Niebaum kündigt Rechenschaftsbericht an

12. November 2004, 16:38 Uhr

Bei der Jahreshauptversammlung von Borussia Dortmund will Noch-Präsident Gerd Niebaum am Sonntag das neue Konsolidierungsprogramm verteidigen und um seinen Ruf kämpfen. "Ich stelle mich der Kritik", kündigte er an.

Die Geschäftsführung des börsennotierten Unternehmens Borussia Dortmund bereitet sich derzeit fieberhaft auf eine emotionsgeladene und historische Jahreshauptversammlung vor. Unter anderem soll den Mitgliedern und Fans dabei das neue Konsolidierungsprogramm vorgestellt werden. Die Mitglieder des mit 118,8 Millionen Euro verschuldeten Unternehmens erwarten am Sonntag (ab 11.00 Uhr) Antworten zur jüngsten Vergangenheit und besonders zu den Perspektiven des Vereins. Eine Entscheidung für die Zukunft ist bereits gefallen: Präsident Gerd Niebaum, für die wirtschaftliche Talfahrt im Wesentlichen mitverantwortlich, wird nach 18 Jahren sein Amt zu Verfügung stellen, sein designierter Nachfolger ist Reinhard Rauball.

"Rechnen mit Fragen und Kritik"

"Wir rechnen mit Fragen und Kritik, wenn die Mitglieder jetzt nicht kritisch fragen, wann dann? Ich stelle mich, denn es stehen auch personelle Fragen an", sagte Niebaum, dessen Risikopolitik zusammen mit einem verbalen Schlingerkurs und Lügen zu einem erheblichen Vertrauensverlust führte. Der Jurist kündigte für die Jahreshauptversammlung, bei der eine Rekordzahl von über 2000 Mitgliedern in der Westfalenhalle 1 erwartet wird, einen Rechenschaftsbericht an, was dem Kampf um seinen Ruf gleichkommt.

Den durch zahlreiche Schlagzeilen und Berichte, unter anderem über angebliche Nebengeschäfte und -einnahmen, fühlt sich Niebaum zu Unrecht behandelt. Immerhin schreibt er sich den Gewinn von drei Meisterschaften (1995, 1996 und 2002) sowie den Gewinn der Champions League und des Weltpokals 1997, den Umbau des Stadions sowie den Börsengang 2000 während seiner Ära auf die Fahne.

Konsolidierungsprogramm soll Atmosphäre verbessern

Doch Niebaum überzog und ist zusammen mit Manager Michael Meier als Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH und Co. KGaA mit der Konsolidierung des Vereins beschäftigt. Geschickt zwei Tage vor der Versammlung platziert, präsentierte der Noch-Präsident das verfeinerte Konsolidierungsprogramm, um die Atmosphäre - auch nach zuletzt ausgebliebenen sportlichen Erfolgen der Profis - ein wenig zu entspannen.

Auf der Hauptversammlung der Aktionäre am Dienstag soll ein Konsolidierungsprogramm, von der Münchner Unternehmensberatung Metrum erarbeitet, vorgestellt werden. Demnach soll durch strikte Einsparungen in allen Geschäftsbereichen schon in der laufenden Saison der Verlust auf rund 9 Millionen Euro (Vorjahr 67 Millionen Euro) reduziert werden, um im Geschäftsjahr 2006/07 wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Angedacht ist auch eine Umstrukturierung der Stadionfinanzierung, entweder durch eine neugegründete Stadiongesellschaft oder auch eine Anleihe von rund 120 Millionen beim Londoner Investmentbanker Stephen Schechter. Einen eventuellen Bundesliga-Abstieg sehen die Konzepte jedoch nicht vor.

Verhalten von Hauptaktionär Homm noch ungewiss

Mit Spannung erwartet wird in beiden Versammlungen das Verhalten von Hauptaktionär Florian Homm, der etwa 25 Prozent der BVB-Aktien hält und bereits über die Medien versuchte, Einfluss auf die künftige Vereinspolitik zu nehmen. Homm will mehr Kontrolle über die Geschäftsführung ausüben und eigene Leute im Aufsichtsrat installieren. In dem Rücktritt von Niebaum ist zudem auch ein erster Schritt vollzogen, um den 55-Jährigen auf Dauer auch als Geschäftsführer abzulösen. Niebaum setzte am Freitag bei der Vorstellung des Sparprogramm jedoch ein "positives Zeichen" und kündigte den Verzicht auf sein Honorar vom 1. Januar bis 30. Juni 2005 (jährlich ca, 1,1 Millionen Euro) an.

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