Auf seiner Exekutiv-Sitzung in Zürich hat sich der Fußball-Weltverband FIFA für die Einführung von Profi-Schiedsrichtern ausgesprochen. Allerdings müssten die Mitgliedsverbände die finanziellen Lasten selbst tragen.

FIFA spricht sich für Profi-Schiedsrichter aus

08. März 2005, 18:52 Uhr

Auf seiner Exekutiv-Sitzung in Zürich hat sich der Fußball-Weltverband FIFA für die Einführung von Profi-Schiedsrichtern ausgesprochen. Allerdings müssten die Mitgliedsverbände die finanziellen Lasten selbst tragen.

Der Wett- und Manipulationsskandal im deutschen Fußball um Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer könnte auf internationaler Ebene für einige große Veränderungen sorgen. So will der Fußball-Weltverband FIFA nun offenbar die Einführung der Profi-Schiedsrichter forcieren. Dies kündigte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter auf einer Pressekonferenz nach einer zweitägigen Sitzung des 24-köpfige Exekutivkomitees in Zürich an und hofft auf ein entsprechendes Entgegenkommen der FIFA-Mitgliedsverbände, die die wirtschaftlichen Lasten zu tragen hätten. Blatter ist der Ansicht, dass die Manipulationsgefahr eingedämmt werden könnte, sollten die Schiris hauptberuflich als Referees tätig sein. Der "Regierung" des Welt-Fußballs gehört auch DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder an.

"Die Idee von Profi-Schiedsrichtern wird schon seit längerer Zeit vom Schiedsrichter-Komitee, dem Technischen Komitee und dem Fußball-Komitee verfolgt. Es gab wundervolle Projekte, aber bislang haben die Mitgliedsverbände noch nicht die Antworten gegeben, die wir erwartet haben. Nun unternehmen wir einen neuen Anlauf", sagte Blatter der Nachrichtenagentur Reuters.

Allerdings sollte die Bezahlung angemessen sein. Nach Ansicht von Blatter fließt im Fußball genügend Geld, um die Unparteiischen von Seiten der nationalen Verbände angemessen zu bezahlen. "Es kommt darauf an, in welcher Liga er pfeift. Ich denke an eine Größenordnung von 100.000 Euro im Jahr", hatte der Schweizer unlängst im kicker-Interview erklärte.

Deutsche Referees gegen Profitum

Die beiden deutschen Top-Referees Markus Merk (Kaiserslautern) und Herbert Fandel (Kyllburg) hatten sich bereits mehrfach gegen das Profitum bei den Schiedsrichtern ausgesprochen. Allerdings hinken die deutschen Unparteiischen in der höchsten Spielklasse mit ihrem "Salär" deutlich hinterher. Während ein Bundesliga-Referee pro Einsatz 3068 Euro erhält, zahlen die übrigen europäischen Topligen wesentlich mehr. "Es ist zwar nicht das Doppelte, aber einige Länder wie Spanien, Italien und England bezahlen mehr als wir. In Italien gibt es sogar ein jährlichen Sockelbetrag plus Zahlungen für die Spiele. Da hätten wir hier aber ein Problem mit dem Finanzamt", hatte Hellmut Krug, DFB-Abteilungsleiter Schiedsrichterwesen, erklärt.

FIFA spricht DFB Vertrauen aus

Die FIFA sprach derweil am Dienstag dem DFB bei der Aufklärung der Affäre Hoyzer das "uneingeschränkte Vertrauen" aus. Blatter erklärte, es gebe keine Zweifel, dass der deutsche Verband und die deutsche Justiz den Fall vollständig aufklären werden. Die FIFA war unlängst bei einem Besuch von Blatter in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main über die Tragweite der Affäre und die möglichen Auswirkungen informiert worden. In Zürich stärkte der FIFA-Boss auch den 700.000 weltweit aktiven Schiedsrichtern den Rücken. Der Weltverband habe nach wie vor unerschütterliches Vertrauen in die Referees.

Im DSF forderte Blatter allerdings auch eine schnelle Aufklärung der Affäre: "Diese Affäre darf nicht mehr lange dauern. Das muss man richtig anpacken und nicht auf die lange Bank schieben. Man sollte auch der Staatsanwaltschaft etwas Druck machen, dass es schnell vorwärts geht." Er verwies auf das schnelle Handeln in Tschechien, "die das sofort und klar erledigt haben: Punktabzug bei der Mannschaft, die da bevorteilt wurde, Schiedsrichter weg. Man kann das auch ganz schnell machen."

Autor:

Kommentieren