Der Grat zwischen Fußballer und Possenreißer ist schmal. Verdammt schmal. Egal auf welchem Niveau man König Kick die Treue hält, es gibt eine Garantie auf skurrile Situationen – gewollt oder nicht. Während die Bundesliga-Vorbilder über Maulwürfe und Insider diskutieren, nehmen die Possenspiele im Amateurbereich teils groteske Züge an. Aus befreundeten Clubs werden erbitterte Gegner, die ums letzte Hemd feilschen, nur aufs eigene Wohl bedacht sind. Gönnen können ist eben keine leichte Aufgabe. Bei aller Freundschaft – die Rivalität bleibt.  Der Unterhaltungsfaktor auch.

Der Montags-Kommentar: Wittener Klubs machen Transfer-Theater

Bei aller Freundschaft – die Rivalität bleibt

Gastkommentar von Dominik Möller
04. Dezember 2006, 17:18 Uhr

Der Grat zwischen Fußballer und Possenreißer ist schmal. Verdammt schmal. Egal auf welchem Niveau man König Kick die Treue hält, es gibt eine Garantie auf skurrile Situationen – gewollt oder nicht. Während die Bundesliga-Vorbilder über Maulwürfe und Insider diskutieren, nehmen die Possenspiele im Amateurbereich teils groteske Züge an. Aus befreundeten Clubs werden erbitterte Gegner, die ums letzte Hemd feilschen, nur aufs eigene Wohl bedacht sind. Gönnen können ist eben keine leichte Aufgabe. Bei aller Freundschaft – die Rivalität bleibt. Der Unterhaltungsfaktor auch.

Momentan gibt man sich in Witten – genauer in Heven und Rüdinghausen – größte Mühe, Beweise dafür anzutreten, dass auch in Landes- und Verbandsliga mit harten Bandagen ums Personal gekämpft wird. Eigentlich ist es kein Wunder, dass sich TuRa-Coach Uli Sieweke für Hevens Keeper Holger Lichottka interessiert – er ist mit Abstand der Beste seines Fachs in der Ruhrstadt.

Auch die Tatsache, dass Lichottka einem Transfer nicht wirklich abgeneigt ist, ist gut nachvollziehbar. Mit seinen zarten 37 Jahren steht er schon mit einem Bein am Abgrund „Karriereende“. Und auf einen Schlag könnte die Reputation des gestandenen Schlussmanns Schaden nehmen – und das nur, weil die Vorstände nicht auf einen grünen Zweig kommen.

Heven pocht auf eine Ablösesumme, Rüdinghausen mag aber nicht zahlen. 2.500 Euro sind den TuRanern, die nach eigener Angabe mit den schmalsten Etat der Verbandsliga haben, zu happig. „Wir zahlen nicht“, so die Rüdinghauser Ansage. Es folgt die Kehrtwende. Beiderorts. Während der Verbandsligist nun Abstand von einer Verpflichtung nimmt, wurde der in Ungnade und auf die Bank beorderte Lichottka in Heven offiziell von seinem Coach begnadigt. Alles in allem ist es für beide Parteien ein unbefriedigender Ausgang eines sagenhaften Possenspiels.

Dabei hätte alles so einfach sein können. Hätte. Im Konjunktiv ist vieles leichter gesagt als getan. Als im Oktober erstmals Gerüchte auftauchten, Lichottka würde liebend gern vom Haldenweg an die Brunebecker Straße wechseln, wurde hinter verschlossenen Türen eifrig verhandelt. Eine optimale Lösung schien in unmittelbarer Reichweite. Lichottka nach Rüdinghausen, im Gegenzug tauscht TuRa-Keeper Markus Mozin das Rüdinghauser Trikot gegen den Hevener Dress. Eine Alternative, die sicher für beide Teams ein gutes Geschäft gewesen wäre. Als es dann allerdings darum ging, Nägel mit Köpfen zu machen, verhärteten sich die Fronten zwischen beiden Clubs. Letztlich gewinnt man den Eindruck, dass es um Einfluss und Macht geht – nicht um sportliche Belange.

Erst ruderte Rüdinghausen zurück, die Kampfansage von Uli Sieweke („Mozin bleibt!“) war Öl auf die Flammen, die vom Lagerfeuer zum Großbrand wurden. Schwer verständlich war auch, dass Hevens Vorsitzender Paul Rehwinkel seinem Keeper Steine in den Weg legte. Und das nur, weil Lichottka zugesichert hatte, nach seiner aktiven Zeit im Vorstand der Hevener aktiv zu werden. Wo genau das Problem liegt, werden nur die Regisseure des grandios inszenierten Theaterstücks in ungezählten Akten wissen.

Autor: Gastkommentar von Dominik Möller

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