Hans-Günter Bruns ist beim WSV nach nur einem Jahr wieder Vergangenheit. Ein fester Nachfolger steht noch nicht fest. Vorerst betreut Jörg Jung das Team.

WSV: Runge-Interview

"Runge wird immer der Schuldige sein"

Krystian Wozniak
16. November 2012, 15:54 Uhr

Hans-Günter Bruns ist beim WSV nach nur einem Jahr wieder Vergangenheit. Ein fester Nachfolger steht noch nicht fest. Vorerst betreut Jörg Jung das Team.

Wir sprachen mit WSV-Präsident Friedhelm Runge über Bruns, Jung, die aktuelle Lage und die Zukunft des Vereins.

Friedhelm Runge, wie schwer ist Ihnen die Entlassung von Hans-Günter Bruns gefallen?

Sehr schwer. Ich wollte ihn ja schon immer mal nach Wuppertal holen. Er hat hervorragende Erfolge vorzuweisen und ich habe gedacht, dass er der richtige Mann an der richtigen Stelle ist. Wenn jemand mit dem WSV aufsteigt, dann Hans-Günter Bruns. Bis zuletzt habe ich daran geglaubt.

Was hat letztlich gegen Bruns gesprochen?

Es kamen immer wieder Stimmen aus der Mannschaft, dass es Diskrepanzen zwischen einzelnen Spielern und dem Trainer geben würde. Ich wollte das lange Zeit nicht glauben. Aber die letzten Leistungen waren dem Namen Wuppertaler SV nicht mehr würdig. Das musste seine Ursachen haben. Es ist nunmal so, dass man nicht die komplette Mannschaft austauschen kann, sondern der Trainer immer die ärmste Sau ist. Obwohl er nicht immer Schuld für die schlechten Leistungen trägt. Die Spieler sind dafür verantwortlich. Sie werden gut bezahlt und müssen ihren Beruf so gut es geht im Sinne des Vereins ausüben. Das vermisse ich bei vielen Akteuren.

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Sie haben in dieser Saison dem Trainer beinahe alle Wünsche erfüllt. Es sind gestandene Spieler nach Wuppertal gekommen. Hat man sich bei einigen Leuten schlichtweg geirrt?

Es ist schon ein Phänomen, dass die Spieler in starker Verfassung zu uns kommen und bei ihren Ex-Klubs zum Teil Leistungsträger waren und beim WSV nichts auf die Reihe bekommen. Wenn ich nur wüsste, woran das liegt. Ich habe für manche Leistungen einfach keine Erklärung.

Die Mannschaft hinkt den Zielen hinterher, spielt zum Teil grottenschlechten Fussball und die Zuschauer bleiben weg. Hat der WSV überhaupt noch eine Zukunft?

Vor einigen Jahren hat mir unser damaliger Trainer Wolfgang Frank gesagt, dass du in Wuppertal nichts erreichen könntest, weil Wuppertal einfach keine Fußballstadt ist. Daran muss etwas dran sein. Wir vergleichen uns gerne mit Osnabrück, Düsseldorf oder Essen. Aber wieviele Fans gehen denn zu diesen Vereinen? Fast immer 10.000. Und das egal in welcher Liga! In Wuppertal ist es so, dass nur 3000 bis 4000 Zuschauer ins Stadion kommen, wenn es sehr gut läuft. Ohne diesen Zahlen wird es auf Dauer schwer. Denn nur wenn 3000 bis 4000 Zuschauer kommen, kalkuliert sich das alles. Bei einem Schnitt von 1000 Fans ist das auf lange Sicht alles nicht mehr machbar.

Bruns wird entlassen und Ihnen wird in diversen Foren die Schuld an allem nachgesagt. Wie nehmen Sie diese Negativstimmung aus dem Umfeld gegen Sie noch wahr?

Ach, wissen Sie was: Runge war und wird für die Wuppertaler immer der Schuldige sein! Damit muss ich leben. Leider vergessen viel zu viele Leute, was ich alles für den Verein gemacht habe und mache. Das tut mir schon weh.

Was meinen Sie genau?

Ich habe oft genug meinen Rücktritt angeboten und habe gesagt, dass ich dem WSV als Sponsor zur Verfügung stehe und den Klub weiter unterstütze. Doch von den Wuppertaler Unternehmen kam nichts, wirklich gar nichts. Niemand will hier das Ruder übernehmen. Ganz hinzuwerfen fällt mir unheimlich schwer. Der Wuppertaler SV besteht ja nicht nur aus der ersten Mannschaft im Fußball, sondern auch noch aus Handball, Boxen oder Leichtathletik, wo wir erfolgreich sind. Hier spielen zudem über 300 Kinder Fußball, für die ich verantwortlich bin. Die Hälfte der Eltern dieser Kinder bezieht Hartz IV. Wir bieten aber den Jungs und Mädchen Möglichkeiten sich zu betätigen. Wo sollen die Kinder denn sonst Fußballspielen, wenn es doch überall verboten ist und kaum öffentliche Sportplätze vorhanden sind? Diesen Menschen habe ich eine Verantwortung gegenüber. Ich würde mich in Zukunft auch gerne nur um die Jugendabteilung kümmern, aber dann muss es auch einen Nachfolger für mich geben.

Nachfolger ist ein gutes Stichwort. Wer wird denn auf Hans-Günter Bruns folgen?

Jörg (Jung, Anm. d. Red) kommt bei der Mannschaft sehr gut an. Wenn er die Spiele gewinnt, warum sollte er dann nicht die Mannschaft komplett übernehmen? Wir werden uns das alles gründlich überlegen und Zeit lassen, wie es letztendlich weitergehen wird.

Autor: Krystian Wozniak

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