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Borsigplatz-Blasphemie
BVB-Pfarrer trägt sonst Königsblau

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Dortmund: Blasphemie am Borsigplatz

Die Feierlichkeiten in Dortmund haben mit einem Meister-Gottesdienst einen weiteren Höhepunkt erreicht. Doch der BVB-Pfarrer beging Blasphemie am Borsigplatz.

„Wenn einer fällt, so hilft ihm der andere auf“. Womöglich hat Peter Jochem ja insgeheim an den Vers aus dem Alten Testament gedacht, als er da umringt von BVB-Anhängern mitten auf dem Borsigplatz in Dortmund das Vereinslied des neuen Deutschen Meisters zum Besten gab. Denn der Geistliche, der am Dienstag dieser Woche den Meistergottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche leitete, ist Schalker.

Eine halbe Stunde zuvor hat der Studentenpfarrer der katholischen Hochschulgemeinde Dortmund in der Dreifaltigkeitskirche einen Meisterschafts-Gottesdienst gehalten und aus dem Buch Kohelet zitiert. „Vielleicht hat Jürgen Klopp ja sogar darin gelesen“, vermutete Jochem.

Der Geistliche will Parallelen zwischen dem alten Salomon und dem Trainer der Schwarz-Gelben erkannt haben. Auch der BVB habe vor wenigen Jahren noch am Boden gelegen. Die Meisterschaft sei daher sinnbildlich für etwas, das man nicht für möglich gehalten habe. „Ein Wunder“, griff der Referent der Nordstadtkirche Karsten Haug noch eine Etage höher in die religiöse Wortkiste.

Im Jahr 1909 hatten Gemeindemitglieder der Dreifaltigkeitsgemeinde den Ballspielverein Borussia gegründet. Jetzt dankte Jochem an gleicher Stätte dem lieben Gott für den sportlichen Erfolg ihrer Nachfahren.

Knapp 100 BVB-Anhänger haben den Weg in die Kirche gefunden, um die Messe zu teilen. Nicht allzu viele bei 400.000 Feierbiestern in der Stadt nur wenige Tage zuvor. Aber immerhin genug, um die Kirche einigermaßen gut zu füllen, mit denen, die vermutlich sonst nicht allzu häufig den Weg ins Gotteshaus finden.

Hartgesottene Kuttenträger neben stolz schwarz-gelbe Schals tragenden älteren Herrschaften wie Agnes Gill und Ferdinand Thiele, die schon dem zwei Tage vor dem Überreichen der Meisterschale am 12. Mai verstorbenen „Jockel“ Bracht 1956 zum ersten Titelgewinn des BVB gratuliert haben. Das gibt es sonst in der Tat nur „aufm Platz“. Aber darf man sich deshalb bei Gott für eine gewonnene Meisterschaft bedanken?

BVB-Pfarrer träumt vom Schalker Pokalsieg

Wohl auch deshalb hatte Jochem zunächst ein ungutes Gefühl, als er die Anfrage für den Dienst erhalten hatte. Doch schließlich gab er klein bei. „An der Leistung dieser Mannschaft hat man gesehen, dass Erfolg nicht nur etwas mit Finanzkraft zu tun hat, sondern auch mit Leidenschaft, Emotionen und Zusammenhalt, gezogen aus der Freude ein Geschöpf zu sein“, begeisterte sich schließlich auch der Studentenpfarrer in der abgelaufenen Saison am Spiel der Schwarz-Gelben.

Überhaupt sei schon im Ball an sich eine gewisse Symbolik enthalten, schließlich habe dieser selbst weder Anfang noch Ende. Zumindest hier im Ruhrpott, möchte man anfügen. Seit 2008 halten sie hier in der Dreifaltigkeitskirche, die dank der Ausstellung „Kirche, Fußball, Gottvertrauen“ beinahe eher einem Fußballmuseum denn einer Andachtsstätte gleicht, immer zum Jahrestag der Gründung BVB-Gottesdienste ab.

Doch jetzt, nachdem er die Prozession samt Fahnenträger auf den beinahe heiligen Platz in die Dortmunder Glückseligkeit entführt hatte, stellte Pfarrer Peter Jochem auch den Beichtstuhl ins Freie.

„Ich komme aus dem Sauerland und bin eigentlich Schalker. Ich hoffe, dass wir am Samstag in Berlin nachlegen und den DFB-Pokal gewinnen“, outete sich der Dortmunder ganz leise als Königsblauer. Karsten Haug störte das nicht. „Meine Gebete wurden ja schon erhört“, schmunzelte er. Schließlich hat die Nordstadt derzeit auch ganz andere Sorgen.

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