der neue Trainer Peter Stöger

Foto: firo

Peter Stöger ist ein glänzender Motivator. Die Fähigkeit braucht der neue Trainer von Borussia Dortmund schon am Dienstag beim Spiel in Mainz.

Neven Subotic war unter seinen Mitspielern bei Borussia Dortmund ein besonders gefragter Gesprächspartner vor dem Bundesligaspiel bei Mainz 05 am Dienstag (20.30 Uhr/live in unserem Ticker). Das hatte allerdings nichts damit zu tun, dass der Innenverteidiger mal bei den Rheinhessen spielte und den Gegner deswegen besonders gut kennt. Subotic sollte Auskunft geben über den neuen Trainer Peter Stöger, der seit Sonntag als Nachfolger des beurlaubten Peter Bosz feststeht. Und Subotic war in der vergangenen Saison an den 1. FC Köln ausgeliehen, kennt Stöger also aus nächster Nähe.

Über seinen neuen alten Trainer wusste der Serbe vor allem Positives zu berichten, er hat eine hohe Meinung von Stöger – wie viele aktuelle und frühere Wegbegleiter des Österreichers. Toni Polster etwa, der wie Stöger aus Wien kommt und ihn seit vielen Jahren kennt – sie spielten gemeinsam in der österreichischen Nationalmannschaft. „Er kann eine Gruppe führen und die Mannschaft folgt ihm bedingungslos, wenn sie von ihm und seiner Arbeit überzeugt ist“, sagt Polster. „Das schafft er immer wieder, deswegen hat er Erfolg.“

Zu aktuellen und ehemaligen Spielern pflegt der 51-jährige Trainer einen engen Draht: Daniel Halfar schrieb er nach dessen Abgang eine SMS, in der er sich entschuldigte, dass er nicht mehr aus ihm gemacht hatte. Und selbst der eher komplizierte Charakter Anthony Modeste, der Köln in Unfrieden verlassen hatte, hielt den telefonischen Kontakt. „Peter nimmt sich nicht zu wichtig und ordnet alles dem Erfolg unter“, erklärt Polster. „Und er bezieht immer wieder Spieler ein bezüglich Spielsystem, Ordnung, Disziplin. So überzeugt er sie, deswegen folgen sie ihn.“

Bei Modeste gelang dies mit einer Mischung aus Fördern und Fordern – das Kreisspiel im Training etwa beendete Stöger frühestens dann, wenn der Stürmer in der Mitte war. Ein klassischer Schleifer aber ist der Österreicher nicht, im Gegenteil: Vor wenigen Wochen überwarf er sich mit Fitnesstrainer Benjamin Kugel, der etwas zu laut moniert haben soll, dass das Training in der Sommervorbereitung lasch gewesen sei und die Spieler nicht ausreichend fit seien.

Lange Leine lässt Stöger auch sonst: In Köln verzichtete er darauf, die Mannschaft am Abend vor Spielen im Hotel zusammenzuziehen, und wer an einem solchen Abend eine der vielen Kneipen der Stadt betrat, konnte dort durchaus auf den Kölner Trainer treffen – oft in Begleitung seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Ulrike Kriegler, und gerne im Gespräch mit anderen Gästen.

Auf die Stadt ließ er sich mit Haut und Haaren ein, feierte begeistert Karneval und gab sich auch ansonsten volksnah: Während ihn in Dortmund am Montag ein Chauffeur durch das Schneegestöber zum Abschlusstraining fuhr, hatte er den Weg zwischen seiner Arbeitsstätte und seiner Wohnung im nahegelegenen Junkersdorf oft zu Fuß zurückgelegt – Gespräche mit Spaziergängern inklusive.

Es sind vor allem seine Fähigkeiten als Kommunikator, die nun beim BVB gefragt sind. Man habe Stöger gewählt, „weil er über hohe empathische Fähigkeiten verfügt und gezeigt hat, dass er eine Mannschaft zusammenfügen kann, wenn Risse da sind“, erklärt Sportdirektor Michael Zorc. Denn durch die Mannschaft zieht sich ein Riss, dessen Ursprung sie im Klub in der Amtszeit von Thomas Tuchel sehen: Der gewährte Spielern wie Pierre-Emerick Aubameyang, Ousmane Dembélé und Raphael Guerreiro Privilegien, was beim Rest der Mannschaft nicht gut ankam. Bosz scheiterte unter anderem auch daran, weil er es nicht vermochte, diese Gräben zuzuschütten.

„In dieser Phase geht es darum, mit den Jungs zu sprechen, Problemzonen herauszufinden“, sagt Stöger selbst.

Zeit zum Training war vor dem ersten Spiel gegen Mainz ohnehin kaum. Dennoch ist die klare Erwartung, dass Stöger die Mannschaft auch auf dem Platz stabilisiert – wie es ihm in Köln jahrelang gelang. Beim BVB erinnern sie sich mit Grausen daran, dass sie bis zur laufenden Saison sechsmal gegen Stöger spielten und keine einzige Partie gewannen.

Die Skepsis, dass Stöger-Fußball mit der offensivstarken Dortmunder Mannschaft nicht funktioniert, kontern sie mit dem Verweis auf die Vergangenheit: In der Saison 2012/13 führte Stöger Austria Wien zum Meistertitel, mit Punkterekord und erfrischendem Fußball.

„Man muss mit Dortmund natürlich etwas anders spielen als mit dem FC“, sagt Polster. „Aber das kriegt er hin, davon bin ich felsenfest überzeugt.“

Autor: THomas Gassmann/Sebastian Weßling

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